Schiff der italienischen Küstenwache | Bildquelle: AFP

Hunderte Vermisste im Mittelmeer Die meisten Opfer haben kein Gesicht

Stand: 19.04.2015 23:13 Uhr

Etwa 700 Menschen haben vermutlich bei dem neuen Flüchtlingsdrama im Mittelmeer ihr Leben verloren. Die Katastrophe entsetzt. Italiens Ministerpräsident Renzi berief sein Kabinett zu einer Sondersitzung ein. Er forderte einen EU-Krisengipfel zum Thema Migration.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Hörfunkstudio Rom

Vermutlich wird es nie eine genaue Zahl der Toten geben. Aber man muss davon ausgehen, dass das die bisher schwerste bekannte Flüchtlingskatastrophe auf dem Mittelmeer ist. Etwa 700 Menschen werden vermisst. Ihr Flüchtlingsboot war 60 Seemeilen vor der libyschen Küste gekentert. Nur 28 Menschen konnten bisher gerettet werden, die Hoffnung, noch weitere Überlebende zu finden, ist sehr gering.

Auch Papst Franziskus sprach die Tragödie am Mittag beim traditionellen Angelusgebet an. Das Oberhaupt der katholischen Kirche war den Tränen nahe, als er der Opfer gedachte und Konsequenzen forderte: "Ich richte einen eindringlichen Appell an die internationale Gemeinschaft, damit sie entschieden und bereitwillig handelt, um zu verhindern, dass sich ähnliche Tragödien wiederholen."

Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer
tagesthemen 22:55 Uhr, 19.04.2015, Peter Dahlheimer, ARD Rom

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

In Italien ist genau darüber eine Diskussion entbrannt. Kurz gesagt: Man fühlt sich allein gelassen. Weil Europas Mission "Triton" weder die Mittel noch den Auftrag hat, solche Katastrophen weit draußen auf dem Meer zu verhindern, greifen immer wieder Marine und Küstenwache ein. Deren Einsatz wird gelobt.

Aber viele Politiker sagen, es dürfe nicht bei einem reinen Rettungseinsatz bleiben und schon gar nicht bei einem italienischen. Das Problem der Migration müsse gemeinsam und grundsätzlich angegangen werden.

"Sie müssen aufhören, so zu tun, als würden sie weinen"

Aber daran, dass das nicht passiert trägt nicht nur Europa eine Schuld, sondern auch Italiens Regierung, sagt der Abgeordnete der Fünf-Sterne-Bewegung Manlio di Stefano:

"Das ist eine Tragödie auf dem Meer, aber es gibt eine direkte Verantwortung der Regierung Renzi und der Regierungen in Europa. Wenn es zum Beispiel eine internationale Agentur gäbe, die die Ankunft nach Europa steuert und in den Ländern, wo sie aufbrechen, nur den abreisen lassen, der auch das Recht dazu hat, würde das diesen Strom über das Mittelmeer auf den Todesschiffen verhindern. Ich möchte nicht, dass Montag Parlamentspräsidentin Boldrini mit einer weiteren Schweigeminute ankommt. Denn sie tun nichts, um das Problem zu lösen. Also müssen sie auch aufhören, so zu tun, als würden sie weinen."

Mike Lingenfelser, ARD Rom, zur Hoffnung auf Überlebende
tagesthemen 22:55 Uhr, 19.04.2015

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Sondersitzung in Rom

Italiens Ministerpräsident hatte in Rom eine Sondersitzung des Kabinetts einberufen und den Regionalwahlkampf abgebrochen. Er forderte einen Europäischen Gipfel der sich mit dem Thema Migration und den Katastrophen befasst.

Renzi warf eher Fragen auf, als dass er Antworten gab: "Wie kann man unempfindlich sein gegenüber dem Schmerz ganzer Bevölkerungen, die in einer Zeit sterben, in der uns die globale Kommunikation erlaubt - vielleicht verpflichtet - das alles zu kennen. Wie können wir da unempfindlich sein?"

Eine Blockade in libyschen Gewässern?

Klar ist nur: Es werden sich weiter Zehntausende Migranten in Libyen auf den Weg machen. Weil die Verzweiflung der Menschen, die vor Hunger, Kriegen und Terror fliehen, übergroß ist, und weil die Lage in Libyen für viele Migranten zur Bedrohung geworden ist, setzen sie weiter auf dem Mittelmeer ihr Leben aufs Spiel und vertrauen sich den Schleuserbanden an.

Pierferdinando Casini, von der konservativen Unione di Centro, hat einen Vorschlag, wie sich das verhindern lässt: "Da die libysche Regierung nicht da ist, brauchen wir die Erlaubnis, unter der Regie der Vereinten Nationen in libyschen Gewässern eine Blockade einzurichten. Wenn nicht, dann machen die Schleuser immer mehr Geld und die Verzweifelten sterben weiter. Es gibt keinen anderen Weg."

Einigkeit gibt es in Europa nicht und offenbar auch nicht den Willen, dem Notstand auf dem Mittelmeer und dem massenhaften Sterben gemeinsam zu begegnen. Das UNHCR in Italien schätzt, dass seit Jahresbeginn etwa 1500 Menschen auf dem Weg über das Mittelmeer gestorben sind. Aber auch das ist keine endgültige Zahl. Die allermeisten der Opfer haben kein Gesicht.

Darstellung: