Der chinesische Internetkonzern Alibaba hat die Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" gekauft. | Bildquelle: dpa

Alibaba übernimmt "South China Morning Post" Kauf mit rätselhaften Motiven

Stand: 14.12.2015 12:18 Uhr

Der chinesische Internetkonzern Alibaba kauft die Hongkonger Zeitung "South China Morning Post". Bislang stand sie für objektiven Journalismus, nun sind Verteidiger der Pressefreiheit alarmiert. Stecken politische Motive hinter dem Kauf?

Von Markus Rimmele, ARD-Hörfunkstudio Shanghai

Die Regenschirm-Proteste in Hongkong vor einem Jahr waren auch eine große Stunde für den Journalismus in der chinesischen Sonderverwaltungszone. Hongkong zeigte der ganzen Welt, wie lebendig und verhältnismäßig frei Gesellschaft und Medien in diesem kleinen Teil Chinas noch sind. Mittendrin war die "South China Morning Post". Rund um die Uhr berichtete die englischsprachige Zeitung auf ihrer Webseite faktentreu, vielseitig und objektiv über die Ereignisse. Sie war in diesen Tagen eine wichtige internationale Informationsquelle.

"Ich glaube, er versteht nicht viel von der Branche"

Jetzt wechselt die 112 Jahre alte Traditionszeitung den Besitzer. Der chinesische Internetkonzern Alibaba mit seinem schillernden Gründer Jack Ma wird das Blatt für umgerechnet 242 Millionen Euro übernehmen. Die Motive für den Kauf bleiben etwas rätselhaft, denn der ökonomische Nutzen für Alibaba dürfte gering sein. Wie die Zeitungen weltweit leidet auch die "South China Morning Post" unter sinkenden Einnahmen und Abonnenten-Schwund. Der Technologie-Blogger Doug Young in Shanghai sieht daher den Größenwahn von Jack Ma am Werk. Er kaufe im Medienbereich, was ihm in die Quere komme: Videoplattformen und vieles mehr. "Ich glaube, er versteht nicht viel von der Branche und davon, dass jedes Medium einem anderen Zweck dient. Er glaubt, er muss nur viel kaufen und schon besitzt er das größte Medienimperium. Ich denke nicht, dass das so funktioniert", sagt Young.

Verteidiger der Pressefreiheit sind alarmiert

Andere vermuten politische Gründe hinter dem Zeitungskauf. Alibaba wolle die "South China Morning Post" offenbar dazu nutzen, ein besseres Bild von China im Ausland zu verbreiten, sagt der Vize-Vorsitzende des Online-Handelskonzerns Joseph Tsai. Westliche Medien betrachteten China oft durch eine negative Brille, so Tsai. Die "South China Morning Post" solle stattdessen in Zukunft fair und ausgewogen auf Englisch für ein internationales Publikum berichten.

Die Verteidiger der Hongkonger Pressefreiheit sind alarmiert: "Es ist möglich, dass die 'South China Morning Post' nach der Übernahme ihre inhaltliche Unabhängigkeit verliert und Selbstzensur übt", sagt der Hongkonger Politologe Willy Lam. Die China-Berichterstattung könne regierungsfreundlicher werden: "Es steht auch zu befürchten, dass manche Themen gar nicht mehr vorkommen werden, etwa die Geschäfte von Familienangehörigen der kommunistischen Elite oder was in Tibet und Xinjiang passiert."

Der Chef des chinesischen Internetriesen Alibaba, Jack Ma. | Bildquelle: REUTERS
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Der Mann hinter dem Konzern: Jack Ma, Chef des chinesischen Internetriesen Alibaba

Noch unterliegt sie nicht der Zensur

Die "South China Morning Post" gilt als die vielleicht beste englischsprachige Zeitung Ostasiens und ist eine Hongkonger Institution. Mit ihrem dichten Netzwerk von Reportern auf dem chinesischen Festland konnte die Zeitung in der Vergangenheit immer wieder prominente Exklusivgeschichten aus China liefern und Skandale wie zum Beispiel Korruptionsfälle aufdecken. Sie ist ein Fenster nach China. Als Hongkonger Publikation unterliegt sie nicht der chinesischen Zensur, doch schon in jüngerer Zeit ist die SCMP zahmer geworden und Mitarbeiter berichten von Selbstzensur.

Kauf passt in Pekings Strategie

Dieser Trend könnte jetzt stark zunehmen, denn Alibaba und Jack Ma pflegen engste Beziehungen zu Chinas kommunistischer Regierung, der die freie Hongkonger Presse seit langem ein Dorn im Auge ist. Ob der Kauf der Zeitung ein Wunsch Pekings war, ist unklar. Ins Konzept der Regierung passt er jedenfalls: "Es ist die Politik der chinesischen Regierung, dass sie Unternehmen vom Festland dazu ermutigt, Hongkonger Medien aufzukaufen", sagt der Politologe Lam. "Zwei der vier wichtigen Fernsehsender Hongkongs gehören zu großen Teilen chinesischen Firmen. Peking will so die Hongkonger Politik kontrollieren."

Hongkong ist seit der Rückgabe durch die Briten 1997 eine halbautonome Sonderverwaltungszone in China. Anders als auf dem Festland gelten in Hongkong die Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit. Außerdem herrschen Meinungs- und Pressefreiheit. Viele Bürger haben allerdings den Eindruck, dass die Freiheiten unter dem Druck Pekings immer weiter ausgehöhlt werden.

Alibaba kauft Hongkonger „South China Morning Post“
M. Rimmele, ARD Shanghai
14.12.2015 10:46 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 14. Dezember 2015 um 10:46 Uhr auf NDR Info.

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