Papst Franziskus und Karekin II | Bildquelle: AP

Gedenkmesse im Vatikan Papst spricht von Armenier-"Genozid"

Stand: 12.04.2015 15:53 Uhr

Der Papst hat zu einem politisch brisanten Thema klar Stellung bezogen: Der Massenmord an den Armeniern vor 100 Jahren sei ein "Völkermord" gewesen, sagte Franziskus. Die Türkei soll versucht haben, die Äußerung zu verhindern.

Papst Franziskus hat den Tod von schätzungsweise 1,5 Millionen Armeniern vor 100 Jahren im Osmanischen Reich als "ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet. Er machte die politisch brisante Äußerung bei einer Gedenkmesse im Petersdom, in deren Mittelpunkt der vor rund 1000 Jahren lebende armenische Heilige Gregor von Narek stand. An der Messe im Petersdom nahmen auch der Patriarch der Armenisch-Apostolischen Kirche, Karekin II., und der armenische Präsident Sherzh Sargsyan teil.

Es sei seine Pflicht, die Erinnerung an die unschuldigen Männer, Frauen, Kinder, Priester und Bischöfe zu würdigen, die "sinnlos" ermordet worden seien, verteidigte das Kirchenoberhaupt seine Äußerung: "Das Böse zu verbergen oder abzustreiten ist genauso wie eine Wunde bluten zu lassen, ohne sie zu bandagieren."

"Drei gewaltige und beispiellose Tragödien"

Im 20. Jahrhundert habe es "drei gewaltige und beispiellose Tragödien" gegeben. Die erste, die "weithin als 'erster Völkermord des 20. Jahrhunderts' gilt", habe das armenische Volk getroffen, sagte der Papst. Für die beiden anderen Völkermorde des 20. Jahrhunderts seien der "Nazismus und Stalinismus" verantwortlich.

In jüngerer Vergangenheit habe es aber noch weitere Massenmorde gegeben, etwa in Kambodscha, Ruanda, Burundi und Bosnien. Die Menschheit sei offenbar nicht dazu in der Lage, "dem Vergießen von unschuldigem Blut ein Ende zu setzen".

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Wollte die Türkei die Äußerung verhindern?

Die Türkei streitet als Nachfolgestaat des Osmanischen Reiches einen Genozid ab. Sie soll laut türkischen Medienberichten versucht haben, den Papst vom Gebrauch des Begriffes abzuhalten. Laut türkischer Sichtweise ist die Zahl von 1,5 Millionen Todesopfern überdimensioniert. Die Getöteten seien zudem Opfer von Bürgerkrieg und Unruhen. Sie bestellte nach der Papst-Äußerung den Botschafter des Vatikan in Ankara ein.

Als Kardinal Jorge Mario Bergoglio hatte der Papst die Verfolgung der Armenier in seinem Buch "Über Himmel und Erde" schon dreimal als "Völkermord" bezeichnet. Auch vor knapp zwei Jahren benutzte er den Begriff bei einem Besuch armenischer Christen. Die Armenier, zahlreiche unabhängige Wissenschaftler und viele Regierungen sprechen ebenfalls von "Völkermord". Deutschland ist hingegen ebenso zurückhaltend wie Italien oder die USA.

Im Vatikan wurde der Begriff bereits von Papst Johannes Paul II. benutzt. Sowohl vor als auch während seines Armenien-Besuchs 2001 bezeichnete er die Verfolgung als "Genozid". Er unterzeichnete sogar zusammen mit dem armenischen Kirchenführer ein Dokument, in dem es hieß, auf die Geschehnisse werde allgemein Bezug genommen "als erster Völkermord des 20. Jahrhunderts".

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