Ein VW Golf Hybrid wird per Stromkabel geladen

VW-Probleme mit Zertifizierung Hybridautos erst wieder ab 2019 bestellbar

Stand: 05.08.2018 13:44 Uhr

Wegen Zertifizierungsproblemen nimmt VW bis Ende des Jahres keine Bestellungen für Hybrid- und Erdgasfahrzeuge an. Die Prüfstände seien als Spätfolge des Abgasskandals ausgelastet, berichtet die "Welt am Sonntag".

Wer sich ein Hybrid- oder Erdgasauto von VW zulegen will, muss sich auf Wartezeiten bis ins Jahr 2019 hinein einstellen. Das berichtet die "Welt am Sonntag". "Für Fahrzeuge mit Hybrid- und Erdgasantrieb nehmen wir zurzeit keine Bestellungen mehr an", sagt ein VW-Sprecher der Zeitung. Auf lange Lieferzeiten von bis zu sieben Monaten müssen sich dem Sprecher zufolge Käufer von reinen Elektrofahrzeugen einstellen. Er sprach von einer "recht hohen Nachfrage", wegen der bereits mehrfach die Kapazitäten erhöht worden seien. "Natürlich nehmen wir weiter Bestellungen für E-Fahrzeuge an", sagte der Sprecher.

Spätfolge des Abgasskandals

Der Grund liegt laut "Welt am Sonntag" an einer Spätfolge des Abgasskandals: Volkswagen konnte nicht alle Modelle umweltfreundlicher Autos rechtzeitig nach dem neuen Abgas-Prüfzyklus WLTP (Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure) zertifizieren, da die vorhandenen Prüfstände ausgelastet seien. Dem Konzern fehlten schlicht die Prüfstände und die Ingenieure, um Neuwagen nach dem neuen Standard zertifizieren zu lassen, so der Bericht.

Dass ausgerechnet die als umweltfreundlicher geltenden Hybrid- und Erdgasautos nicht mehr bestellbar sind, liegt dem VW-Sprecher zufolge daran, dass sie vergleichsweise selten verkauft werden und daher nicht mit Priorität behandelt wurden. Bereits bestellte Autos würden aber noch ausgeliefert, sagte der VW-Sprecher.

Vorwürfe an die Politik

"Wir haben gedacht, dass wir das besser managen", räumt VW-Chef Herbert Diess im Bericht der Zeitung ein, "aber die Mannschaft hat alles gegeben". In Richtung EU-Kommission und Bundesregierung teilt er dann aus: "Die Einführung des WLTP ist hastig und schlecht von der Politik vorbereitet worden." Normal seien Vorlaufzeiten von zwei bis drei Jahren. In diesem Fall hätten die Behörden ein bis eineinhalb Jahre weniger Zeit gelassen.

VW-Chef Diess stellt auf der Automesse in Peking den neuen VW Touareg vor | Bildquelle: WU HONG/EPA-EFE/REX/Shutterstock
galerie

VW-Chef Diess: "Mannschaft hat alles gegeben."

Die Abgasaffäre, die den VW-Konzern bisher schon mehr als 27 Milliarden Euro gekostet hat, wird nun insgesamt noch teurer, schreibt die "Welt am Sonntag". Bis zu 250.000 Autos, die fertig produziert, aber noch nicht zertifiziert wurden, müssten zwischengeparkt werden. Damit es nicht noch mehr würden, drossele Volkswagen im zweiten Halbjahr an mehreren Tagen die Produktion.

In einer früheren Version hatte es geheißen, Hybrid-, Erdgas- und Elektroautos seien von diesem Bestellstopp betroffen. Zudem hieß es, alle drei Antriebsarten könnten in diesem Jahr nicht mehr ausgeliefert werden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. August 2018 um 09:00 Uhr und die tagesschau um 10:00 Uhr.

Darstellung: