Der ehemalige Lagerhauskomplex 5Pointz im Jahr 2013 | Bildquelle: dpa

Gerichtsurteil in New York Millionen für Graffitis

Stand: 13.02.2018 18:22 Uhr

Sind Graffitis schützenswerte Kunst? Ein New Yorker Richter hat dies für die Werke von 21 Künstlern bejaht. Die Sprayer erhalten nun eine Millionen-Entschädigung von einem Hausbesitzer.

Von Kai Clement, ARD-Hörfunkstudio New York

Das loftähnliche Backsteingebäude - eine ehemalige Fabrik - stand inmitten einer oberirdischen U-Bahn-Schleife im Stadtteil Queens, östlich von Manhattan.

In den 90er-Jahren hatte Investor Jerry Wolkoff es an Künstler vermietet. Sie nannten es "5Pointz" - nach den fünf Stadtteilen New Yorks. Drinnen waren ihre Studios, die Wände draußen nutzten sie mehr und mehr als Leinwände, gestalteten sie mit Wandbildern, Graffitis und Künstler-Tags - und zwar mit Genehmigung des Vermieters. 

Eine der zentralen Figuren von "5Pointz" ist Jonathan Cohen. Sehr dankbar sei man dem Hausbesitzer gewesen, sagt er.

Doch 2013 änderte Jerry Wolkoff seine Meinung. Mein Haus, meine Entscheidung - unter dieser Prämisse ließ er die Wandbilder über Nacht weiß übertünchen und ein Jahr später die Gebäude abreißen. Inzwischen ist dort eine Großbaustelle für zwei 40-stöckige Hochhäuser.

Es ist das alte Lied der Gentrifizierung, das so oft in New York gesungen wird: Aus Industriebrache wird Kunstfläche, werden Luxuswohnungen. Das bedeutet das Ende für das selbst erklärte "größte Open-Air Museum für Spraykunst".

Der ehemalige Lagerhauskomplex 5Pointz im Jahr 2013 | Bildquelle: dpa
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Der ehemalige Lagerhauskomplex 5Pointz im Jahr 2013

Gesetzlicher Schutz für Graffitis

Der New Yorker Richter Frederick Block sprach 21 klagenden Graffiti-Künstlern in einer wegweisenden Entscheidung viel Geld zu - umgerechnet fast 5,5 Millionen Euro Entschädigung. Block sprach von einem "Mekka hochwertiger Spray-Kunst". Er urteilte nach einem Gesetz, das Künstler vor der Zerstörung ihrer Werke schützt, selbst wenn sie nicht mehr in ihrem Besitz sind. Dafür aber muss es sich um "Kunstwerke anerkannten Formats" handeln. 45 der "5Pointz"-Werke stufte der Richter so ein.

Noch nie, so Kunstanwalt Dean Nicyper, sei dieses Gesetz auf Graffiti angewandt worden. Für Jonathan Cohen ist die Anerkennung als Kunst neben dem Schadensersatz der eigentliche Erfolg des Prozesses.

Investor Wolkoff dagegen nennt es Wahnsinn. Er sieht seine Eigentumsrechte verletzt und will in Berufung gehen.

Eine Anwohnerin jedoch zeigt sich begeistert: Ja: es sei sein Gebäude gewesen, aber doch nicht seine Kunst. Die habe immer New York gehört - das sei die Moral der Geschichte.

Millionenentschädigung für zerstörte Grafitis
Kai Clement, ARD New York
13.02.2018 18:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Februar 2018 um 10:00 Uhr in den Nachrichten.

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