Ein Flugzeug von Air Berlin | Bildquelle: AFP

Insolvenz von Air Berlin Schlussspurt im Bieterwettstreit

Stand: 15.09.2017 14:20 Uhr

Die Liste der Bieter für die insolvente Air Berlin hat sich stetig erweitert. Nun ist die Frist für die Gebote abgelaufen. Für die Belegschaft der Airline geht das Warten jedoch weiter. Die Entscheidung soll erst am 25. September verkündet werden.

Von Jan-Peter Bartels, HR

Eine E-Mail genügte, um mitzubieten für Air Berlin - bis um 14 Uhr. Für die Sachverwalter und den Gläubigerausschuss beginnt nun die eigentliche Arbeit. Für die Belegschaft der Airline wird das Warten aber noch nicht vorbei sein. Die Entscheidung soll erst am 25. September verkündet werden.

"Aktuell jagt ein Gerücht das nächste. Und wenn man nicht weiß, wie es weitergeht, dann macht das was mit den Leuten", sagt Silvia de la Cruz von der Flugbegleitergewerkschaft UFO. Die Arbeitnehmer bei Air Berlin seien massiv verunsichert und extrem angespannt. De la Cruz ist froh, dass das Bieterverfahren auf die Zielgerade geht. Damit wird zumindest eines enden: die täglichen Meldungen über neue, angebliche Interessenten an der insolventen Airline.

Angebotsfrist für Übernahme von Air Berlin endet
tagesschau 14:00 Uhr, 15.09.2017, Anke Hahn, RBB

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

"In erster Linie geht es ums Geld"

Die Liste der Bieter ist inzwischen lang. Bei vielen dürfte jedoch die finanzielle Voraussetzung fehlen. "Einfach gesagt, geht es in erster Linie ums Geld, schließlich ist es laut Insolvenzordnung Auftrag des Verwalters, die Gläubigerinteressen zu befriedigen", sagt Jutta Rüdlin vom Verband deutscher Insolvenzverwalter. Die Anwältin hat Hunderte Insolvenzverfahren geleitet. Sie sagt, es spiele auch eine Rolle, wie belastbar das Konzept sei, wie viele Arbeitsplätze erhalten werden könnten. "Aus dem einen folgt das andere, denn Kündigungen kosten Geld, und das wiederum belastet die Gläubiger", so Rüdlin.

Wer ein Angebot vorlegt, muss zudem damit rechnen, dass Käufer bei Air Berlin möglicherweise zusätzliche Millionen nachschießen müssen, um die Airline bis zum endgültigen Kaufabschluss in der Luft zu halten. Denn der Abschluss des Geschäfts kann bis Dezember dauern. Nach der Entscheidung der Gläubiger müssen noch Verträge verhandelt und das Ergebnis vom Kartellamt geprüft werden.

Interesse vor allem an Start- und Landerechten

Finanziell könnte Lufthansa eine solche Übernahme stemmen. Die Fluggesellschaft hat auch schon früh ihr Interesse bekundet. Offenbar geht es der Airline vor allem um die Start- und Landerechte in Berlin, Düsseldorf und Mallorca. Im Erfolgsfall hätte sie jedoch wohl mit kartellrechtlichen Auflagen zu rechnen und müsste einige Slots abgeben. Bis zu 90 Flugzeuge will Lufthansa Brancheninsidern zufolge übernehmen, darunter 17 Langstrecken-Airbus und die 35 Maschinen des zu Air Berlin gehörenden Ferienfliegers NIKI.

Eine Maschine der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin | Bildquelle: AFP
galerie

Eine Maschine der insolventen Air Berlin. Möglicherweise muss der Käufer zusätzliche Millionen nachschießen, um die Fluglinie bis zum endgültigen Kaufabschluss am Leben zu halten.

An NIKI hat auch Condor Interesse, denn die Tochter des Reisekonzerns Thomas Cook ist ebenfalls spezialisiert auf Ferienziele. Einige Langstrecken-Maschinen nähme Condor bestimmt auch gern dazu, heißt es aus gut informierten Quellen. Auch ein Zusammengehen mit Ex-Formel-1-Weltmeister Niki Lauda wäre möglich. Der würde sein ehemaliges Unternehmen wohl gern zurückkaufen und ließ via Zeitungsinterview verlauten, dass er sich den Kauf Hand-in-Hand mit Condor vorstellen könne.

Spekulationen um Easyjet

Auch Easyjet gilt als heißer Kandidat für einige Dutzend Maschinen. Auf Anfrage von tagesschau.de will das Unternehmen aber nichts sagen. ARD-Luftfahrtexperte Michael Immel ist sich allerdings sicher, dass Easyjet dabei ist: "Der britische Billigflieger möchte im innerdeutschen Geschäft Fuß fassen und will kräftig wachsen. Auch bietet Easyjet ganz frisch ab London Gatwick Langstrecke an. Da wird gerade an einem größeren globalen Netzwerk getüftelt."

Als möglichen, finanzstarken Kaufinteressenten sehen Branchenexperten auch die International Airlines Group (IAG). Dazu gehören beispielsweise British Airways, Iberia, Air Lingus und Vueling. Die Holding könnte über Air Berlin einen Fuß in den deutschen Markt bekommen, antwortet aber auf Anfrage mit "kein Kommentar".

Vorwürfe von Ryanair

Ausgiebig kommentiert hat dagegen RyanAir. Der irische Billigflieger zog sein zuerst geäußertes Interesse schnell wieder zurück, um dann den Vorwurf zu erheben, der Ausgang des Verfahrens sei längst im Sinne der Lufthansa ausgemacht. Beweise für falsches Spiel konnten die Iren nicht vorlegen, stattdessen zog Vertriebschef David O’Brian das markige Fazit: "Wir brauchen da keine Beweise, es ist doch offensichtlich."

Ein Gebot hat der deutsche Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl angekündigt. Er möchte eine erste Rate von 50 Millionen Euro für Air Berlin zahlen. Weitere Tranchen bis zu insgesamt 500 Millionen Euro sind laut seinem Angebot möglich, aber "ergebnisabhängig". Arg luftig und unsicher sei das, sagen Kritiker, die auch über viele andere Interessensbekundungen den Kopf schütteln, die in den Medien diskutiert werden - wie beispielsweise die des Berliner Logistikunternehmens Zeitfracht oder des ehemaligen EnBW-Managers Claassen.

In Teilen, nicht am Stück

Als sicher gilt in der Branche, dass Air Berlin in Teilen verkauft wird und nicht am Stück. Das gebe für die Gläubiger das meiste Geld und Käufern die Möglichkeit, Arbeitnehmer mit sehr hoch bezahlten Altverträgen zu geringeren Tarifen neu anzustellen. Wer welches Stück bekommt, entscheidet nun der Gläubigerausschuss. "In so einem Gläubigerausschuss sitzt man an einem Tisch, legt die Angebote nebeneinander und spricht über die Vor- und Nachteile. Das ist in der Regel ganz kooperativ, aber klar kann da auch mal hitziger diskutiert werden, das habe ich schon erlebt," sagt Insolvenzverwalterin Rüdlin.

Über dieses Thema berichtete am 15. September 2017 die tagesschau um 04:55 Uhr und NDR Info um 07:15 Uhr.

Korrespondent

Jan-Peter Bartels, HR Logo HR

Jan-Peter Bartels, HR

@jpbartels bei Twitter
Darstellung: