Zeitschrift mit Trump-Titelbild an einem chinesischen Zeitungsstand | Bildquelle: dpa

China im Nordkorea-Konflikt Der große Nachbar schweigt bislang

Stand: 11.08.2017 09:10 Uhr

Im UN-Sicherheitsrat hat China die neuen Sanktionen gegen Nordkorea mitgetragen. US-Präsident Trump reicht das aber nicht. Er forderte die Führung in Peking auf, den Druck auf Pjöngjang zu erhöhen. Doch da hält sich China zurück. Peking sieht momentan ein ganz anderes Problem.

Es scheint so, als treibe US-Präsident Donald Trump China in der Nordkorea-Frage derzeit vor sich her: Immer wieder ermahnte er in den vergangenen Wochen Pjöngjangs wichtigsten Verbündeten, zur Lösung des Konflikts beizutragen. "Ich denke, China kann sehr viel mehr tun", bekräftigte Trump.

Und China? Das Land stimmte vor rund einer Woche im UN-Sicherheitsrat für die neuen Sanktionen. Der ohnehin schon geringe Handel zwischen China und Nordkorea wird damit weiter zurückgefahren. Die Staatsführung hält sich jedoch ansonsten zurück. Das liegt zum einen daran, dass sich Chinas Polit-Elite derzeit nahezu geschlossen auf Sommerklausur im Badeort Beidaihe befindet und von dort fast nichts nach außen dringt. Zweitens fährt China schon immer den Kurs, dass es sich in Sachen Außenpolitik und Diplomatie immer nur sehr zurückhaltend äußert. Auch in den chinesischen Medien ist der sich zuspitzende Konflikt zwischen den USA und Nordkorea momentan kein großes Thema.

China versucht außerdem das Bild zu vermitteln, dass sich die Krise ausschließlich zwischen den USA und Nordkorea abspielt und auch nur von diesen beiden Seiten gelöst werden könne. Die Führung in Peking ruft beide Seiten immer wieder auf, miteinander zu verhandeln und gegenseitige Provokationen zu unterlassen. Auch wenn China als "letzter Verbündeter" Nordkoreas bezeichnet wird: Die Einflussmöglichkeiten auf den kleinen Nachbarn haben in den vergangenen Jahren nach Meinung von Beobachtern deutlich abgenommen.

Tourist an der chinesisch-nordkoreanischen Grenze in der Grenzstadt Dandong | Bildquelle: AFP
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China und Nordkorea sind direkte Nachbarn. Über den Grenzfluss Yalu führt die "Brücke der Freundschaft".

China kritisiert US-Manöver im Südchinesischen Meer

Und so richtet sich das, was von Pekings Führung heute nach außen dringt, zwar gegen die USA - mit Nordkorea hat die Äußerung des Außenministeriums aber nichts zu tun. Ein Sprecher kritisierte vielmehr ein US-Marinemanöver im Südchinesischen Meer. Der US-Zerstörer "USS John S. McCain" habe gegen chinesisches und internationales Recht verstoßen und die Souveränität und Sicherheit der Volksrepublik ernsthaft beeinträchtigt, erklärte er. Peking wolle offiziell in Washington Protest einlegen.

Das US-Kriegsschiff war bis auf sechs Seemeilen an eine von China künstlich aufgeschüttete Insel in dem Seegebiet herangefahren. Das Riff zählt zu den umstrittenen Spratly-Inseln, die von China und mehreren Nachbarstaaten beansprucht werden.

Ein US-Beamter sagte der Nachrichtenagentur AFP, eine chinesische Fregatte habe mindestens zehn Warnungen an die "USS McCain" ausgesendet. Die Besatzung des US-Schiffs habe daraufhin erklärt, es handele sich um einen "Routineeinsatz in internationalen Gewässern". Es war bereits das dritte derartige US-Manöver seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump im Januar.

Mit Informationen von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

China hält sich in Nordkorea-Krise bedeckt
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
11.08.2017 09:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. August 2017 um 07:29 Uhr.

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