Filiale der Sparkasse Washington Mutual in New York

Sparkasse Washington Mutual zusammengebrochen Größter Banken-Kollaps der USA

Stand: 26.09.2008 09:04 Uhr

Der CNN-Reporter sprach sogar vom "größten Zusammenbruch in der Weltgeschichte", fest steht: Es ist die größte Bankenpleite der USA. Auch Washington Mutual, die größte Sparkasse des Landes, wird von JPMorgan Chase übernommen.

Von Lena Bodewein, ARD-Hörfunkstudio New York

Die Zentrale von Washington Mutual in Seattle
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"Größter Zusammenbruch der Weltgeschichte?" Die Zentrale von Washington Mutual in Seattle

Am Donnerstagnachmittag sah alles noch so schön aus: Der 700-Milliarden-Dollar Rettungsplan der Regierung Bush schien beschlossene Sache, der Dow Jones schloss hoffnungsfroh um fast zweihundert Punkte höher ab. Doch dann endeten die Gespräche über den Rettungsplan im Chaos, und am späten Abend folgte die größte Bankenpleite in den USA: Die Spar- und Darlehenskasse Washington Mutual brach unter den Lasten der Kreditkrise zusammen. Es sei der "größte Zusammenbruch in der Weltgeschichte", wie es der Reporter von CNN sogar nennt. Die Bank war von Rating-Agenturen noch einmal heruntergestuft und schließlich von der Aufsichtsbehörde geschlossen worden.

Fall der "Washington Mutual" erschüttert Vertrauen der Normalbürger
tagesthemen 23:10 Uhr, 27.09.2008, Udo Lielischkies, ARD Washington

WaMu verwaltet 310 Millarden Dollar Vermögenswerte

Das Bankhaus JPMorgan Chase übernahm das in Seattle ansässige Institut für 1,9 Milliarden Dollar. Washington Mutual, kurz WaMu, ist mit Vermögenswerten von rund 310 Milliarden Dollar die größte Sparkasse der USA. Aber die Kreditkrise hat auch für WaMu zu Milliardenverlusten geführt. Washington Mutual habe viele minderwertige Kredite vergeben, so Beobachter, und sollte dadurch in den nächsten drei Jahren zwanzig bis vierzig Millarden Dollar verlieren.

Seit längerem schon hieß es in den Medien, dass die Regierung dringend einen Käufer für die größte Sparkasse suche. Und der Rettungsplan der Regierung hätte diesen Kauf attraktiver machen können. Doch bisher hatten die potenziellen Interessenten abgewartet. JPMorgan Chase hatte bereits im März die Investmentbank Bear Stearns zu einem Schnäppchenpreis aufgekauft.

"Das Geld ist sicher"

Eingang zum Bankhaus JPMorgan
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Könnte im Privatkundengeschäft profitieren: JPMorgan Chase

Eine Sache an der jetzigen Übernahme sei für JPMorgan besonders attraktiv gewesen, sagt Analyst Frederick Cannon: "JPMorgan war in den Übernahmegesprächen immer schon ein Name - denn sie haben überall Filialen, außer an der Westküste." Durch die Übernahme von WaMus rund 2000 Filialen kann JPMorgan Chase eben auch im Westen der USA zu einer starken Bank im Privatkundengeschäft werden. Noch nicht mal ein Zehntel der Zweigstellen soll geschlossen werden, teilte das Unternehmen mit: "Die gute Nachricht: Wer sein Konto bei WaMu hat, braucht sich keine Sorgen zu machen, das Geld ist sicher, es geht alles normal weiter, die Kontonummer bleibt gleich."

Aktie in einem Jahr um 90 Prozent gesunken

Geld haben bisher nur die Aktionäre verloren: Die Aktie von Washington Mutual war im vergangenen Jahr um 90 Prozent im Wert gesunken. Die Regierung sei sehr interessiert daran gewesen, dass ein anderes Institut WaMu übernehme, ohne dass die Sparkasse völlig zusammenbreche, erklärt James Wilcox von der Universität Berkeley. Denn das Bundesinstitut für Einlagensicherung FDIC hat auch die Einlagen von Washington Mutual abgesichert - bei einem Komplettzusammenbruch der Bank hätte die Versicherung in Anspruch genommen werden müssen. Es bestanden Sorgen, dass sie dadurch aufgebraucht würde, denn das FDIC hatte schon bei der Pleite der IndyMac Bank im Sommer zahlen müssen.

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