Eine Demonstrantin hält ein Schild hoch auf dem steht "Macron Roi Fainéant" | Bildquelle: AP

Arbeitsmarktreform in Frankreich "König der Täuschung"

Stand: 23.09.2017 18:22 Uhr

Einen Tag nach Verabschiedung der Arbeitsmarktreform von Frankreichs Präsident Macron haben in Paris Zehntausende Menschen dagegen demonstriert. Auf Spruchbändern war zu lesen: "Macron - Präsident der Reichen" oder "Macron - König der Täuschung".

In Paris sind abermals Zehntausende Menschen zu Protesten gegen die Arbeitsmarktreform von Präsident Emmanuel Macron auf die Straße gegangen.

Sie folgten einem Aufruf des französischen Linkspolitikers Jean-Luc Mélenchon, der die am Vortag per Verordnung umgesetzte Reform zur Liberalisierung des Arbeitsmarkts als "Sozialstaatsstreich" brandmarkte. "Der Kampf ist nicht zu Ende, er fängt gerade erst an", sagte Mélenchon in seiner Ansprache.

150.000 Demonstranten

Die Organisatoren bezifferten die Zahl der Teilnehmer auf 150.000. Mélenchon rief seine Anhänger auf, den Druck auf Macrons Regierung aufrecht zu erhalten, um die Reform zu Fall zu bringen.

Macron hatte zuvor angekündigt, seine Pläne durchzuziehen und sich nicht dem Druck der Straße zu beugen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron | Bildquelle: AFP
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"Ich glaube an die Demokratie, aber die Demokratie ist nicht die Straße" hatte Präsident Macron kürzlich in einem Interview gesagt.

Als Reaktion darauf erinnerte Mélenchon auf der Kundgebung in Paris an die große Bedeutung von Straßendemonstrationen in der französischen Geschichte. "Es war die Straße, die die Könige geschlagen hat, die Nazis, den Juppé-Plan", sagte Mélenchon mit Blick auf einen früheren Versuch zur Arbeitsmarktreform.

Die Demonstranten sollten es sich "nicht gefallen lassen, dass in einem solchen Ton mit ihnen gesprochen wird", sagte Mélenchon.

Der französischen Linkspolitikers Jean-Luc Mélenchon | Bildquelle: AFP
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An Macron gerichtet sagte der französische Linkspolitiker Mélenchon: "Herr Präsident, ziehen Sie die französische Geschichte zu Rate!"

Das unbeugsame Frankreich

Der Abgeordnete Mélenchon ist derzeit Frankreichs profiliertester Oppositionspolitiker. Der Anführer der Bewegung "La France insoumise" (Das unbeugsame Frankreich) und frühere Chef der französischen Linkspartei hatte bei der Präsidentschaftswahl im Frühjahr für Furore gesorgt und war Vierter geworden.

Mehr Spielraum für Unternehmen

Die Arbeitsmarktreform ist eines der zentralen Wahlkampfversprechen des 39-jährigen Präsidenten. Im Kampf gegen die hohe Arbeitslosigkeit will er Unternehmen mehr Spielraum und Sicherheit geben. Unter anderem werden Kündigungen erleichtert, Abfindungen gedeckelt und Betriebsvereinbarungen gestärkt.

Arbeitgeber begrüßen die Reform. Gewerkschaften und linke Parteien kritisieren sie dagegen als Abbau von Arbeitnehmerrechten.

Frankreich leidet seit Jahren unter einer hohen Arbeitslosigkeit. Derzeit sind mehr als 3,5 Millionen Menschen ohne Job, die Arbeitslosenquote liegt bei über neun Prozent. Der im Mai gewählte Macron will bald weitere Reformen angehen, unter anderem im Rentensystem und bei der Arbeitslosenversicherung.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. September 2017 um 20:00 Uhr.

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