Bauern protestieren mit ihren Traktoren in der Athener Innenstadt | Bildquelle: dpa

Mit Hunderten Traktoren gegen die Rentenreform

Die griechische Regierung erntet wegen ihrer geplanten Rentenreform weiter wütende Proteste von den Bauern. Einige von ihnen sind mit ihren Traktoren bis in die Hauptstadt gefahren und sorgten für Chaos auf Athens Straßen.

Griechische Bauern haben erneut gegen die geplante Renten- und Steuerreform der griechischen Regierung protestiert. Nach Schätzungen der Polizei nahmen mindestens 15.000 Bauern an der Großdemonstration in der griechischen Hauptstadt Athen teil.

Am Abend beteiligten sich auch Freischaffende und Staatsbedienstete an den Protesten. Dazu hatten die Verbände von Rechtsanwälten, der Apotheker, der Notare und der Prokuristen aufgerufen. Auch die kommunistische Gewerkschaft PAME schloss sich den Bauern an, berichtete das griechische Staatsradio. Das Fernsehen zeigte Bilder von PAME-Mitgliedern, die friedlich zusammen mit mehreren tausenden Landwirten demonstrierten. Insgesamt 12.000 Menschen besetzten tagsüber den Syntagma-Platz im Athener Stadtzentrum.

Darüber hinaus sperrten die Landwirte mit ihren Traktoren wichtige Straßen im ganzen Land ab, auch in Athen. Mindestens 130 Straßen waren durch die Proteste zum Teil oder komplett gesperrt. Fahrer in der Innenstadt und den umliegenden Straßen mutssen deshalb große Umwege in Kauf nehmen. Am Freitag hatte Innenminister Nikos Tokas das totale Traktorverbot für die Athener Innenstadt teilweise aufgehoben.

Polizisten mit Tomaten und Steinen beworfen

800 Landwirte aus Kreta hatten bereits am Freitag die Innenstadt erreicht und versucht, das Landwirtschaftsministerium zu besetzen. Dabei bewarfen sie die Polizei mit Steinen und Tomaten und schleuderten gezündete Feuerwerkskörper, wie das griechische Fernsehen zeigte. Auch Mülleimer wurden in Brand gesetzt. Die Polizei setzte Tränengas ein und nahm vier Demonstranten fest.

Ausschreitungen bei Protesten gegen Rentenreform in Athen | Bildquelle: dpa
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Beim Versuch, das Athener Agrarministerium zu schützen, flogen Tomaten und Steine auf die Polizisten.

Bauern fühlen sich von Regierung betrogen

Die Landwirte sollen, wie auch viele Selbstständige, mit höheren Steuern und Abgaben zur Sanierung der schwer defizitären Rentenkassen und der Staatsfinanzen beitragen. Die Landwirte fühlen sich aber von der Regierung betrogen: "Sie haben gesagt, dass sie uns unterstützen, dass sie für das Überleben der Bauern kämpfen", sagte zum Beispiel Manolis Paterakis, ein Bauer aus Kreta. "Die selben Leute kommen jetzt und bestätigen genau das Gegenteil."

Für die Bauern sind unter anderem eine Anhebung der Rentenbeiträge von sieben auf 20 Prozent sowie die Abschaffung von Steuerprivilegien vorgesehen. Unter anderem soll ihre Einkommenssteuer von 13 auf 26 Prozent angehoben werden. Die Landwirte sind zu einem Dialog bereit, der vom Null-Punkt aus startet. Als habe es die Pläne für die Rentenreform nie gegeben. Die Reformen sind jedoch Voraussetzung für weitere Hilfen aus der EU und des Internationalen Währungsfonds.

Griechische Landwirte protestieren gegen Rentenreform
T. Bormann, ARD Istanbul
12.02.2016 12:32 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 12. Februar 2016 um 23:34 Uhr im Deutschlandfunk.

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