Die Piran-Bucht | Bildquelle: dpa

Urteil im Streit mit Kroatien Slowenien bekommt die Bucht

Stand: 29.06.2017 22:16 Uhr

Seit 1991 streiten Kroatien und Slowenien um eine Bucht in der Adria. Ein internationales Schiedsgericht hat nun entschieden: Der Großteil der Piran-Bucht gehört Slowenien. Kroatien will das aber nicht akzeptieren.

Von Andrea Beer, ARD-Studio Wien

Wer in den Sommerferien zum Schwimmen an die kroatische Adriaküste fährt, könnte deutlich länger unterwegs sein als sonst. Es wäre nämlich gut möglich, dass slowenische Grenzbeamte die erholungshungrigen Touristen länger stehen lassen, bevor diese den Schengenraum in Richtung Kroatien verlassen können. Eine Art slowenischer Mini-Racheakt am Touristenziel Kroatien. Hintergrund dieser Befürchtung ist der langwierige Grenzstreit zwischen Slowenien und Kroatien. Größter Zankapfel war der Verlauf der Grenze durch die wunderschöne Adriabucht vor Piran.

Bei dem Streit geht es um Fischerei-Rechte, den slowenischen Zugang zu internationalem Gewässer und mögliche Erdgasvorkommen. Unter EU-Regie landete der Zwist schließlich vor dem Schiedsgericht in Den Haag. Dieses hat nun sein Urteil gefällt: Der größte Teil der Piran-Bucht gehört demnach Slowenien. Kroatien muss einen Korridor in internationale Gewässer garantieren. Eigentlich wollte Kroatien die Bucht teilen. Dafür bleiben drei umstrittene Dörfer kroatisch und Zagreb bekommt Waldflächen und einen strategisch interessanten Berg dazu.

Die Piran-Bucht | Bildquelle: AFP
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Ein Fischer in der Piran-Bucht

Slowenien will, Kroatien nicht

Slowenien will die unstrittigen Punkte umsetzen, hieß es in der Hauptstadt Ljubljana. Kroatien hingegen akzeptiert das Urteil nicht. Das hat der kroatische Regierungschef Andrej Plenkovic kurz vor der Verkündung in Den Haag noch einmal unterstrichen. "Kroatien  ist aus dem ganzen Schiedsverfahren ausgetreten und deswegen ist die Entscheidung für uns nicht verpflichtend", sagte er. "Ich erwarte natürlich sehr lebhafte Reaktionen darauf in den Medien. Aber Slowenien und Kroatien sind verantwortungsbewusste Staaten und gute Nachbarn. Freunde, die eine offene Frage zu lösen haben. Wir sind damals in gutem Glauben in dieses Schiedsverfahren eingestiegen, aber das hat nicht geklappt, denn die Atmosphäre wurde leider unwiderruflich vergiftet."

"Auch solche Probleme friedlich lösen"

So hatte Slowenien mit einem internationalen Richter des Schiedsverfahrens Kontakt und damit gegen die Regeln verstoßen. Außerdem blockierte die Regierung in Ljubliana im Verlauf des Streits unter anderem die EU-Beitrittsverhandlungen mit Kroatien.

Dass Kroatien die Entscheidung nicht umsetzen möchte, ist für Slowenien keine Überraschung und so nahm auch der slowenische Präsident Borut Pahor schon im Vorfeld die Schärfe aus der Debatte. "Nur in einem sehr besonnen Dialog können wir eine Lösung finden. Das ist nicht leicht, denn viele werden sagen, wozu noch diskutieren? Wir müssen die Entscheidung einfach umsetzen und sie hätten damit sogar Recht", sagte Pahor. "Aber wir müssen offen miteinander reden und nicht aufgeben, wenn das erste oder zweite Gespräch nichts bringt. Wir müssen damit zeigen, dass Slowenen und Kroaten gute Nachbarn sind und auch solche Probleme friedlich lösen können - zum Vorteil für beide Seiten."

Wichtige Grundlage für das heutige Urteil des Schiedsgerichts in Den Haag waren früher vermessene Katastergrenzen - etwa entlang von Flüssen oder die Verteilung zu Zeiten von Jugoslawien. So sei die slowenische Polizei in der nordöstlichen Adria damals weit aktiver gewesen als die kroatische. Das sagte einer der fünf Richter bei der Begründung in Den Haag.

Junge auf Steg an der Piran-Bucht | Bildquelle: REUTERS
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Ein Junge auf einem Steg an der Piran-Bucht. Trotz des Urteils aus Den Haag dürfte der Streit noch nicht beigelegt sein.

Streit geht weit zurück

Der Streit zwischen Slowenien und Kroatien hatte mit dem blutigen Ende Jugoslawiens begonnen. Damals mussten sich die Nachfolgeländer auf ihre Land und Wassergrenzen neu einigen. Doch der Grenzverlauf war nicht bis ins letzte Detail festgelegt, was nicht nur zwischen Slowenien und Kroatien nach Kriegsende zum Konflikt führte. In diesem Zusammenhang gab es viele Gebietstausche entlang der Grenzen. Auch der Kosovo und Montenegro streiten nach wie vor um den Grenzverlauf. Wie es an der slowenisch kroatischen Grenze nun zu Urlaubszeiten aussieht, wird man sehen.

Wem gehört die Adirabucht? Grenzstreit zwischen Slowenien und Kroatien
A. Beer, ARD Wien
29.06.2017 21:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Juni 2017 um 18:35 Uhr.

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