Die ungarische linksliberale Tageszeitung Nepszabadsag | Bildquelle: AP

Ungarische Zeitung geht an Orban-Freund Ein Verkauf mit Beigeschmack

Stand: 26.10.2016 09:41 Uhr

Die Spatzen hatten es schon von den Dächern gepfiffen, nun ist der Deal besiegelt: Die größte ungarische Oppositionszeitung "Nepszabadsag" wird verkauft - an einen Freund von Ministerpräsident Orban. Ins Portfolio gehören auch ein Dutzend Regionalzeitungen.

von Stephan Ozsváth, ARD-Studio Wien

Schon länger wurde es kolportiert, jetzt ist es amtlich: Die ungarische Tageszeitung "Nepszabadsag" geht an eine Firma, die einem regierungsnahen Oligarchen nahesteht. Das teilte die Budapester Börse auf ihrer Internetseite mit. Auch der stellvertretende Chefredakteur des linksliberalen Blattes, Marton Gergely, bestätigte den Verkauf des Mediaworks-Verlag, dem bisherigen Eigentümer der Zeitung.

Vor zwei Wochen war "Nepszabadsag" ohne Vorwarnung eingestellt worden. "Mit solcher Brutalität sind sie noch nie vorgegangen", sagte Gergely nach dem Aus. "Von vielen Kollegen, die noch in freien Redaktionen arbeiten, höre ich, dass sie dies als eine Drohung verstehen - auch an sie. Wenn diese Regierung sich nicht scheut, so brutal vorzugehen, dann können alle von einem Tag auf den nächsten dran sein."

Käufer mit guten Beziehungen zu Orban

Käufer des Mediaworks-Verlag ist das Medienunternehmen Opimus Press. Es gehört zu einem Firmengeflecht von Lörinc Meszaros, ein enger Freund des ungarischen Ministerpräsidenten Victor Orban. Meszaros ist vom Installateur zum Millionär aufgestiegen - außerdem ist er der Bürgermeister des Heimatortes von Orban.

Auch im Beirat der Verkäufer-Firma Vienna Capital Partners sitzt ein Mann mit Beziehungen zum ungarischen Premier: der ehemalige ungarische Außenminister Mártonyi.

Mit dem Schritt verlieren die Linksliberalen in Ungarn eine Stimme, sagt Kai-Olaf Lang, Ungarn-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin: "Der Verkauf der Zeitung ist sicherlich ein Schritt, der zu deutlich weniger Medienpluralismus in Ungarn führen wird."

Orbán-Freund kauft die linksliberale Tageszeitung „Népszabadság“
S. Ozsváth, ARD Wien
26.10.2016 08:23 Uhr

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"Kompensation über das Internet reicht nicht"

Das Aus für "Nepszabadsag" wurde mit Verlusten begründet. Zuletzt hatte die Zeitung nur noch etwa 40.000 Exemplare verkauft. Der neue Besitzer erwäge ernsthaft einen Neustart der Zeitung - so begründete der Verkäufer Vienna Capital Partners nun den Zuschlag an Opimus Press. Im Paket mit der linksliberalen Tageszeitung hat der neue Besitzer auch ein Dutzend Regionalzeitungen erworben. Die hatte der Mediaworks-Verlag kürzlich erst von der deutschen Funke-Gruppe gekauft.

Regierungskritik übernehmen nun Online-Portale. Aber die Kompensation allein durch das Internet werde wahrscheinlich nicht ausreichen, warnt Lang.

Ein Demonstrant hält eine Ausgabe der Zeitung "Nepszabadsag" in die Luft. | Bildquelle: REUTERS
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Am Rande der Gedenkveranstaltung zum Ungarn-Aufstand 1956 kam es nicht nur zu Protesten gegen die Regierung sondern auch gegen den Verkauf der Zeitung.

Enthüllungen über Korruption und Vetternwirtschaft

"Nepszabadsag" erschien erstmals 1956 als Zeitung der Kommunistischen Partei. Nach der Wende wurde das Blatt eine linksliberale Stimme. Immer wieder erschienen Enthüllungsgeschichten über Korruption und Vetternwirtschaft im Regierungsumfeld.

In den vergangenen zwei Wochen hatten Tausende Ungarn gegen das Aus für die Zeitung protestiert, zuletzt am Rande der Gedenkveranstaltung zum Ungarn-Aufstand 1956. Auf einem der Transparente stand: Die Botschaft von 1956 sei auch Pressefreiheit gewesen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Oktober 2016 um 23:30 Uhr.

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