Jean-Claude Juncker | Bildquelle: REUTERS

Machtwechsel in Athen "Griechenland muss EU respektieren"

Stand: 29.01.2015 01:58 Uhr

EU-Kommissionspräsident Juncker hat Verständnis für "das Leid" der Griechen gezeigt, gleichzeitig aber deutlich gemacht, dass die Eurozone einen Schuldenerlass nicht akzeptieren würde. Parlamentspräsident Schulz, der heute in Athen ist, warnte Griechenland vor Alleingängen.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat die neue griechische Regierung zur Zusammenarbeit mit Brüssel gedrängt. "Griechenland muss Europa respektieren", sagte Juncker der französischen Zeitung "Le Figaro". Europa erkenne das "universelle Leid in Griechenland" an, Athen müsse aber auch die "öffentlichen Meinungen" im Rest von Europa respektieren, sagte Juncker.

Zum von Athen angestrebten Schuldenschnitt sagte Juncker, zwar seien gewisse "Arrangements möglich", ein Erlass stehe aber außer Frage. "Das werden die anderen Länder der Eurozone nicht akzeptieren."

Juncker hat eigenen Angaben zufolge bereits mehrfach mit dem neuen griechischen Regierungschef Alexis Tsipras gesprochen. Dieser habe ihm gesagt, dass er sich selbst "nicht als Gefahr, sondern als Herausforderung für Europa betrachte". Juncker habe entgegnet, dass auch Europa keine Gefahr, sondern eine Herausforderung für Griechenland sei.

Rolf-Dieter Krause, ARD Brüssel, zu den Entwicklungen in Griechenland
tagesthemen 22:15 Uhr, 28.01.2015

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Tsipras hatte zuvor angekündigt, die "Politik der Unterwerfung" der EU nicht fortsetzen zu wollen, allerdings auch neue Verhandlungen mit "unseren Partnern" angekündigt. Seine Regierung habe bereits einen Vier-Jahres-Plan entworfen mit "realistischen Vorschlägen für die Schulden und die Investitionen".

Schulz: Koalition "nicht gut" für Griechenland

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz warnte Athen vor politischen Alleingängen. Mit Entsetzen habe er gesehen, dass Griechenland die gemeinsame Position der EU gegenüber Russland aufgegeben habe, sagte Schulz im ZDF. Die griechische Regierung sei nicht gewählt worden, um Sanktionen gegen Russland zu boykottieren. Griechenland habe ganz andere Sorgen.

Besuch bei Tsipras

"Ich habe keinen Bock, ideologische Debatten zu führen mit einer Regierung, die gerade mal zwei Tage im Amt ist", sagte Schulz. Die Koalition zwischen Linken und Rechtspopulisten in Griechenland bezeichnete er als "nicht gut für das Land". Die Regierung in Athen hatte mit Kritik an einer EU-Erklärung zur möglichen Ausweitung der Russland-Sanktionen für Unmut in Brüssel gesorgt. Der EU-Parlamentspräsident will sich heute in Athen mit Tsipras treffen. "Ich werde sicherlich Tacheles mit ihm reden", sagte Schulz der "Bild"-Zeitung.

Obama kündigt enge Zusammenarbeit an

US-Präsident Barack Obama gratulierte Tsipras unterdessen zum Wahlsieg und kündigte eine enge Zusammenarbeit mit dessen Regierung an. Die USA wollen Griechenland dabei helfen, den Weg hin zu langfristigem ökonomischem Erfolg zu verfolgen, sagte Obama nach Angaben des Weißen Hauses in einem Telefongespräch mit Tsipras. Auch über eine Kooperation im Anti-Terrorkampf und bei der Sicherheit in Europa hätten beide demnach gesprochen.

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Zahlen und Fakten zu Griechenland

Arbeitslosenquote in Griechenland

Die hohe Arbeitslosigkeit gehört zu den größten griechischen Problemen. Mit zuletzt 25,7 Prozent verzeichnet es die höchste Arbeitslosenquote der Europäischen Union. In der Euro-Zone liegt sie mit durchschnittlich 11,5 Prozent nicht einmal halb so hoch. Besonders betroffen sind Jugendliche: Jeder Zweite der 15- bis 24-jährigen Griechen ist arbeitslos gemeldet.

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