Frau in Cap-Haitien, die sich vor dem Regen schützt | Bildquelle: REUTERS

"Irma" in Barbuda und Haiti Kein Stein mehr auf dem anderen

Stand: 08.09.2017 11:30 Uhr

Wirbelsturm "Irma" hat in Haiti getobt und zieht nun langsam weiter. Doch erst in den kommenden Stunden wird sich zeigen, ob der Hurrikan das arme Land genauso hart getroffen hat wie Barbuda. Die Insel ist quasi unbewohnbar.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko

Noch ist Nacht in Haiti. Die Menschen beten und hoffen, dass Irma ihr Land nicht so hart trifft wie "Matthew" vor einem Jahr. Damals kamen etwa 1000 Menschen ums Leben. Schon seit Stunden bewegt sich Wirbelsturm "Irma" langsam vor der Küste entlang in Richtung Nordwesten.

In der überschwemmungsgefährdeten Hafenstadt Cap Haitien hat Josette Filseme einige Habseligkeiten in Plastiktüten verpackt und ist mit ihren Kindern in eine Notunterkunft geflüchtet: "Das Wasser war in meinem Viertel schon überall", erzählt sie. Wenn es regnet, steige es in den Straßen. "Darum sind wir lieber gegangen. Außerdem haben uns die Leute vom Zivilschutz gesagt, dass es besser sei, in eine Notunterkunft zu gehen." Doch bislang habe es dort den ganzen Tag noch nichts zu Essen gegeben. Zum Schlafen habe sie Decken mitgebracht.

Kaum Schutz in Haiti

Wenn es hell wird, werden Sturm und Regen etwas nachlassen und Helfer können nach draußen gehen, um sich ein Bild von den Schäden zu machen. In Haiti, dem ärmsten Land der Region, gibt es kaum Schutz vor Wirbelstürmen - egal, wie stark sie sind.

Hurrikan "Irma", der immer noch mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 290 Kilometern pro Stunde rotiert, halten auch feste Behausungen nicht stand.

Barbuda - erstmal unbewohnbar

Diese leidvolle Erfahrung mussten die Bewohner der kleinen Antillen machen: Die Jungferninseln sind verwüstet, mehrere Menschen kamen ums Leben, ebenso in den französischen und niederländischen Überseegebieten. Auf vielen Inseln steht kein Stein mehr auf dem anderen.

Besonders im Inselstaat Antigua und Barbuda sind die Folgen des Sturms katastrophal: Barbuda, die kleinere der beiden Inseln mit knapp 2000 Einwohnern, wurde so stark zerstört, dass sie erst einmal unbewohnbar ist.

"Zerstörung könnte nicht größer sein"

Ein älterer Mann in Regenjacke steht vor den Trümmern seines Hauses. "Das war das Verheerendste, was ich je gesehen habe, und ich bin fast 60 Jahre alt", sagt er. "Ich habe schon andere Hurrikane erlebt, aber "Irma" war der Schlimmste von allen." 90 Prozent der Häuser haben ihm zufolge kein Dach mehr, manche Menschen hätten alles verloren - "so wie ich. Ich bin jetzt obdachlos, aber ich bin froh, am Leben zu sein". Auf der Insel sei ein kleines Kind ums Leben gekommen, so der Bewohner: "Gott sei Dank sind nicht mehr Menschen gestorben, aber das Ausmaß an Zerstörung könnte nicht größer sein."

Der kleine unabhängige Inselstaat kann vorerst kaum auf massive Unterstützung aus Europa oder den USA hoffen. Die helfen erst einmal den eigenen Überseegebieten. Eine Bewohnerin sorgt sich daher, wie es nach dieser Katastrophe weitergehen soll. "Alles ist kaputt. In meiner Familie hat niemand mehr ein Zuhause", klagt sie. Dabei nähere sich nun schon der nächste Hurrikan: "Das macht mir große Angst. Barbuda muss evakuiert werden. Ich flehe unsere Freunde in Antigua an: Helft uns in dieser Not." Der Sturm komme schon am Samstag.

Der nächste Hurrikan naht

Die Regierung hat die Bewohner der größeren Insel, Antigua, aufgerufen, die Obdachlosen bei sich aufzunehmen. Die Zeit drängt: Atlantik-Hurrikan "José" wird die kleinen Antillen voraussichtlich am Wochenende treffen.

"Irma" zieht schon seit Dienstag quälend langsam durch die Karibik, 26 Kilometer kommt sie pro Stunde voran, ohne an Kraft zu verlieren. Am Sonntag Ortszeit erreicht der Hurrikan den US-Bundesstaat Florida.

Dieser Beitrag lief am 08. September 2017 um 07:38 Uhr im Deutschlandfunk.

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