Afghanistans Präsident Ghani | Bildquelle: AFP

Friedenskonferenz in Kabul Ghani will mit Taliban verhandeln

Stand: 28.02.2018 10:55 Uhr

Teile Afghanistans sind unter Taliban-Kontrolle - Präsident Ghani hat sie vor einer Friedenskonferenz zu Gesprächen aufgerufen. Unterdessen geht das Töten weiter.

Der afghanische Präsident Aschraf Ghani hat die Taliban zur Teilnahme an Friedensgesprächen aufgerufen. Es gehe darum, das Land zu retten, sagte er zum Auftakt der internationalen Friedenskonferenz in Kabul. Die Regierung werde den Taliban, die sich am Friedensprozess beteiligten, Einrichtungen zur Verfügung stellen und für ihre Sicherheit sorgen. "Wir werden die Sicht der Taliban in den Friedensgesprächen berücksichtigen", versprach Ghani. Falls die Taliban sich auf einen Friedensprozess einließen, sollten sie auch als politische Gruppe anerkannt werden. Bislang hatte er sie immer als Terroristen bezeichnet.

Außerdem könne auf Wunsch die Verfassung überarbeitet werden, sagte Ghani weiter. Er bot ihnen zudem afghanische Pässe an, ein Büro in Kabul, die Entlassung von Gefangenen und die Streichung von Sanktionen. Der Präsident bestand aber darauf, dass Wahlen abgehalten werden. Er forderte die Taliban außerdem auf, die afghanische Regierung anzuerkennen. Bisher lehnen die Taliban direkte Verhandlungen mit der afghanischen Regierung ab, die sie ein "Marionetten-Regime" nennen.

Einsatzkräfte riegeln den Anschlagsort vor dem Verteidigungsministerium ab. | Bildquelle: dpa
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Einer von zahllosen Anschlägen der vergangenen Jahre: Im September 2016 gab es vor dem Verteidigungsministerium in Kabul ein Doppelanschlag mit Dutzenden Toten.

Mindestens fünf Polizisten getötet

Am Vorabend der Konferenz töteten Taliban-Kämpfer mindestens fünf Menschen und entführten viele weitere. Der Polizeisprecher der Provinz, Achmadsia Durrani, sagte, die Islamisten hätten am frühen Dienstagabend einen Polizeiposten an der Grenze zwischen den Provinzen Kandahar und Urusgan angegriffen und mindestens fünf Polizisten getötet. Noch während des Gefechtes hätten weitere Kämpfer etwa zwei Kilometer entfernt einen Bus gestoppt und 19 Passagiere entführt. Afghanische Medien berichteten von rund 30 Entführten. Unter ihnen seien Sicherheitskräfte, sagte Durrani. Es sei unklar, wo sie seien und wie es ihnen gehe.

Die Taliban werden für den größten Teil der Gewalt in Afghanistan verantwortlich gemacht. Diese hat nach dem Abzug der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe Ende 2014 zugenommen, was die Schwäche der afghanischen Sicherheitskräfte zeigt. Die Taliban kontrollieren oder beeinflussen nach offiziellen Angaben derzeit wieder mindestens 13 Prozent des Landes. Weitere 30 Prozent des Landes sind umkämpft.

An der zweiten Friedenskonferenz des sogenannten Kabul-Prozesses nehmen mehr als 20 Länder und internationale Organisationen teil. Die erste Konferenz fand im Juni statt. Die Taliban sind nicht eingeladen.

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