Petr Hampl

EU-Gegner in Tschechien formieren sich AfD-Schwesterpartei will den Czexit

Stand: 29.06.2016 14:27 Uhr

Das Nein der Briten zur Europäischen Union ist Wasser auf die Mühlen der tschechischen EU-Gegner. In Prag wurde nun eine Partei nach dem Vorbild der AfD gegründet. Ihr Hauptziel: Die EU zerstören - und zwar schnell.

Von Stefan Heinlein, ARD-Studio Prag

Die Nationalhymne dröhnt aus winzigen Lautsprechern im Hinterzimmer eines Prager Hotels. Auftakt für den Gründungsparteitag der APC - der sogenannten Alternative für Tschechien. In seiner Rede nimmt der Vorsitzende Petr Hampl danach kein Blatt vor den Mund. "Die Europäische Union ist eine verbrecherische Organisation", sagt er. Die APC habe vor allem ein Ziel: "Alle anständigen Menschen in Europa müssen sich zusammenschließen, um sie zu zerstören und durch etwas Besseres zu ersetzen."

"Wir lehnen die perverse Multikulti-Ideologie ab"

Man sei kein Ableger der deutschen AfD. Mit den erfolgreichen Gesinnungsgenossen im großen Nachbarland teile man jedoch viele Ansichten und Überzeugungen: "Wir lehnen die perverse Multikulti-Ideologie ab. Wir beharren auf unser Recht, über den Feminismus, die ökologische Weltanschauung und die politische Korrektheit zu lachen."

Im Herbst kommenden Jahres will die APC erstmals bei den Parlamentswahlen ins Rennen gehen. Sie hofft auf die Unterstützung der zahlreichen EU-Gegner in Tschechien. Die Eurokrise und der aktuelle Streit um die Flüchtlingspolitik haben die EU-Skepsis in den letzten Monaten deutlich steigen lassen. Drei Fünftel der Tschechen sind mittlerweile für den EU-Austritt ihres Landes.

Ein Monster namens Brüssel

An der Spitze der Europa-Gegner steht Ex-Präsident Vaclav Klaus. Das Nein der Briten sei ein Vorbild, sagt er. "Großbritannien hat Europa bereits zweimal gerettet. Einmal vor Napoleon, einmal vor Hitler. Jetzt retten die Briten Europa vor dem Monster, für das ich die Brüsseler Eliten halte."

Diese Einschätzung wird jedoch von der amtierenden Mitte-Links-Regierung nicht geteilt. Zwar fordert Ministerpräsident Bohuslav Sobotka nach der Brexit-Entscheidung eine grundlegende Reform der Europäischen Union, doch der Sozialdemokrat will alle Debatten um eine Volksabstimmung nach britischem Vorbild im Keim ersticken. Ein Czexit sei unsinnig und gefährlich. Ohne die EU werde Tschechien wirtschaftlich ins Chaos stürzen. Es gebe die Gefahr, wieder in den Einflussbereich des Kreml zu geraten. Dennoch droht Tschechien im heraufziehenden Wahlkampf eine kontroverse Debatte um seine künftige Rolle in Europa. Spätestens dann könnte das Thema Czexit verstärkt auf den Tisch kommen.

Aufwind für EU-Kritiker in Tschechien nach Brexit
S. Heinlein, ARD Prag
29.06.2016 11:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 29. Juni 2016 um 14:08 Uhr

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