Ein Polizist kontrolliert die Autos, mit denen die südkoreanischen Mitarbeiter die Grenze von Nord- nach Südkorea überqueren. | Bildquelle: REUTERS

Streit mit Nordkorea Südkoreaner verlassen Industriepark Kaesong

Stand: 11.02.2016 17:35 Uhr

Eine "Kriegserklärung" - so fasst Nordkorea den Betriebsstopp im Industriepark Kaesong auf. Südkorea hatte ihn als Folge von militärischen Aktionen des Nachbarn angeordnet. Die südkoreanischen Mitarbeiter mussten den Komplex verlassen, Pjöngjang erklärte Kaesong zum Sperrgebiet.

Die Maschinen im Industriepark Kaesong stehen still. Die südkoreanischen Mitarbeiter mussten den kurz hinter der Grenze zu Nordkorea gelegenen Komplex auf Anweisung Pjöngjangs verlassen. Den Produktionsstopp hatte Südkorea angeordnet.

Pjöngjang sieht in diesem Schritt eine "Kriegserklärung" des Nachbarstaats und forderte die 280 auf dem Komplex tätigen Südkoreaner auf, Kaesong zu verlassen. Die Angestellten durften nur persönliche Gegenstände von dem Firmengelände mitnehmen. Das Eigentum der Betriebe, etwa Rohstoffe, Maschinen und produzierte Waren, werde im Rahmen einer militärischen Übernahme beschlagnahmt, kündigte Pjöngjang an. Der Industriepark gelte nun als Sperrgebiet. Trotzdem habe Südkorea der Nachrichtenagentur KCNA zufolge noch mehr als hundert Lastwagen zur Grenze geschickt, nur einige hätten beladen zurückkehren können.

Nordkorea verliert durch Betriebsstopp Devisenquelle

Für Nordkorea bedeutet der Stillstand im Industriepark einen wirtschaftlich schmerzhaften Einschnitt: Mehr als 50.000 Nordkoreaner arbeiten in den rund 120 von Südkorea betriebenen Firmen. Seit der Eröffnung Kaesongs konnte Pjöngjang so umgerechnet rund 500 Millionen Euro an Devisen einstreichen - diese Einnahmequelle liegt nun auf Eis.

Seoul habe damit die "letzte Lebensader" der gemeinsamen Beziehungen durchtrennt, erklärte die nordkoreanische Führung und drohte, der Nachbar werde dafür einen "schmerzhaften Preis" bezahlen müssen. Südkorea hingegen begründete seine Entscheidung damit, dass man verhindern wolle, dass Pjöngjang mit harter Währung aus Geschäften in Kaesong seine Nuklear- und Raketenprogramme finanziere.

Reaktion auf Raketenstart und Atomtest

Der Produktionsstopp in Kaesong ist Südkoreas Reaktion auf aus seiner Sicht wiederholte militärische Provokationen Pjöngjangs. Erst am Sonntag hatte Nordkorea eine Langstreckenrakete gestartet. Nach Angaben des Regimes unter Kim Jong Un brachte die Rakete aus rein wissenschaftlichen Gründen einen Satelliten auf eine Erdumlaufbahn.

Start einer Langstreckenrakete in Nordkorea | Bildquelle: REUTERS
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Start einer Langstreckenrakete in Nordkorea

Südkorea und die USA sehen darin einen verdeckten Test einer atomar bestückbaren Interkontinentalrakete.

Auch international hatte der Raketenstart für heftige Kritik gesorgt. Die USA warfen Nordkorea den Verstoß gegen UN-Resolutionen an. Die Vereinten Nationen erwägen nun laut US-Sicherheitsberaterin Susan Ric "ernste Konsequenzen". Vor allem auch vor dem Hintergrund, dass Pjöngjang nur etwa einen Monat vor dem Abschuss der Rakete mit der Zündung einer Wasserstoffbombe einen Atomtest durchgeführt hatte.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Industriepark im seit mehr als 60 Jahren schwelenden Konflikt zwischen Nord- und Südkorea als Druckmittel einsetzt. Bereits 2013 - nach dem demals dritten Atomtests des Nordens - hatte Pjöngjang seine Arbeiter abgezogen. Für fünf Monate standen die Maschinen in Kaesong still.

Hintergrund

Auf der koreanischen Halbinsel stehen sich am 38. Breitengrad mehrere Hunderttausend verfeindete Soldaten gegenüber. Die massiv gesicherte Waffenstillstandslinie trennt dort den kommunistischen Norden vom westlich orientierten Süden. Nach dem Koreakrieg 1953 hat es nie einen Friedensvertrag gegeben.

1953 wurde quer durch Korea eine rund 240 Kilometer lange und vier Kilometer breite "Entmilitarisierte Zone" geschaffen. Im Grenzdorf Panmunjom mit einer "Gemeinsamen Sicherheitszone" gibt es Gespräche zwischen den verfeindeten Seiten in Gebäuden mit je einer Tür nach Norden und einer nach Süden. Mitten durch die Häuser verläuft faktisch die Grenze

An der Westküste beider Staaten im Gelben Meer schließt sich am 38. Breitengrad eine rund 200 Kilometer lange Seegrenze an. Ein Kommandant der UN-Truppen legte 1953 diese "Northern Limit Line" einseitig fest. Die Insel Yeonpyeong im Gelben Meer gehört demnach zu Südkorea. Nordkorea hat die Seegrenze aber nie anerkannt.

Auf der Insel hat die südkoreanische Armee einen Stützpunkt. Sie wurde bereits mehrfach Schauplatz von Auseinandersetzungen zwischen südkoreanischer und nordkoreanischer Marine.

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