Arbeitssuchende schauen sich Jobangebote an.

OECD-Beschäftigungsausblick Viel weniger Arbeitslose werden es nicht

Stand: 07.07.2016 13:58 Uhr

Der deutsche Arbeitsmarkt steht im OECD-Vergleich weiter gut da. Das ist ein Ergebnis des Beschäftigungsausblicks der Organisation. Ein anderes Ergebnis: Besser wird's nicht. Sorgen macht den Forschern vor allem ein Land: Großbritannien.

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland sinkt laut einer OECD-Prognose nach mehreren Jahren bald nicht weiter ab. Der kontinuierliche Rückgang werde mit einer Stabilisierung in der zweiten Jahreshälfte und dann weiter im folgenden Jahr vorläufig zu Ende kommen, heißt es im Beschäftigungsausblick der Organisation.

Der wesentliche Grund für die Entwicklung sei der Eintritt der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt. Diese OECD-Einschätzung entspricht Prognosen deutscher Arbeitsmarktforscher. Zwar würden die Flüchtlinge erst langsam auf dem Arbeitsmarkt sichtbar, heißt es in dem Bericht - aber dann wären viele von ihnen voraussichtlich zunächst arbeitslos. Es komme auf Sprachförderung, die Ausbildung und die Anerkennung von bestehenden Qualifikationen an.

Deutschland steht gut da

Die seit 2009 positive Entwicklung auf dem deutschen Arbeitsmarkt habe sich zuletzt fortgesetzt, heißt es in der Studie weiter. Die Beschäftigungsquote für die 15- bis 74-Jährigen werde im Laufe des Jahres 2016 voraussichtlich 65 Prozent überschreiten - der OECD-Durchschnitt liegt bei 60,5 Prozent. Die Arbeitslosigkeit ist mit 4,3 Prozent so niedrig wie seit 25 Jahren nicht mehr.

Ein weiterer Befund des Ausblicks ist, dass es in Deutschland weniger Jugendliche gibt, die weder in Beschäftigung, Bildung noch in Ausbildung sind als in anderen OECD-Staaten. Der Anteil solcher junger Menschen zwischen 15 bis 29 Jahren sank zuletzt auf deutlich unter fünf Prozent, im OECD-Schnitt liegt er bei 5,3 Prozent.

Der Anteil der Arbeitslosen, die seit mindestens einem Jahr ohne Job sind, sei in den vergangenen acht Jahren beständig gefallen. Er liege bei 1,9 Prozent - der OECD-Durchschnitt aber bei 2,2 Prozent. Im Gegensatz zu vielen anderen OECD-Ländern seien die Reallöhne in Deutschland seit 2011 deutlich gewachsen.

"Wirklich besorgt" wegen Großbritannien

Im OECD-Raum insgesamt werde die Beschäftigungsquote fast zehn Jahre nach Ausbruch der globalen Finanzkrise wieder auf das Niveau von vor der Krise zurückkehren.

Die Experten warnten allerdings, durch den möglichen Brexit könnte eine halbe Million Menschen in Großbritannien bis 2020 ihren Job verlieren und die Arbeitslosenquote dadurch um 1,5 Prozentpunkte steigen. Man sei hinsichtlich Großbritanniens "wirklich besorgt", sagte OECD-Arbeitsmarktexpertin Kristine Langebucher.

In den anderen EU-Ländern befürchtet die OECD dagegen keinen Beschäftigungsrückgang durch ein Ausscheiden der Briten.

Mit Informationen von Burkhard Birke, ARD-Studio Paris

OECD Beschäftigungsausblick
B. Burkhard, ARD Paris
07.07.2016 14:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Juli 2016 um 11:00 Uhr

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