Kirchen rufen zu Toleranz auf "Nicht nur vom christlichen Abendland reden!"

Stand: 01.01.2016 14:36 Uhr

Zum Jahreswechsel haben die Kirchen an die Menschen in Deutschland appelliert, mit Hoffnung und Offenheit den aktuellen Herausforderungen zu begegnen. Es gelte, nicht nur vom christlischen Abendland zu reden, sondern dieses große Wort "christlich" wirklich zur Basis des Lebens werden zu lassen.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat angesichts der aktuellen Herausforderungen für mehr Gottvertrauen geworben. Es gelte, nicht immer nur vom "christlichen Abendland" zu reden, "sondern dieses große Wort 'christlich' wirklich zur Basis unseres Lebens" werden zu lassen, sagte er in seiner Predigt in der Frauenkirche Dresden.

"Lasst Eure Zweifel hinter Euch!", sagte Bedford-Strohm und forderte dazu auf, das Leben auf Glaube, Hoffnung und Liebe zu gründen. Das helfe, mit nüchternem Blick auf die Probleme zu schauen, die mit der Integration vieler Menschen verbunden seien. Man könne angesichts der sinnlosen Gewalt, der verbalen Hetze und Attacken gegen Flüchtlinge verzweifeln. Er bete darum, "dass die Kräfte des Friedens und der Versöhnung die Oberhand behalten werden", die Kriegslogik nicht zur Normalität werde und die Geflüchteten irgendwann in ihre Heimat zurückkehren könnten.

Christliche Kirchen in Deutschland rufen zur Hilfe für Flüchtlinge auf
tagesschau 12:00 Uhr, 01.01.2016, Kati Obermann, MDR

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Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, rief die Christen dazu auf, neue Hoffnung in die Gesellschaft zu tragen. "Viele Sorgen sind berechtigt, aber unsere Hoffnung ist größer", sagte Marx in München in seiner Silvesterpredigt. Der katholische Erzbischof von München und Freising sprach von "turbulenten Zeiten". Die Gläubigen sollten mithelfen, "dass das große christlich geprägte Friedensprojekt Europa nicht zugrunde geht".

"Christliche Botschaft ist keine Botschaft gegen jemanden"

Dazu zähle auch Integration: Je mehr Menschen sich begegneten, umso weniger Hass gebe es, sagte Marx. "Wenn nicht wir Christen glauben, dass Menschen verschiedener Kulturen zusammenleben können, wer sollte das sonst einbringen?" Rassismus habe im christlichen Glauben keinen Platz, sagte der Kardinal. "Die christliche Botschaft ist keine Botschaft gegen jemanden, sondern die große Botschaft der einen Menschheitsfamilie."

Auch der Osnabrücker katholische Bischof Franz-Josef Bode appellierte, Flüchtlingen mit Offenheit zu begegnen. Es brauche Vertrauen, Mut und Entschlossenheit, um die Integration der Flüchtlinge zu stärken, damit sie in Deutschland eine neue Heimat fänden, sagte Bode im Osnabrücker Dom. Er möchte dazu ermutigen, "sich auf die neue Vielfalt, die uns begegnet, einzulassen". Gleichzeitig gelte es, wachsam zu sein, Vorurteile und Radikalismus zu überwinden und jeder Form von Hass und Gewalt entgegenzutreten.

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