Libanesische Zeitungen berichten über den Rücktritt von Premierminister Hariri | Bildquelle: AFP

Saudi-Arabien und Iran Der Libanon zwischen den Fronten

Stand: 09.11.2017 20:40 Uhr

International wird zunehmend gerätselt, welche Ziele Saudi-Arabien im instabilen Libanon verfolgt. Sucht das Land auch hier die Auseinandersetzung mit dem ebenfalls einflussreichen Iran? Riad forderte alle Saudis auf, den Libanon zu verlassen.

Die inneren Umwälzungen in Saudi-Arabien und das Einwirken des Landes auf den notorisch instabilen Libanon sorgen international zunehmend für Sorge.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron änderte am Nachmittag überraschend das Programm seiner Nahostreise und flog von Dubai aus zu Gesprächen in die saudi-arabische Hauptstadt Riad. Dort wolle er über den Iran, Jemen und den Libanon sprechen, erklärte er vor seiner Abreise. Er wolle darlegen, wie entscheidend die Stabilität des Libanon sei, so Macron.

Frankreichs Präsident Macron spricht in Dubai zu Reportern | Bildquelle: AFP
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Überraschende Ankündigung: Frankreichs Präsident Macron in Dubai

Ein ungewöhnlicher Rücktritt

Diese Stabilität scheint bedroht, seitdem der libanesische Ministerpräsident Saad Hariri am Wochenende seinen Rücktritt ankündigte - nicht in Beirut, der Hauptstadt seines Landes, sondern in Riad. Er begründete dies mit der Angst, wie schon sein Vater Opfer eines Anschlags zu werden und warf der Hisbollah-Miliz und dem Iran vor, Unruhen in der Region zu schüren.

Die eng mit Saudi-Arabiens regionalem Rivalen Iran verbundene Hisbollah verbreitete daraufhin die Vermutung, Hariri werde in Saudi-Arabien unter Hausarrest festgehalten, was von Hariris Partei zunächst dementiert wurde. Inzwischen aber forderte die Partei ihn zur Rückkehr auf und verstärkte damit zumindest indirekt den Eindruck, dass Hariri gegen seinen Willen in Riad festgehalten werde.

Saudi-Arabien warnte nun seine Bürger vor Reisen in das Land und rief alle Saudis auf, den Libanon zu verlassen. Kurz darauf veröffentlichte auch Kuwait eine solche Aufforderung.

Eine weitere Konfrontation?

Welche Ziele die Regierung in Riad derzeit im Libanon verfolgt, ist unklar. Möglicherweise zeichnet sich auch hier eine Konfrontation zwischen Saudi-Arabien und dem Iran ab.

Beide Länder ringen um die Vorherrschaft in der Region. Im Bürgerkrieg im Jemen bekämpft eine von Saudi-Arabien angeführte Allianz schiitische Huthi-Rebellen, die vom Iran gestützt werden. Diese hatten am Samstag eine Rakete auf Riad abgefeuert, die aber abgefangen wurde. Riad warf daraufhin dem Iran vor, für den Beschuss verantwortlich zu sein. Teheran wies dies zurück.

UN warnen vor Hungerkatastrophe im Jemen
tagesschau 20:00 Uhr, 09.11.2017, Eric Beres, ARD Kairo

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Droht ein weiterer Bürgerkrieg?

Auch im Libanon sehen sich beide Länder als Schutzmächte - Saudi-Arabien für die Sunniten, Iran für die Schiiten. Die vom Iran gestützte Hisbollah ist ein entscheidender Machtfaktor im Land. Sunnitische Kritiker werfen ihr vor, einen Staat im Staate gebildet zu haben und ihren Einfluss stetig auszubauen.

Die zunehmenden Auseinandersetzungen zwischen Sunniten und Schiiten bedrohen das politische System Libanons. Dieses ist seit dem langen Bürgerkrieg zwischen 1975 und 1990 eine fragile Balance zwischen den Religionsgruppen des Landes.

Festnahmen in der Elite

Diese ohnehin schon komplizierte und höchst empfindliche Lage wird dadurch noch verkompliziert, dass sich in Saudi-Arabien tiefgreifende Umwälzungen abzeichnen. Seit dem Wochenende läuft eine beispiellose Festnahmewelle. Mehr als 200 hochrangige Personen aus Politik und Wirtschaft wurden bislang festgesetzt und verhört, wie der Generalstaatsanwalt mitteilte. Lediglich sieben wurden wieder auf freien Fuß gesetzt.

Den Festgesetzten wird Korruption vorgeworfen. Der Generalstaatsanwalt sagte, das "potenzielle Ausmaß der aufgedeckten Korruptionspraktiken" sei "sehr groß". Mindestens 100 Milliarden Dollar (rund 86 Milliarden Euro) seien über Jahrzehnte durch systematische Korruption und Unterschlagung veruntreut worden. Es gebe sehr starke Beweise für das Fehlverhalten der Betroffenen.

Der saudi-arabische König Salman spricht mit seinem Sohn Mohammed | Bildquelle: AP
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Herrscher und wahrscheinlicher Nachfolger: Der saudische König Salman im Gespräch mit Kronprinz Mohammed

Was plant der Kronprinz?

Beobachter sehen dahinter einen Versuch des einflussreichen Kronprinzen Mohammed bin Salman, seine Macht zu festigen. Der 32-Jährige war mit Beginn der Festnahmewelle zum Vorsitzenden eines neu geschaffenen Anti-Korruptions-Komitees mit weitreichenden Vollmachten ernannt worden.

Zu den Festgenommenen gehörten unter anderem der Milliardär und Großinvestor Al-Walid bin Talal und der Chef der Nationalgarde, Prinz Mutaib bin Abdullah.

Mohammed gilt auch als entscheidende Figur hinter dem Eingreifen seines Landes im Jemen und dem zunehmenden Versuch, den Einfluss des Iran einzudämmen. Möglicherweise sind die jüngsten Ereignisse rund um den Libanon ein Teil dieser Entwicklung.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. November 2017 um 20:00 Uhr.

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