Netflix-App auf einem Smartphone | Bildquelle: dpa

Netflix & Co. Mehr produzieren, kräftig einkaufen

Stand: 16.08.2016 02:00 Uhr

Jeder zweite Haushalt in den USA nutzt Streamingdienste. Und doch wachsen die Zahlen langsamer als erwartet - vor allem im Ausland. So schauen sich die Dienste nach weiteren Einkommensquellen um und wagen sich immer weiter auf das Terrain der Hollywood-Studios vor.

Von Nicole Markwald, ARD-Studio Los Angeles

Es sind aufregende Tage für Netflix: Gerade hat der Dienst die ersten sechs Folgen seiner neuen Reihe "The Get Down" zum Streaming bereitgestellt. In "The Get Down" geht es um die Anfänge des HipHop im niedergewirtschafteten Stadtteil Bronx in New York in den 1970er-Jahren.

Regie führte der Australier Baz Luhrmann, bekannt für die Extravaganz, die er auf die Leinwand - oder in diesem Fall - auf den Fernseh- oder Computerbildschirm zaubert. Das Projekt war eine schwere Geburt, am Ende ist es mit Kosten von 120 Millionen Dollar die teuerste Netflix-Serie aller Zeiten geworden.

Szene aus der neuen Netflix-Serien "The Get Down" mit Jaden Smith
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Steile Frisuren, knackige Beats: In "The Get Down" spürt Netflix den Ursprüngen des HipHop nach.

Keine Transparenz bei Kundenzahlen

Ob "The Get Down" ein Erfolg wird? Wir werden es nicht erfahren. Netflix hält sich traditionell bedeckt, wenn es darum geht, wie viele Zuschauer eine Folge von "House of Cards" oder ein neuer Film mit Adam Sandler wirklich hat.

Ein Fakt, der zum Beispiel John Landgraf, Chef des US-Serien-Kabelsenders FX, ziemlich aufregt. Netflix liege genauso oft daneben wie jeder andere Sender, der pro Jahr 35 neue Serien macht. "Sie geben es nur nicht zu", sagt Landgraf in einem Interview mit Fortune.

Netflix verfehlt eigene Ziele

Eine Zahl, an der man trotzdem die Entwicklung von Netflix ablesen kann, ist die Zahl der Abonnenten. Da verfehlte der Streamingdienst im zurückliegenden Quartal seine eigenen Vorgaben. Statt der erwarteten 2,5 Millionen zusätzlichen Nutzer ist Netflix in drei Monaten nur um 1,7 Millionen Kunden gewachsen. 

Im Gespräch mit Analysten sagte Netflix-Chef Reed Hastings, dass schon die erwartete Zahl an Neukunden hinzugekommen sei - doch weil gleichzeitig mehr Kunden kündigten als erwartet, sei das Wachstum unterm Strich geringer ausgefallen.

Weltweit hat der Dienst derzeit rund 80 Millionen Kunden. Ein Grund könnte sein, so Hastings, dass Netflix den Preis fürs Standard-Abo um einen Euro bzw. einen Dollar erhöht hat: "Leute mögen es nicht, mehr zu zahlen. Aber es ist für uns eine notwendige Phase. Und die Mehreinnahmen erlauben uns, immer bessere Inhalten zu produzieren."

TV-Bildschirm mit Streaming-Angeboten
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Die Konkurrenz unter den Streamingdiensten wächst, und die Kunden zeigen sich preisbewusst.

Die Sache mit dem Sahnehäubchen

Mehr Inhalte selbst produzieren - diesen Weg hat neben Netflix auch Amazon Prime Instant Video mit seinen Amazon Studios eingeschlagen. Leiter Roy Price sagt in einem Interview mit Bloomberg: "Man kann sich Serien und Filme zusammenkaufen. Aber das Sahnehäubchen ist etwas Eigenes, das ganz auf die Bedürfnisse der eigenen Kunden zugeschnitten ist, viel Aufmerksamkeit bekommt und unseren Dienst einzigartig macht."

Das hat Amazon mit seiner Serie "Transparent" geschafft, in der es um einen transsexuellen Familienvater geht. Derzeit gibt Woody Allen seiner neuen Amazon-Serie "Crisis in Six Scenes" den letzten Schliff - noch so ein Sahnehäubchen, mit dem der Dienst hofft, sich zu schmücken. Und wie gesagt: selbst produziert, in den eigenen Studios - völlig unabhängig von Hollywood.

Der Markt ändert sich

Geraten die großen Studios immer mehr ins Hintertreffen? Das Sundance-Festival in Utah ist die weltweit wichtigste Messe für Independent-Filme. Und in diesem Jahr waren nicht mehr die Hollywoodstudios die größten Einkäufer, sondern Netflix und Amazon. Price ging auf Shoppingtour und kaufte sechs Filme für Amazon, darunter den Sundance-Darling "Manchester by the Sea" mit Casey Affleck und Michelle Williams in den Hauptrollen.

Auf die Frage, wo er Netflix in drei Jahren sehe, sagte Netflix-Produktionschef Ted Sarandos kürzlich: "Die größte Veränderung wird sein, wie viel mehr Inhalte wir selbst produzieren. Vor drei Jahren haben wir fast nichts selbst produziert. Und ich würde sagen, in drei Jahren werden wir mehr selbst produzieren als jeder einzelne Sender oder jedes einzelne Studio."

Dieser Beitrag lief am 16. August 2016 um 07:25 Uhr auf NDR Info.

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