Kämpfe in Syrien | Bildquelle: AFP

Vereinbarung für Syrien Obama dämpft Erwartungen

Stand: 24.02.2016 20:36 Uhr

Je näher die vereinbarte Feuerpause in Syrien rückt, desto mehr Zweifel haben einige Beteiligte. US-Präsident Obama und die syrische Opposition dämpften Erwartungen an ein Ende der Kämpfe. Derweil warfen die UN erstmals Hilfsgüter aus der Luft über einer belagerten Stadt ab.

US-Präsident Barack Obama hat die Erwartungen an die ab Samstag geplante Feuerpause für Syrien gedämpft. "Die Situation vor Ort ist sehr schwierig", sagte Obama nach einem Treffen mit dem jordanischen König Abdullah II. in Washington. Ein Ende der Kämpfe würde es den USA und ihren Partnern sowie Russland ermöglichen, stärker gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" vorzugehen, fügte Obama hinzu. Er betonte, man mache Fortschritte bei der Vertreibung der Extremisten aus Syrien und dem Irak.

Auch die wichtigste Oppositionsgruppe bleibt skeptisch, signalisierte inzwischen aber Zustimmung zur Feuerpause. Das Hohe Verhandlungskomitee erklärte, man stehe der Idee einer zweiwöchigen Waffenruhe offen gegenüber. Damit könne geprüft werden, ob die Gegenseite ernsthaft an einem Ende der Kämpfe interessiert sei, hieß es in einem Schreiben der Nachrichtenagentur Reuters zufolge.

Zuvor hatte die einflussreiche Kurdenmiliz YPG angekündigt, sich an den US-russischen Plan halten zu wollen. Allerdings behalte man sich das Recht vor, auf Angriffe zu reagieren, sagte ein YPG-Vertreter Reuters.

Optimismus aus Moskau

Russland scheint dagegen optimistischer was ein zeitweises Ende der Kämpfe angeht. Präsident Wladimir Putin telefonierte mit Syriens Machthaber Bashar al-Assad. Darin habe Assad zugesichert, er sei "bereit", den zwischen den USA und Russland ausgehandelten Waffenstillstand einzuhalten.

Ein Sprecher der Assad-Streitkräfte sagte derweil, für die nahe Damaskus gelegene Stadt Daraja werde der Waffenstillstand nicht gelten. Denn die Al-Nusra-Front sei "eine der Gruppen in der Stadt". Daraja ist die größte noch von Rebellen gehaltene Stadt westlich von Damaskus.

Moskau erklärte, es seien bereits mehrere lokal begrenzte Waffenruhen ausgehandelt. In einigen Regionen der Provinzen Homs und Latakia seien entsprechende Vereinbarungen von Rebellen und Assad-Regierung unterzeichnet worden.

Kritik von Erdogan

Kritik an der Feuerpause kommt aus der Türkei. Die Regierung in Ankara will, dass der Waffenstillstand auch nicht für die kurdischen Kämpfer in Syrien gelten soll. Wie der IS und die Al-Nusra-Front seien die kurdischen Kräfte der PYD und YPG genauso "terroristische Organisationen", rechtfertigte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan seine Forderung.

Humanitäre Hilfe aus der Luft

Die notleidende syrische Bevölkerung wurde erstmals von der UN aus der Luft mit Hilfsgütern versorgt. Ein Flugzeug des Welternährungsprogramms (WFP) warf über der vom IS belagerten Stadt Deir Essor 21 Tonnen Hilfsgüter ab. Dort leben noch 200.000 Menschen. UN-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien sagte vor dem UN-Sicherheitsrat, die Versorgung der Menschen auf dem Landweg sei sicherer und zielgenauer. Doch "als letztes Mittel" kommt nach seinen Worten auch die Versorgung aus der Luft in Betracht.

Aktuelle Lage in Syrien
tagesschau 20:00 Uhr, 24.02.2016, Thomas Aders, ARD Kairo

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