Viktor Orban | Bildquelle: REUTERS

Orban in Brüssel Lob für Trump - Kritik an Schulz

Stand: 27.01.2017 09:22 Uhr

Donald Trump bedeutet Hoffnung, Martin Schulz hingegen eine Gefahr - so ließe sich in Kurzform das Weltbild des ungarischen Ministerpräsidenten Orban beschreiben. Trotzdem fordert er einen Spagat: zwischen mehr Nationalismus und einem starken Europa.

Von Kai Küstner, ARD-Studio Brüssel

Dass Martin Schulz und Viktor Orban nie eine politische Liebesbeziehung führen würden, zeichnete sich bereits auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise ab. Damals, im September 2015, traten die beiden nach einem Treffen in Brüssel vor die Journalisten und gestanden in seltener Offenheit ein, dass sie kein bisschen einer Meinung seien beim Umgang mit den Syrien-Flüchtlingen.

Jetzt, da Schulz SPD-Kandidat für den Kanzlerposten wird, teilte der Ungar erneut in Richtung des Deutschen heftig aus: "Ich respektiere ihn. Er ist ein großer Kämpfer. Aber er hat eine komplett andere Vorstellung von Europa als wir: Dieser Kandidat versteht nicht die drei wichtigen Dinge der europäischen Politik: Religion, Nation, Markt. Und der könnte deutscher Kanzler werden - wir sind in einer ernsten Lage", sagte er bei einer Veranstaltung der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in Brüssel.

Mauer für Trump, Zaun für Orban

Schulz als eingefleischter Europäer hatte angekündigt, auch von Berlin aus für die EU kämpfen zu wollen. Der ungarische Regierungschef hingegen verriet nun, dass ihm ein Satz aus dem Munde des neuen US-Präsidenten Donald Trump besonders gut gefallen habe. Geradezu historisch sei der gewesen: "Er hat gesagt, dass es das Recht aller Nationen ist, ihr eigenes Interesse voranzustellen. Das macht mir Hoffnung."

Trump will eine Mauer bauen, Orban hat bereits einen Zaun gegen Migranten errichtet. Jedenfalls sei es an der Zeit, dass man den neuen Mann im Weißen Haus ernst nehme, meint der Ungar, der nun genau wie Trump die Wiederauferstehung des Nationalstaats feiert: "Wir haben uns von einer Utopie versklaven lassen. Und diese Utopie heißt: 'Supranationales Europa'. Das aber ist eine Illusion. Es gibt keine Europäer, es gibt nur europäische Völker."

Zeit, dass EU sich erneuert

Mit Sätzen wie diesen beweist Orban in den Augen seiner Kritiker, dass er eine echte Gefahr für Europa darstellt. Doch Ungarn ist nun mal Teil der EU, und es sieht auch nicht danach aus, als würde Orban das ändern wollen. Es ist kein Geheimnis, dass sein Land finanziell und wirtschaftlich massiv von dieser Mitgliedschaft profitiert.

Doch da der rechtsnationale Regierungschef nun ein neues Zeitalter anbrechen sieht, wird es aus seiner Sicht eben auch Zeit, dass die EU sich erneuert: "Wir haben eine Union, die kein wirtschaftliches Wachstum erzeugt. Wir haben eine Migrationspolitik, die als Gefahr wahrgenommen wird. Wir haben keine gemeinsame Außenpolitik und dazu ein Sicherheitsproblem durch den Terrorismus."

Spätestens an diesem Punkt wurde es dem EU-Parlamentarier und CDU-Politiker Elmar Brok zu bunt: Er stand auf und fragte Orban, ob er denn denke, dass ein auf sich gestellter Nationalstaat all die Probleme lösen könne. Und ob er denn glaube, dass ein kleines europäisches Land auch nur den Hauch einer Chance gegen Trump habe, wenn es versuche, alleine ein Abkommen mit den USA auszuhandeln.

Gemeinsam in der Verteidigung

Eine wirkliche Antwort darauf hatte der Ungar nicht. Bei einem anderen Thema wirbt er allerdings durchaus für eine starke und einige EU: Man brauche, so Orban, eine echte europäische Verteidigungsallianz: "Das könnte den Weg ebnen für mehr Selbstvertrauen. Wenn wir das wiedergewonnen haben, können wir Gespräche auf Augenhöhe mit jedem führen, auch mit Russland."

Mehr Nationalismus und zugleich ein starkes Europa - so mancher mag darin einen Widerspruch sehen. Orban tut das nicht. Seinen Vortrag beendete er daher frei nach Donald Trump mit den Worten: "Make Europe Great Again! Lasst uns Europa wieder groß machen!"

Orban in Brüssel: Ohrfeige für Schulz, Lob für Trump
K. Küstner, ARD Brüssel
27.01.2017 14:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 27. Januar 2017 um 07:18 Uhr.

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