Ein Herz als Organspende | Bildquelle: dpa

Organtransplantationen Spanien ganz vorn

Stand: 16.01.2018 03:54 Uhr

In Deutschland schlagen Experten Alarm: Die Zahl der Organspender ist auf den tiefsten Stand seit 20 Jahren gesunken. In Spanien verzeichnet man dagegen Rekordzahlen bei den Transplantationen. Was läuft da besser?

Von Marc Dugge, ARD-Studio Madrid

Mit dem Job von Beatriz Domingúez-Gil würde manch ein deutscher Organspende-Experte wohl gern tauschen. Sie leitet die spanische Organspenden-Organisation ONT. Auch in diesem Jahr kann sie wieder mit guten Nachrichten glänzen.

"Wir haben ein Rekordjahr hinter uns, was die Spende von Organen angeht. In keinem Land der Welt sind jemals mehr Organe transplantiert worden - auch in Spanien nicht. 2017 waren das mehr als 5000 transplantierte Organe, das ist Rekord! Auch bei den Nieren-, Leber und Lungentransplantationen schlagen wir Rekorde."

Im Schnitt spenden in Spanien sechs Menschen täglich ihre Organe, jeden Tag werden durchschnittlich 14 Organe transplantiert. Damit liegt Spanien weit über dem europäischen Durchschnitt.

Wer nicht spenden will, muss widersprechen

Spaniens Gesundheitsministerin Dolors Montserrat ist stolz auf das Ergebnis. Die guten Zahlen würden zeigen, dass Spanien eines der "besten Gesundheitssysteme der Welt" habe. Ob das so ist, ist fraglich. Sicher ist dagegen, dass Spanien beim Thema Organspende viel pragmatischer vorgeht als Deutschland. Denn wer in Spanien nicht als Organspender in Frage kommen will, muss zu Lebzeiten ausdrücklich widersprechen.

Anders als in Deutschland, wo man zu Lebzeiten ausdrücklich zustimmen muss, dass einem nach dem Tod Organe entnommen werden können. Die Angehörigen müssen in Spanien dennoch zustimmen. Die meisten hätten nichts dagegen, so Beatriz Domingúez-Gil.

"12,9 Prozent der Familien haben der Transplantation nicht zugestimmt. Das heißt umgekehrt: 87 Prozent der Familien sagen, wenn sie gefragt werden, Ja zur Transplantation."

So führt Spanien seit 26 Jahren die Statistik bei den Organspenden an. Die Zahl der Spender ist in den vergangenen drei Jahren nach Angaben der ONT kräftig gestiegen, nämlich um rund ein Drittel. Und die Warteliste für Organe wird immer kürzer. Während ein Patient in Deutschland durchschnittlich sechs bis acht Jahre auf eine neue Niere warten muss, sind es in Spanien nur etwa zwei.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 13. Januar 2018 um 23:30 Uhr.

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