TV-Debatte  | Bildquelle: dpa

TV-Duell der Konservativen in Frankreich Eine schrecklich nette Familie

Stand: 14.10.2016 02:49 Uhr

Frankreichs Konservative suchen einen Kandidaten für die kommende Präsidentenwahl. Bei dem ersten TV-Duell gingen sich die sieben Kandidaten - und vor allem Sarkozy und Copé - hart an. Getreu dem Motto: Die Steigerung von Feind ist Parteifreund.

Von Barbara Kostolnik, ARD-Studio Paris

Die Gretchenfrage gab es natürlich gleich zu Beginn für die sieben Bewerber: "Warum wollen Sie Präsident werden?" Das kam zwar nicht wirklich überraschend, allerdings hatte wohl kaum einer damit gerechnet, dass der Ex-Parteichef Jean-François Copé sich gleich in seiner ersten Antwort Ex-Präsident Nicolas Sarkozy vorknöpfen würde: "Vor zehn Jahren habe ich auf den radikalen Wechsel gehofft, mit Sarkozy als Präsidenten und Ihnen hier als Ministern. Ich war normaler Abgeordneter. Dieser Wechsel hat leider nicht stattgefunden, obwohl wir vor den Folgen gewarnt haben, und 2012 haben wir dann verloren."

Copé und Sarkozy sind seit einer Schlammschlacht um den Parteivorsitz und der Wahlkampf-Finanzierungs-Affäre 2012 ziemlich beste Feinde, was man trotz aller Beteuerungen, man gehöre doch schließlich zur selben Familie, auch merkte.

Minimale Unterschiede zwischen Kandidaten

Inhaltlich stellten alle Kandidaten ihre Programme vor, zunächst ging es um Wirtschaft und Steuern, hier gab es nur minimale Unterschiede. Alle wollen mit alten Rezepten Steuern senken und das Renteneintrittsalter erhöhen. Nur die einzige Frau und mit 43 Jahren jüngste Kandidatin im Bewerberfeld, Natalie Kosciusko-Morizet, gab sich modern: "Recycling funktioniert nur bei Abfällen, nicht bei Ideen."

Seitenhiebe gegen Juppé

Die Gemeinheiten traten an diesem Abend nicht offen zutage, waren aber spürbar - und wurden auch angesprochen. Bruno Le Maire, einer der unverbrauchteren Kandidaten, hatte dafür plädiert, dass die Kandidaten ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen sollten. Sein Konkurrent Alain Juppé erklärte dazu lediglich: "Jeder weiß, dass ich verurteilt worden bin, das ist eine alte Geschichte, seitdem bin ich mehrmals bei Wahlen angetreten und habe einmal verloren und dreimal gewonnen. Heute können die Franzosen entscheiden, ob sie mir vertrauen. Wenn sie dagegen meinen, mein Fehler disqualifiziert mich für das Amt, werden sie mich nicht wählen."

Natürlich kam auch Nicolas Sarkozy, der öfter Ärger mit der Justiz hat, um eine Antwort nicht herum. Die aber nutzte er, um sich ein weiteres Mal als die verfolgte Unschuld der Republik darzustellen: "Niemand ist in den vergangenen fünf Jahren wahrscheinlich öfter befragt und mehr abgehört worden als ich - und was ist passiert? Fünf Mal wurde das Verfahren eingestellt!"

Sarkozy poltert gegen Hollande

Nicolas Sarkozy | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Nicolas Sarkozy profiliert sich im Vorwahlkampf mit einem Rechtskurs.

Und obwohl, oder vielleicht gerade weil es sich um ein Duell der Konservativen handelte, bekam auch der sozialistische Präsident François Hollande sein Fett weg: "Ich frage mich, wie weit dieser Präsident noch gehen wird, was wird er noch alles anstellen, um die Würde des Amtes zu beschädigen?", so Sarkozy.

Neue Inhalte, neue Vorschläge blieben dagegen Mangelware - aber das war bei einer Minute Redezeit pro Frage möglicherweise etwas zu viel verlangt. Sarkozy gab sich als starker Mann der inneren Sicherheit, Juppé als präsidialer Hoffnungsträger. "Sie haben heute gesehen, dass ich bereit und entschlossen bin. Ich will Ihnen sagen: Vertrauen wir einander, fassen wir neuen Mut für unser Land. Ich will uns auf einen Weg der Hoffnung bringen."

Grund für Optimismus, dass er am 27. November das Rennen macht, hat Juppé einigen: Er hatte sich keinen groben Schnitzer erlaubt und 35 Prozent der Befragten fanden ihn in einer Blitzumfrage überzeugend. Sein direkter Kontrahent Sarkozy schaffte nur 21 Prozent. Aber es stehen ja noch zwei weitere TV-Duelle an.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Oktober 2016 um 2:02 Uhr

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