James Clapper bei der Anhörung | Bildquelle: dpa

US-Geheimdienstchefs "Russische Cyber-Attacken bedrohen Sicherheit"

Stand: 06.01.2017 12:12 Uhr

Russische Cyber-Attacken sind nach Einschätzung der US-Geheimdienste eine ernste Bedrohung für die USA. Russland verfüge über ein "hoch entwickeltes, offensives Cyberprogramm", hieß es in einer Erklärung vor dem Senat in Washington.

In einer gemeinsamen Erklärung vor dem US-Senat haben die Chefs der US-Geheimdienste russische Hacker als ernste Bedrohung für die USA bezeichnet. Die US-Regierung sowie die "die militärische, diplomatische, kommerzielle und kritische Infrastruktur" sei gefährdet durch ein "hoch entwickeltes, offensives Cyberprogramm" Russlands.

Die Erklärung stammte vom Leiter der Nationalen Geheimdienste, James Clapper, von NSA-Chef Michael Rogers und dem für Geheimdienste zuständigen Staatsekretär im Verteidigungsministerium, Marcel Lettre.

Bei der Anhörung vor dem Verteidigungsausschuss ging es um die mutmaßlich russischen Hackerangriffe und Desinformationen während des US-Wahlkampfes. In der kommenden Woche wollen die US-Geheimdienste einen Bericht dazu veröffentlichen.

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Keine Manipulation des Wahlvorgangs

Clapper betonte, dass es keine Anzeichen dafür gebe, dass Russland aktiv in den Wahlvorgang in den USA eingegriffen habe. "Sie habe nicht die Stimmabgabe manipuliert oder so etwas", sagte Clapper.

Präsident Barack Obama hatte aus Vergeltung für die Hackerangriffe kurz vor Jahresende 35 russische Diplomaten ausweisen und zwei russische Anwesen in den USA schließen lassen. Zudem wurde die Führungsspitze des russischen Militärgeheimdienstes GRU sowie Unternehmen, die mit ihm in Verbindung gebracht wurden, mit Strafmaßnahmen belegt.

Clapper erklärte dazu, über die Empfehlung zur Verhängung der Sanktionen gebe es unter den amerikanischen Geheimdiensten einen Konsens. Die Regierung in Russland hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Auch der künftige Präsident Donald Trump hat sich skeptisch gezeigt.

Clapper sagte, während die Bedrohung durch Cyber-Attacken aus Russland gewachsen sei, gebe es Anzeichen für ein Nachlassen der Spionageversuche aus China.

Appell an Trump

US-Präsident Barack Obama rief Trump zur Versöhnung mit den Geheimdiensten auf. Präsidenten "können keine guten Entscheidungen treffen, sofern wir keine gute Aufklärung" haben, sagte Obama in einem Interview des Senders NBC News. Es sei wichtig, dass Amtsinhaber "unpolitisierte" Geheimdienstinformationen bekämen.

Obama drückte die Hoffnung aus, dass die Meinungsverschiedenheiten zwischen Trump und den Geheimdiensten ausgemerzt würden, sobald das Team des künftigen Präsidenten stehe. Wenn Trump erst einmal seine eigenen Briefings erhalte und sehe, wie "professionell und effektiv" die Geheimdienste seien, könne dies zu einer weiteren Entspannung beitragen, ergänzte der scheidende Amtsinhaber.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Januar 2017 um 20:00 Uhr.

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