Hand hält indische Rupien

Indien erklärt wichtige Banknoten für wertlos Morgens Geldschein, abends Papier

Stand: 09.11.2016 15:30 Uhr

In Indien sind überraschend 500- und 1000-Rupien-Scheine aus dem Verkehr gezogen worden. Es handelt sich um die gängigsten Zahlungsmittel dort. Premierminister Modi begründete den Schritt mit dem Kampf gegen Korruption und Schattenwirtschaft.

Von Jürgen Webermann, ARD-Studio Neu-Delhi

Es war kurz vor 20 Uhr Ortszeit, als durchsickerte, dass Indiens Premierminister Narendra Modi eine Ansprache an die Nation halten werde. Sollte es um Terrorismus gehen, um den Konflikt mit Pakistan - Modis derzeit bestimmendes Thema? Nein, der Premier hatte im Schatten der US-Wahl eine Überraschung parat, mit der niemand gerechnet hatte: "Brüder und Schwestern, wir haben beschlossen, dass alle 500- und Tausend-Rupien-Scheine von Mitternacht an nicht mehr gültig sein werden. Das heißt, dass diese Scheine nicht mehr für Einkäufe akzeptiert werden, und zwar von Mitternacht an."

Modi kündigte nichts anderes als eine radikale Bargeldreform an. 500-Rupienscheine zählen zu den gängigsten Zahlungsmitteln. Und Indien ist vor allem eine Bargeldwirtschaft, auch wenn Kartensysteme sich rasant ausbreiten. 500 Rupien sind umgerechnet derzeit etwa 6,80 Euro, 1000 Rupien entsprechen ca. 13,60 Euro.

Schlag gegen Schwarzgeld und Korruption

Noch bevor Modi’s Landsleute den ersten Schrecken verdauen und begreifen konnten, was ihr Premier da gerade gesagt hat, wurde er auch schon deutlich, gegen wen sich dieser Schritt richtet: Gegen alle, die Schwarzgeld horten. "Die 500- und 1000-Rupien-Scheine, die anti-nationale und asoziale Elemente daheim bunkern, werden nur noch wertlose Stücke Papier sein. Das Ausmaß, mit dem sich Korruption und Schwarzgeld hier ausgebreitet haben, ist riesig. Dahinter steckt der Egoismus gewisser Teile unserer Gesellschaft."

Der indische Premierminister Narendra Modi. | Bildquelle: REUTERS
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Der indische Premierminister Modi kündigte überraschend das Ende für die 500- und 100-Rupien-Noten an.

Tatsächlich gibt es eine riesige Schattenwirtschaft, und in internationalen Korruptions-Rankings hält Indien seit jeher einen Platz ganz weit unten. Modi versprach, das zu ändern. Eine Amnestie für Steuerhinterzieher lief Ende September aus, bis dahin hatten die Behörden nach eigenen Angaben knapp zehn Milliarden Euro eingenommen. Diejenigen, die ohnehin regulär Steuern zahlten, erhielten dagegen im Zuge einer Charmeoffensive erstmals Zertifikate des Finanzamts, das ihnen für ihren Beitrag zum - so wörtlich - "Aufbau einer großen Nation" dankte. Insgesamt aber, schätzen Experten, dürften sich noch immer mehrere hundert Milliarden Euro an Schwarzgeld im Umlauf befinden.

Neue Rupien-Scheine

Doch mal eben so wichtige Banknoten aus dem Verkehr ziehen? Das verunsicherte viele Menschen dann doch. An den Bankautomaten bildeten sich noch am Abend lange Schlangen, dort konnten Kunden 100-Rupien-Scheine ziehen, solange der Vorrat reichte. Die Banken sind heute geschlossen. Sie sollen zum Ende der Woche neue 500-Rupien-Scheine sowie 2000-Rupien-Scheine in den Umlauf bringen. Die 2000-Rupien-Scheine sollen die alten Tausender ersetzen. Bis Ende Dezember können die alten Scheine dann bei Banken umgetauscht werden - gegen Vorlage eines Personalausweises. Größeren Beträgen könnten die Behörden also nachgehen, und eine weitere Amnestie soll es nicht mehr geben, kündigte Finanzminister Arun Jaitley an.

Weil fast die Hälfte der indischen Wirtschaft aus kleinen Läden und Händlern besteht, die nur mit Bargeld arbeiten, waren die Straßen in der Hauptstadt Neu-Delhi heute bei weitem nicht so geschäftig wie sonst. Ladenbesitzer beklagen sich, dass nichts los sei. "Ich mache kein Geschäft. Einige wollen mit 500er Scheinen einkaufen, aber ich weise sie zurück. Trotzdem finde ich, dass die Regierung hier ein Meisterstück abgeliefert hat. Wir werden für zwei, drei Tage Probleme haben, aber es ist insgesamt gut für das Land," sagte ein Händler.

Opposition kritisiert Maßnahme als zu hart

Vielleicht wird das alltägliche Wirtschaftsleben noch länger gestört bleiben - laut der indischen Zentralbank kann es auch zwei Wochen dauern, bis genügend neue Scheine im Umlauf sind. Oppositionspolitiker bezeichneten die Maßnahmen deshalb auch als zu hart vor allem für ärmere Menschen, die nicht mal ein Bankkonto besäßen und in 500-Rupien-Scheinen bezahlt würden. Einige forderten zudem weitere Anti-Korruptions-Maßnahmen. Denn mit den neuen Scheinen werde das gleiche Spiel einfach nur von vorne beginnen.

Indiens plötzliche Bargeldreform
Jürgen Webermann, ARD Indien
09.11.2016 14:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. November 2016 um 17:16 Uhr.

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