Das Auto einer Unterstützerin des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers Ted Cruz steht auf einem Parkplatz in New Hampshire. | Bildquelle: dpa

Vorwahlen im US-Bundesstaat New Hampshire Ein eigenes Völkchen

Stand: 09.02.2016 13:49 Uhr

"Lebe frei oder stirb": So lautet das offizielle Motto des US-Bundesstaats New Hampshire. Diese Haltung zeigt sich auch bei den Vorwahlen zur Präsidentschaftswahl, die in wenigen Stunden beginnen. Die Kandidaten mühen sich bis zum Schluss.

Von Andreas Horchler, ARD-Studio Washington, zzt. New Hampshire

Einen Tag vor den Vorwahlen in New Hampshire wurde der Bundesstaat von einem kräftigen Schneesturm heimgesucht, der bis zum Wahltag anhalten soll. Der Schnee hinderte die Kandidaten aber nicht daran, Termine vor allem im bevölkerungsreichen Süden des Bundesstaates zu absolvieren. Nach letzten Umfragen liegt Donald Trump bei den Republikanern, Bernie Sanders bei den Demokraten vorn. Aber auf Umfragen können sich die Bewerber um die Präsidentschaft nicht verlassen.

Im Pressezentrum der Vorwahlen stehen konkrete Fragen im Raum: Werden sich republikanische Kandidaten vom rechten Rand durchsetzen, die einen offenen Krieg gegen den IS in Syrien befürworten, weniger Staat fordern und Abtreibung und Homo-Ehe verteufeln? Oder eher gemäßigte Bewerber? Wird bei den Demokraten Hillary Clinton oder Bernie Sanders das Rennen machen?

Vorwahlen im US-Bundesstaat New Hampshire
tagesschau 20:00 Uhr, 09.02.2016, Stefan Niemann, ARD Washington, zzt. New Hampshire

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Eigener Schlag Mensch

Die Leute von New Hampshire sind unberechenbar. Das spiegelt sich auch in dem offiziellen Motto des Bundesstaates wieder, das auch auf den Nummernschildern prangt: "Live free or die" - Lebe frei oder stirb. Wegen des besonderen Schlages Mensch bemühen sich die Bewerber um das höchste Amt im Staat bis auf den letzten Drücker, Eindruck zu machen.

"Die Kandidaten müssen sich Auge in Auge mit den Bürgern hinsetzen, ohne Manuskript", sagt Lehrer Rob Fried aus Concord, der Hauptstadt von New Hampshire. Das macht für ihn auch den Charme der Vorwahlen aus, die dieses Jahr ihren 100. Geburtstag feiern. "Sie müssen reagieren. So lernt man viel über die Persönlichkeit, den Charakter eines Kandidaten", sagt Fried.

Last-Minute-Entscheidungen sind die Regel

Deshalb sind Last-Minute-Entscheidungen in New Hampshire, einem Bundesstaat mit nur 1,3 Millionen Einwohnern, die Regel, nicht die Ausnahme. Etwa ein Viertel derjenigen, die ihre Stimme abgeben, entscheidet sich erst am Wahltag. "Ich unterstütze doch keinen Kandidaten, der mir seine Meinung aufzwingen will", sagt eine selbstbewusste Bürgerin aus Manchester. Ein eigenwilliges Wahlvolk, von dessen Entscheidung abhängen wird, wer im weiteren Rennen um die Präsidentschaft gute Karten und finanzielle Unterstützung haben wird.

Im republikanischen Lager wird es darauf ankommen, ob und wie hoch Donald Trump siegt, ebenso sehr darauf, ob Marco Rubio nach der Abstimmung von Iowa weiterhin stark abschneiden wird. Neben den erzkonservativen Republikanern werden auch den Gouverneuren John Kasich und Christopher James Christie gute Chancen auf einen zweiten oder dritten Platz zugetraut. Damit könnten auch die gemäßigten Republikaner noch weiter im Rennen bleiben. "Am Ende wählt man halt den letzten Bewerber, der noch übrig ist", sagt ein Republikaner

Wichtige Wahl für Clinton

Bei den Demokraten stellen Wahlbeobachter die Frage, wie deutlich Hillary Clinton verlieren wird. Selbst wenn der demokratische Sozialist Bernie Sanders aus dem Nachbarstaat Vermont nur knapp gewänne, wäre das für Hillary Clinton ein schlechtes Zeichen für die weiteren anstehenden Vorwahlen, bei denen ihr ein gutes Abschneiden zugetraut wird.

"Es geht um die Frage, ob Bernie wirklich eine Chance bei den Präsidentschaftswahlen hätte", erzählt ein Bürger, was ihn umtreibt. Wie dieser Mann denken viele Menschen in Amerika, auch über New Hampshire hinaus.

Es sind noch fast fünf Monate bis zur Kandidatenkür. Bis dahin gibt es viele weitere Vorwahlen, Bewerber, die aussteigen. Der Ton zwischen gemäßigten und rechten Republikanern wird zunehmend rauer, der Austausch von Freundlichkeiten bei den Demokraten ist vorbei.

Vorwahlen in New Hampshire
A. Horchler, ARD Washington
09.02.2016 11:10 Uhr

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