Sahran Allusch von der radikalislamischen Gruppierung Dschaisch al-Islam soll nahe Damaskus getötet worden sein. | Bildquelle: AFP

Luftangriff nahe Damaskus Rebellenchef in Syrien getötet

Stand: 26.12.2015 13:02 Uhr

Einer der einflussreichsten Rebellenführer Syriens ist nach übereinstimmenden Berichten bei einem Luftangriff nahe Damaskus getötet worden. Demnach handelt es sich um Sahran Allusch, Chef der Miliz Dschaisch al-Islam. Ein Abkommen über den Abzug von Islamisten scheint vorerst gestoppt worden zu sein.

Einer der wichtigsten Anführer radikal-islamischer Rebellen in Syrien ist offenbar getötet worden. Sahran Allusch, Chef der Miliz Dschaisch al-Islam, sei bei einem Luftangriff in der Nähe von Damaskus ums Leben gekommen, meldeten verschiedene Medien sowie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Noch unklar ist, ob russische oder syrische Jets die Angriffe ausgeführt haben. Während die Syrische Nationalkoalition und die Freie Syrische Armee die Russen der Tat bezichtigten, erklärte die syrische Armee, sie selbst habe die Angriffe geflogen.

Der libanesische Fernsehsender Al-Majadin berichtete, der 44-jährige Allusch sei während eines Treffens getötet worden, bei dem er zwischen zwei verfeindeten Extremistengruppen vermitteln wollte. Neben Sahran Allusch sollen auch fünf andere ranghohe Rebellen ums Leben gekommen sein.

Sohn eines salafistischen Predigers

Allusch war Sohn eines salafistischen Predigers. Er verbrachte mindestens zwei Jahre in syrischen Gefängnissen, bevor er im Juni 2011 im Rahmen einer Generalamnestie freikam. Er schloss sich dem bewaffneten Aufstand gegen Präsident Bashar al-Assad an und vereinte 2013 mehrere Rebellengruppen unter dem Banner von Dschaisch al-Islam (Armee des Islam). Wenige Stunden nach Alluschs Tod wurde Abu Himam al-Buwaidani laut syrischer Beobachtungsstelle zu seinem Nachfolger ernannt. Die Familie des 40-Jährigen unterhält enge Verbindungen zu den Muslimbrüdern.

Dschaisch al-Islam kontrolliert einen großen Teil der Vororte von Damaskus. Die Gruppe hatte vor zwei Wochen in Riad auch an den Vorbereitungsgesprächen der syrischen Opposition für Friedensverhandlungen mit der Regierung teilgenommen. Dschaisch al-Islam wird von Saudi-Arabien unterstützt und bekämpft sowohl das syrische Regime als auch die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS).

Abkommen zum Abzug mit IS-Kämpfern?

Ein Abkommen mit Syriens Führung über den Abzug von IS-Kämpfern scheint vorerst gestoppt worden zu sein. Das berichtet das libanesische Hisbaollah-TV und führt als Grund des Tod des Rebellen-Führers an.

Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sah die von den Vereinten Nationen vermittelte Einigung vor, dass die Kämpfer und ihre Familien Viertel am Rand von Damaskus verlassen. Es sei das erste Mal, dass sich die syrische Führung und der IS auf ein Abkommen geeinigt hätten. Die der Assad-Regierung nahestehende libanesische Nachrichtenseite Al-Mayadeen meldete, insgesamt sollten mehr als 3500 Bewaffnete und Zivilisten abziehen. Darunter seien auch Kämpfer der Nusra-Front, des syrischen Ablegers des Terrornetzwerkes Al-Kaida.

Bereits Busse vor Ort

Die Nachrichtenagentur AFP sprach unter Bezug auf Verhandlungskreise sogar von rund 4000 Menschen, die sich aus der Region zurückziehen können sollten - dazu sollen 2000 Islamisten zählen. In den Vierteln seien bereits erste Busse angekommen, um die Menschen abzuholen. Den Berichten zufolge sollen sie nach Rakka, eine Hochburg des IS und nach Marea, einer Hochburg der Al-Nusra-Front, gebracht werden.

Die Extremisten haben laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zugestimmt, vor ihrem Aufbruch Waffen und Militärfahrzeuge zu zerstören. Das Abkommen solle die IS-Präsenz in Damaskus beenden, so die Beobachtungsstelle.

Katastrophale Lage in Jarmuk

Vier ähnliche Anläufe zur Evakuierung der belagerten Viertel sind den Angaben zufolge bereits gescheitert. Vor allem in Jarmuk ist die Versorgungslage katastrophal. Das Palästinenserlager wird seit Mitte 2013 von der syrischen Armee belagert. Anfang April übernahmen IS- und Al-Nusra-Kämpfer große Teile des Viertels und lieferten sich heftige Kämpfe mit palästinensischen Milizen, die den Rest kontrollieren. Von den einst 160.000 Einwohnern Jarmuks sollen inzwischen nur noch knapp 7000 palästinensische und syrische Zivilisten dort leben.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. Dezember 2015 um 00:55 Uhr.

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