Ein Paket liegt auf dem Fließband beim Versandhändler Amazon | Bildquelle: dpa

Ver.di fordert Tarifverhandlungen Streik bei Amazon - teilweise bis Heiligabend

Stand: 21.12.2015 14:23 Uhr

Kurz vor Weihnachten besorgen viele Menschen noch die letzten Geschenke. Bei Amazon wird dieses Geschäft nun von Streiks etlicher Mitarbeiter durchkreuzt. Mancherorts soll der Ausstand bis Heiligabend dauern. Der Konzern versichert aber: Die Pakete kommen wie geplant an.

Mitten im Last-Minute-Weihnachtsgeschäft haben Amazon-Beschäftigte an mehreren Standorten erneut die Arbeit niedergelegt. Die Streiks sollen teilweise bis Heiligabend dauern, wie die Gewerkschaft ver.di in Berlin mitteilte. Demnach legten Mitarbeiter in den Versandzentren in Leipzig, Rheinberg, Werne, Bad Hersfeld, Graben und Koblenz die Arbeit nieder. In Leipzig und Bad Hersfeld soll der Arbeitskampf schon am Montag beziehungsweise Dienstag enden, in den anderen Versandzentren erst Heiligabend.

Amazon zufolge haben die Ausstände keinerlei Auswirkungen auf die Kunden: "Wir halten unser Lieferversprechen ein", sagte ein Sprecher. Insgesamt habe sich auch heute nur ein sehr geringer Teil der Mitarbeiter am Ausstand beteiligt. Amazon hat nach eigenen Angaben dieses Jahr über 800 neue unbefristete Stellen geschaffen; 200 weitere sollen im Januar folgen.

Streik bei Amazon
Brigitte Scholtes, DLF
21.12.2015 16:18 Uhr

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Angeblicher Monatslohn von 2311 Euro

Seit zwei Jahren ringt ver.di mit Amazon um die Einführung eines Tarifvertrages auf dem Niveau des Einzel- und Versandhandels - bislang ohne Durchbruch. "Die Beschäftigten bei Amazon fordern mit Nachdruck ihr Recht auf einen Tarifvertrag ein. Sie haben Amazon in den vergangenen Wochen mit kurzfristig angesetzten Streiks unter Druck gesetzt, und ihre Beharrlichkeit wird nicht nachlassen", erklärte Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Solange der Versandhändler sich weigere, über "existenzsichernde Arbeitsbedingungen" zu verhandeln, werde es immer wieder zu Streiks kommen.

Amazon betont im Tarifstreit immer wieder, ein guter Arbeitgeber zu sein und vergleichsweise hohe Löhne zu zahlen. Laut dem Versandhändler erhält ein Mitarbeiter in einem Logistikzentrum nach zwei Jahren - zusammen mit Boni, Aktien und jährlichen Sonderzahlungen - einen durchschnittlichen Monatslohn von 2311 Euro.

Sieg für Gewerkschaft vor Gericht

Insgesamt beschäftigt der Online-Riese in Deutschland über 10.000 Menschen, im Weihnachtsgeschäft wächst die Zahl durch Saisonkräfte auf das Doppelte an. Europaweit hat Amazon 29 Logistikzentren und plant weitere. 2017 soll etwa im nordrhein-westfälischen Werne ein weiteres Verteilzentrum eröffnen.

Während ver.di trotz immer wiederkehrender Streiks bei den Tarifverträgen nicht weiterkommt, erzielte die Gewerkschaft in einem anderen Punkt vor Gericht einen Teilerfolg gegen Amazon: Der Online-Händler hatte für den 13. und 20. Dezember an mehreren Standorten Sonntagsarbeit beantragt. Zwar kamen die zuständigen Behörden der Bitte Amazons in fast allen Fällen nach, doch ver.di legte vor mehreren Gerichten Beschwerde dagegen ein und siegte in allen Fällen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 21. Dezember 2015 um 15:45 Uhr.

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