Mario Draghi bei einer Pressekonferenz am 3. Dezember 2015 | Bildquelle: AFP

Pleite für EZB-Chef Zu niedrige Inflation für Draghi

Stand: 05.01.2016 21:15 Uhr

60 Milliarden Euro pro Monat - mit diesem Geld will EZB-Chef Draghi die Wirtschaft in Europa ankurbeln und die Inflation auf zwei Prozent bringen. Doch diese Geldspritzen haben ihre Wirkung verfehlt. Europaweit lag die Inflation 2015 bei nur 0,2 Prozent.

Von Ralph Sina, ARD-Studio Brüssel

Für Mario Draghi, den Chef der Europäischen Zentralbank, sind die Inflationszahlen des EU-Statistikamtes Eurostat in Luxemburg und des Statischen Bundesamtes in Wiesbaden kein Anlass zum Jubeln: Inflationsraten von nahezu zwei Prozent will Europas Notenbanker Draghi auf mittlere Sicht erreichen - so seine Ankündigung vor einem Jahr. Doch von diesem Ziel ist die Europäische Zentralbank noch weit entfernt.

Auf dürftige 0,2 Prozent belief sich die Inflation in den neunzehn Staaten der Eurozone im Dezember. Und in der Bundesrepublik wurde im Durchschnitt des gesamten Jahres 2015 die niedrigste Inflation seit der Einführung des Euro verzeichnet. Seit März 2015 pumpt die Europäische Zentralbank jeden Monat 60 Milliarden Euro in Markt, um die Inflation und damit die Wirtschaft anzukurbeln.

EZB-Logo vor der alten EZB-Zentrale | Bildquelle: dpa
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60 Milliarden Euro monatlich - mit dieser Summe will die EZB die Wirtschaft ankurbeln

Verbraucher schieben Investitionen auf

Dauerhaft niedrige Preise gelten aus Sicht der EZB als konjunkturhemmend, weil Verbraucher dann angeblich ihre Ausgaben und Unternehmer ihre Investitionen in der Hoffnung auf noch weiter sinkende Preise aufschieben. Hauptgrund für die derzeit geringe Inflation ist der weitere Rückgang des Ölpreises. Klammert man die schwankenden Preise für Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak aus, dann blieb die sogenannte Kerninflation mit 0,9 Prozent im Dezember unverändert niedrig. Trotz der EZB-Politik des billigen Geldes.

Funktioniert sie nicht, die EZB-Politik des sogenannten "Quantitative Easing", also des Ankaufs großer Mengen von Staatsanleihen fragt der Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg. Jedenfalls nicht so schnell und erkennbar wie sich Draghi das wünscht. Der Einfluss der Europäischen Zentralbank auf die Inflationsrate im Euroraum hat Grenzen. Denn in zahlreichen EU-Staaten nimmt der Anteil älterer Menschen zu, die eher sparen als konsumieren. Und diese demographisch bedingte geringe Konsum-Nachfrage führt zu niedriger Inflation. Obwohl ihr Einfluss auf die Inflationsrate erkennbar begrenzt ist, hält die EZB an ihrer Politik der geöffneten Geldschleusen fest.

Draghis Devise: Weiter so

Das auf 1,5 Billionen Euro angelegte Wertpapierkaufprogramm sollte ursprünglich bis einschließlich September laufen. Und wurde bereits bis März kommenden Jahres verlängert. Draghi will daran festhalten bis die Inflationsrate dauerhaft in der Nähe der angeblich konjunkturfördernden Zwei-Prozent-Marke liegt. Dass die Teuerung davon noch deutlich entfernt ist, freut nicht nur den Verbraucher: Dank der geringen Energiekosten haben auch die Unternehmen mehr Spielraum für Investitionen. Bitter ist die Situation für hochverschuldete Euro-Länder wie Griechenland: Ihr Schuldenberg wird wegen der geringen Inflation einfach nicht kleiner.

Euro-Inflation: Draghis vergebliche Geldspritzen
R. Sina, ARD Brüssel
05.01.2016 18:10 Uhr

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