US-Ökonom Roubini: Aufschwung nicht vor 2011 "Doktor Doom" sieht weiter schwarz

Stand: 31.01.2009 12:02 Uhr

Vor zwei Jahren in Davos wurde der Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini noch belächelt, als er finstere Zeiten für die Finanzwelt voraussagte. Er handelte sich den Spitznamen "Doktor Untergang" ein. Jetzt hören ihm alle zu, auch wenn seine Prognosen nach wie vor düster sind.

Von Lena Bodewein, ARD-Hörfunkstudio New York

Nouriel Robini
galerie

Nouriel Roubini sagt finstere Zeiten voraus

"Sie nennen mich Doktor Doom", sagt Nouriel Roubini. Übersetzt heißt das "Doktor Untergang". Der New Yorker Wirtschaftsprofessor hat als einer der ersten finstere Zeiten für die Finanzwelt vorhergesagt. Doch noch vor zwei Jahren wurde er beim Weltwirtschaftsforum in Davos eher als amüsanter Schwarzseher betrachtet.

Globale Rezession für 2009

Jetzt ist er als Star aus der Finanzkrise hervorgegangen, und alle hängen an seinen Lippen. Doch was daraus zu vernehmen ist, lässt die Gegenwart im Vergleich zu dem, was noch auf uns zukommt, sogar noch rosig erscheinen: "Eine globale Rezession für das ganze Jahr 2009. Und auch 2010 und 2011 wird sich das Wachstum nur wenig erholen." Man könne nicht einfach Geld in Richtung Problem werfen, sondern man müsse das Finanzsystem reparieren - und das dauere Jahre.

Der Sohn jüdischer Iraner hat selten gezögert, gegen den Strom zu denken und seine Mitmenschen teilweise auch zu reizen. Dem ehemaligen US-Finanzminister Henry Paulson warf er zum Beispiel vor, die Vereinigten Sozialistischen Staaten von Amerika zu schaffen: "Als ich gesagt habe, es sieht aus wie die Sowjetunion, war das ein bisschen provokativ. Aber es ist so paradox, dass die Bush-Regierung für eine freie Marktwirtschaft ist und am Ende eher wie ein sozialistischer Staat da steht."

"Das ist nicht das Ende des Kapitalismus"

"Das alles ist nicht das Ende des Kapitalismus", sagt Roubini weiter. Es sei nur das Ende einer bestimmten Art des Laissez-Faire-Kapitalismus mit seiner totalen Marktfreiheit, ohne Regulierung. Finanzmärkte ohne Regulierungen und Institutionen funktionierten nach dem Faustrecht, es gebe Gier und Arroganz, man müsse sie kontrollieren, auch wenn man an die Marktwirtschaft glaube.

Diskussionsrunde beim Weltwirtschaftsforum in Davos.
galerie

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos wird nach Lösungen für die weltweite Finanzkrise gesucht.

Zinsen runter, Geld zugänglich machen, schlechte Banken schließen, gute Banken retten, ein Konjunkturprogramm, private und Firmen-Schulden bekämpfen - das seien nur die kurzfristigen Maßnahmen, die nach Roubinis Meinung notwendig sind. Und zwar schnell. Sonst sieht er weltweit ähnliche Verhältnisse voraus, wie Japan sie während des sogenannten verlorenen Jahrzehnts in den Neunzigern erlitt: "Wenn wir das Schuldenproblem nicht schnell angehen, werden wir für viele Jahre eine wirtschaftliche Stagnation bekommen, eine Deflation und alle anderen Probleme, die Japan hatte."

Bessere Kontrollmechanismen sind notwendig

Auf lange Sicht müsse man unbedingt bessere Kontrollmechanismen für das Finanzsystem einrichten. Und zwar international. Wenn der smarte Wirtschaftsprofessor international sagt, dann meint er nicht nur die Länder, die sich unter dem Etikett G7 verbergen: "Diese Gruppe ist obsolet. Denn viele neue Mächte treten hervor: China, Indien, Russland, Südafrika, Brasilien."

Die Balance zwischen Europa, Asien und Amerika müsse hergestellt werden. "Alle müssen zusammen an der Lösung der globalen Wirtschaftsprobleme arbeiten. Es kann nicht nur ein Club aus USA, Europa und Japan sein, der die Welt regiert.", fordert Roubini.

Ein wenig zuversichtlich wird Doktor Untergang dann aber doch: "Sie nennen mich Doktor Doom, aber ich sehe nicht alles schwarz: Manchmal ist eine Krise eine Chance, Dinge zum Besseren zu wenden. Wir können es vermasseln, aber ich bin hoffnungsvoll, dass wir die richtigen Schritte tun und die richtige Politik machen."

Darstellung: