Diesel-Motor von Volkswagen | Bildquelle: dpa

Abgas-Affäre in den USA VW-Vorstand verschwieg Manipulation

Stand: 06.03.2016 19:11 Uhr

Der VW-Vorstand hat die Abgas-Manipulationen in den USA bewusst verschwiegen, so das Ergebnis einer Recherche von NDR, WDR und "SZ". VW glaubte demnach, mit den US-Behörden eine Strafzahlung von maximal 100 Millionen Dollar aushandeln zu können. Doch gingen die Behörden überraschend an die Öffentlichkeit.

Von Thorsten Hapke und Peter Hornung, NDR

Volkswagen hat im vergangenen Jahr die Informationen über Abgas-Manipulationen bewusst verschwiegen. Das geht aus der Erwiderungsschrift auf Aktionärsklagen hervor, die NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" vorliegt. Danach wussten Ex-Konzernchef Martin Winterkorn und weitere Vorstandskollegen zwar spätestens Ende August 2015 davon, dass Volkswagen eine illegale Motorsoftware zur Umgehung der strengen US-Abgaswerte eingesetzt hatte. Öffentlichkeit und Aktionäre wurden aber nicht informiert.

Volkswagen ist von Aktionären vor dem Landgericht Braunschweig auf Schadenersatz verklagt worden, weil das Unternehmen auf den Verstoß gegen US-Umweltauflagen und die damit verbundenen Milliardenrisiken nicht hingewiesen hatte. Damit seien für die Aktionäre drastische Verluste durch den dramatischen Kurssturz nicht vorhersehbar gewesen.

Der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG Martin Winterkorn | Bildquelle: dpa
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Winterkorn wusste als Konzernchef spätestens im August 2015 von der Manipulation.

In ihrer Klageerwiderung schreiben die von VW beauftragten Anwälte, für den Vorstand des Unternehmens sei die Kursrelevanz des Verstoßes nicht erkennbar gewesen. Analog zur Ahndung ähnlicher Umweltverstöße in der Vergangenheit habe Volkswagen von einer maximalen Strafzahlung von 100 Millionen Dollar ausgehen können. Außerdem habe das Unternehmen nach dem Eingeständnis am 3. September 2015 in konstruktiven Gesprächen mit den Behörden gestanden. Dabei war Volkswagen offenbar signalisiert worden, dass man gemeinsam die Öffentlichkeit informieren werde, wenn die genauen Rückrufmaßnahmen geklärt seien. Angedacht war ein Termin im ersten Quartal 2016.

Anwälte sprechen von "Geheimhaltungsinteresse"

Die VW-Anwälte reklamieren sogar ein vorübergehendes "Geheimhaltungsinteresse" für den VW-Vorstand. Dieses ergebe sich unter anderem "aus den laufenden Verhandlungen von Volkswagen mit den US-Behörden". Eine Veröffentlichung "hätte in diesem Verhandlungsstatus daher sogar mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Folge gehabt, dass die US-Behörden die Verhandlungen abgebrochen hätten."

Dass man über den Verstoß schwieg, habe nicht der "Verschleierung" gedient, sondern sei im Interesse der Aktionäre "geradezu angezeigt gewesen", um den wirtschaftlichen Schaden des Verstoßes gering zu halten.

Heutige Chefaufklärer wussten damals Bescheid

Mit anderen Worten: Ex-VW-Chef Martin Winterkorn und seine Kollegen waren kurz vor der Enthüllung der illegalen Praktiken in den USA durch die Umweltbehörde EPA im Bilde, entschieden sich aber bewusst gegen den Gang an die Öffentlichkeit. Pikant ist: Mitglieder im Vorstand waren der jetzige VW-Chef Matthias Müller und der heutige Aufsichtsratschef Hans-Dieter Pötsch, also die zwei Männer, die heute quasi die Chefaufklärer der Affäre sind.

VW-Chef Matthias Müller | Bildquelle: dpa
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Matthias Müller wusste als Vorstandsmitglied ebenfalls von dem Skandal.

Für den drastischen Kurssturz macht Volkswagen indirekt die EPA verantwortlich. Die habe "unerwartet" den Verstoß veröffentlicht und dabei eine "maximal mögliche Strafzahlung" genannt, "die jedoch bislang noch nie verhängt worden war."

Tatsächlich ergab sich aus dieser Maximalstrafe von 37.500 Doller pro Auto bei rund 500.000 betroffenen Fahrzeugen eine Gesamtstrafe von rund 18 Milliarden Dollar.

Diese Summe ließ am nächsten Börsentag den Volkswagenkurs einbrechen, kostete die Aktionäre viel Geld und stürzte Deutschlands größten Autobauer in eine Krise, die bis heute anhält.

VW-Vorstand hielt Manipulationen geheim
P. Hornung, NDR
06.03.2016 22:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. März 2016 um 20:00 Uhr.

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