Ein Mann hält ein Tablet mit Netflix in der Hand | Bildquelle: AP

Streaming-Dienst Netflix Auch schon 20 Jahre alt

Stand: 29.08.2017 09:24 Uhr

Vor 20 Jahren war das Internet so langsam, dass ans Streamen von Filmen nicht zu denken war. Was viele daher überraschen dürfte: Netflix wurde heute vor 20 Jahren gegründet. Wie hat das damals funktioniert? Und warum denkt Netflix heute über Kino nach?

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Im Unternehmen habe er keinen eigenen Schreibtisch, erzählt Reed Hastings dem Besucher. Wie viele andere Mitarbeiter in der Firmenzentrale in Los Gatos im Silicon Valley, verfüge auch er als Chef nur über einen Funktionsarbeitsplatz. Der direkte, hierarchieübergreifende Kontakt aller Mitarbeiter sei ihm wichtig, sagt der Netflix-Gründer. Die Worte "direkt" und "Kontakt" sind Bezeichnungen, die Hastings gerne und häufig benutzt.

"House of Cards" war der Auftakt. Die TV-Serie um den skrupellosen US-Politiker Frank Underwood - gespielt von Kevin Spacey - war die erste von vielen Dutzend Eigenproduktionen. Fernsehsender, Kabelnetzbetreiber und Kinoproduzenten waren und sind über den Erfolg von Netflix irritiert - nicht nur in Hollywood. Dem Tech-Dienst "Recode" sagte Netflix-Chef Hastings unlängst: "Wir wollen die Grenzen der Kreativität ausreizen, wir wollen, dass unsere Shows, die Menschen zusammenbringen, aufregen und vielleicht auch mal polarisieren."

Szene aus der Serie "House Of Cards" mit Kevin Spacey. | Bildquelle: AP
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"House Of Cards" mit Kevin Spacey war die erste selbstproduzierte Serie von Netflix.

Algorithmen schon beim Postversand

Angefangen hat Netflix als DVD-Versender. Für eine Monatsgebühr konnte man sich in den USA DVDs per Post nach Hause schicken lassen. 1997 war das Internet noch langsam, Videos darüber zu streamen - undenkbar. Doch bereits damals begründete Netflix seinen Erfolg: Algorithmen machten den Kunden Vorschläge, welche DVD sie sich als nächstes nach Hause schicken lassen könnten - basierend auf ihren Nutzunsgewohnheiten.

Dieses Prinzip besteht bei Netflix nach wie vor, es funktioniert nur viel viel besser. Heute hilft die Analyse der Nutzungsdaten dem Streaming-Dienst, welche Serien er als nächstes produzieren könnte. Kein Videostreaming-Dienst versteht seine Nutzer so gut wie Netflix.

Versand von Netflix-DVDs | Bildquelle: picture alliance / AP Photo
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Statt per Steam kamen die Filme bei Netflix früher als DVD per Post

Sie müssen zum "Koma-Glotzen" einladen

"Unser Schwerpunkt liegt zurzeit auf der Internationalisierung all unserer Eigenproduktionen. So können sie auf der ganzen Welt konsumiert werden", erklärt Hastings. Längst ist Netflix ist fast allen Ländern der Welt abrufbar. Ausnahme ist unter anderem China.

In vielen großen Märkten, wie zum Beispiel der EU, lässt Netflix selbst Fernsehserien produzieren und geht damit in Konkurrenz zu den linearen TV-Sendern. Mehr als sechs Milliarden Dollar steckt Netflix in diesem Jahr in eigenproduzierte Inhalte. Eines der Erfolgsgeheimnisse: Die Serien müssen zum "Binge-Watchen" einladen, auf deutsch: zum "Koma-Glotzen". Wer will, kann alle Folgen auf einmal sehen. 8,3 Millionen Euro gibt Netflix im Schnitt für jede eigenproduzierte Stunde aus. Zum Vergleich: Eine Stunde ARD-"Tatort" kostet rund eine Million Euro.

Das Geschäftsmodell der Kinos aushebeln

Reed Hastings | Bildquelle: picture alliance/AP Images
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Netflix-Chef Hastings will bald auch Spielfilme im großen Stil produzieren

Netflix-Chef Hastings hat aber schon das nächste große Ziel vor Augen: "TV-Serien und Kinofilme sind in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich. Der Unterschied ist, dass Spielfilme erst im Kino laufen. Und deshalb werden wir in großem Stil in die Produktion von Spielfilmen einsteigen." Hastings will das Geschäftsmodell des Kinos aushebeln. Er will den direkten Kontakt zum Zuschauer.

Große Spielfilme will er künftig auf den 4K-Fernseher im Wohnzimmer bringen - also die neueste Generation der TV-Geräte. Und er verspricht sich davon auch neue Vielfalt: "Die Kinoketten haben die Film-Studios im Würgegriff. Das heißt: Kaum Einnahmesteigerungen, keine Innovation. Das große Geld fließt nur in Blockbuster. Kleinere Filme, die beim Zuschauer besser ankommen, werden dadurch verhindert."

Netflix feiert 20. Jubiläum
Marcus Schuler, zzt. Silicon Valley
29.08.2017 08:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 29. August 2017 um 08:50 Uhr.

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