Die Hinrichtungskammer im Staatsgefängnis von Oklahoma. | Bildquelle: AP

US-Staat Arkansas Acht Hinrichtungen in zehn Tagen

Stand: 03.04.2017 10:42 Uhr

In genau zwei Wochen soll sie beginnen: eine der größten Hinrichtungsserien binnen kürzester Zeit in den USA. Innerhalb von zehn Tagen sollen in Arkansas acht Menschen per Giftspritze getötet werden. Der Grund dafür ist erschreckend pragmatisch.

Die "New York Times" schreibt in einem Leitartikel von einem "absurden" Plan, die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch nennt das Vorhaben "grotesk": Die Aufregung in den USA über eine geplante Hinrichtungsserie wächst. In genau zwei Wochen sollen dort innerhalb von zehn Tagen acht Menschen hingerichtet werden. Der Grund dafür ist weder juristisch noch politisch motiviert - vielmehr rein pragmatischer Natur. Das Haltbarkeitsdatum des vorrätigen Betäubungsmittels Midazolam, das bei den Hinrichtungen verwendet wird, läuft Ende des Monats ab.

Der republikanische Gouverneur von Arkansas, Asa Hutchinson, hatte deshalb per Dekret die größte Hinrichtungswelle seit 40 Jahren angeordnet. Seit Wiedereinführung der Todesstrafe in den USA 1976 hat bisher nur Texas als einziger Staat acht Menschen in einem Monat exekutieren lassen.

Verurteilte reichen Klage ein

Betroffen von der jetzigen Entscheidung sind acht Männer, die im Schnitt seit 20 Jahren im Todestrakt sitzen. Jeweils zwei von ihnen sollen am 17., 20., 24. und 27. April per Giftspritze getötet werden.

Die Verurteilten hatten vergangene Woche gegen die Entscheidung geklagt. Ihnen bliebe dadurch nicht genügend Zeit, um ihren Widerspruch vorzubereiten. Durch den "wilden Hinrichtungs-Zeitplan" werde jedem Kläger "irreparables Leid" zugefügt, schrieben sechs der acht betroffenen Männer in ihrer Klage. Der Staat verletze nicht nur seine eigenen Rechtsvorschriften für Gnadengesuche, sondern untergrabe auch das Recht jedes einzelnen Klägers, um Gnade zu bitten.

Die Collage zeigt die acht Verurteilten, die innerhalb von zehn Tagen in Arkansas hingerichtet werden sollen. | Bildquelle: AFP
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Zum Tode verurteilt: Die Collage zeigt die acht Männer, die innerhalb von zehn Tagen in Arkansas hingerichtet werden sollen.

47 Minuten voller Schmerzen

Neue Medikamente zu bestellen, ist für die Behörden in Arkansas kaum möglich. Viele europäische Pharmafirmen weigern sich, den US-Behörden Nachschub zu liefern. Midazolam steht in der Kritik, weil es offenbar nicht stark genug ist, um Schmerzen der Todeskandidaten zu vermeiden. Für besonders großes Entsetzen sorgte der Fall von Clayton Lockett im April 2014: Der Todeskampf des verurteilten Mörders hatte nach einer Giftinjektion mit Midazolam 47 Minuten gedauert. Dabei wand er sich vor Schmerzen.

Glücklich scheint auch Gouverneur Hutchinson nicht mit seiner Entscheidung zu sein. Er wünscht sich nach eigenen Angaben eine Verlängerung des Haltbarkeitsdatums für Midazolam "um mehrere Monate oder Jahre". Die Situation sei aber nunmal nicht so. Zudem sei "unsicher", ob die Behörden ein anderes Mittel beschaffen könnten. Die Hinterbliebenen der Opfer der Straftaten sollten nach jahrzehntelangen Verfahren nun aber nicht länger "mit Ungewissheit leben müssen".

Diese Argumentation reicht der "New York Times" nicht: Der Gouverneur rechtfertige eine "staatlich sanktionierte Mordserie" mit dem "Haltbarkeitsdatum auf einer Flasche", schreibt die Zeitung.

Über dieses Thema berichtete das Nachtmagazin am 03. April 2017 um 00:30 Uhr.

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