Die israelische Polizei sperrt das Gebiet rund um den Tempelberg in Jerusalem ab. Sogar Metalldetektoren kommen zum Einsatz | Bildquelle: AFP

Kein Zutritt für Palästinenser unter 45 Jahren Tempelberg in Jerusalem erneut gesperrt

Stand: 09.10.2015 15:09 Uhr

Die Gewalt in Israel zwischen Juden und Muslimen dauert an. Die israelische Polizei sperrte erneut einen Teil des Tempelbergs in Jerusalem für Palästinenser. Im Süden des Landes hat erstmals ein Israeli einen Messerangriff verübt.

Die Serie an blutigen Angriffen in Israel reißt nicht ab. Als Folge hat die israelische Polizei den Tempelberg in Jerusalem erneut für Palästinenser gesperrt - muslimischen Männern unter 45 Jahren wird der Zutritt zu dem für sie heiligen Ort verweigert.

Mithilfe der Sperrung solle Ruhe gewährleistet werden, sagte eine Sprecherin der Polizei. Wie lange das Zutrittsverbot gelten solle, blieb zunächst unklar. Die Maßnahme sei "zeitweilig". Es ist nicht die erste Sperrung, die über den Tempelberg verhängt wird. Erst am Wochenende war das Gelände für palästinensische Männer unter 50 Jahren gesperrt worden.

Netanyahu spricht von "Höhepunkt der Terrorwelle"

Zudem hatte Israel am Sonntag und Montag die Altstadt von Jerusalem für Palästinenser gesperrt. Premierminister Benjamin Netanyahu sagte, sein Land befände sich auf dem Höhepunkt einer Terrorwelle.

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu | Bildquelle: AFP
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Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu

Um die Lage zu beruhigen, ordnete er an, dass keine israelischen Minister oder Abgeordnete den Tempelberg betreten dürfen. Das Besuchsverbot gilt auch für die arabischen Knessetabgeordneten, die muslimischen Glaubens sind.

Der Tempelberg ist Juden und Muslimen heilig. Am Fuß befindet sich die Klagemauer, der Überrest des zweiten jüdischen Tempels, an der die Juden beten. Auf dem Plateau stehen die Al-Aksa-Moschee und der Felsendom, ein Ort, der in der Regel den Muslimen vorbehalten ist.

Erstmals seit neuer Gewaltwelle attackiert Israeli Muslime

Unterdessen attackierte in der südisraelischen Stadt Dimona erstmals seit Beginn der neuen Angriffe ein Israeli mehrere Palästinenser mit einem Messer. Er fügte vier Muslimen nach Polizeiangaben leichte bis mittelschwere Verletzungen zu. Bei drei Opfern handele es sich um Bauarbeiter aus dem Westjordanland, der vierte Mann sei ein Beduine. Sie wurden in ein Krankenhaus eingeliefert. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen, wie die Polizei weiter mitteilte. Er habe vermutlich aus nationalistischen Motiven gehandelt.

Auch an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel gab es gewaltsame Auseinandersetzungen. Israelische Grenzposten erschossen nach palästinensischen Angaben fünf Palästinenser. Etwa ein Dutzend weitere Palästinenser seien zudem verletzt worden. Ein Gruppe junger Männer habe zuvor am Grenzzaun im Osten der Stadt Gaza mit Steinen auf die Streitkräfte geworfen. Die Israelis setzten daraufhin Tränengas und scharfe Munition ein.

Erst gestern war die Gewalt auch in Jerusalem erneut eskaliert. Palästinensische Attentäter hatten bei vier separaten Zwischenfällen Israelis mit Stichwaffen angegriffen und verletzt. Im Zentrum von Jerusalem hatte ein palästinensischer Jugendlicher einen Israeli mit Messerstichen schwer verletzt. Nach Angaben der Polizei wurde der 19-Jährige festgenommen. Auch im Zentrum von Tel Aviv, am Rande der Siedlung Kiriat Arba nahe Hebron und in der nordisraelischen Stadt Afula attackierten Palästinenser Soldaten und israelische Zivilisten.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 08. Oktober 2015.

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