Airbus A400M (Archivbild, ©Bundeswehr/Andrea Bienert) | Bildquelle: Bundeswehr /Bienert

Ärger um Transportflugzeug A400M droht weitere Verzögerung

Stand: 08.05.2017 17:52 Uhr

Das Verteidigungsministerium sieht die militärische Einsatzfähigkeit des A400M gefährdet. Es gebe unter anderem Probleme beim Selbstschutz. Damit geht der Dauerstreit mit Hersteller Airbus in die nächste Runde. Eigentlich sollte der A400M vor neun Jahren fertig sein.

Die Pannenserie rund um das Transportflugzeug A400M nimmt kein Ende. Jetzt wurde bekannt, dass das Bundesverteidigungsministerium die volle militärische Einsatzfähigkeit des Flugzeugs gefährdet sieht. Der Grund seien anhaltende technische Probleme und Vertragsquerelen mit dem Hersteller Airbus. Das Unternehmen werde nicht die nötigen Investitionen tätigen, um die erforderlichen Nachbesserungen am A400M auf den Weg zu bringen, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters aus dem vertraulichen Teil des aktuellen Rüstungsberichts des Verteidigungsministeriums.

Der Bericht beklagt die Unterfinanzierung des A400M-Programms bei Airbus. Hinzu komme, dass auf das Unternehmen wegen der bisherigen Pannen und Verzögerungen ohnehin Entschädigungsforderungen der Kunden-Länder zukommen dürften. "Die operationelle Verwendbarkeit des Flugzeugs ist damit gefährdet", heißt es in dem Bericht.

Er drohen weitere Verzögerungen

Die operationellen Mängel seien signifikant. So könne der A400M bislang Fallschirmjäger nicht simultan absetzen. Auch das Selbstschutzsystem, das das Flugzeug vor anfliegenden Raketen schützen soll, funktioniere bislang nur eingeschränkt. Selbstschutz bleibe für den taktischen Lufttransport aber eine grundlegende Voraussetzung. Für die Nachrüstung könnte Airbus eine Verschiebung "in einer Größenordnung von 12 bis 18 Monaten" veranschlagen, vermutet man im Ministerium. Airbus fordert derzeit Nachverhandlungen zum A400M-Vertrag.

alt Airbus A400M

Airbus A400M

Der taktische Militärtransporter Airbus A400M "Grizzly" soll die veralteten Transportmaschinen verschiedener Luftstreitkräfte ersetzen, bei der Bundeswehr die Transall. Der erste Prototyp wurde Ende 2009 erprobt. Im Oktober 2013 stellte die französische Luftwaffe das erste Serienmodell in Dienst. Die Bundeswehr erhielt die erste Maschine im Dezember 2014. Das propellergetriebene Flugzeug hat eine Gesamtlänge von 45 und eine Spannweite von 42,40 Metern. Bei einer maximalen Reisegeschwindigkeit von 780 km/h kommt die Maschine bei 20 Tonnen Nutzlast auf eine Reichweite von maximal 6390 Kilometern.

Der A400M kann über längere Strecken im Tiefflug und zum Absetzen von Lasten oder Fallschirmspringern eingesetzt werden. Allerdings gab es während der Entwicklung zahlreiche Probleme, die zu erheblichen Verzögerungen im Vergleich mit den ursprünglich geplanten Auslieferungsterminen führen.

Damit verzögert sich die vollständige Einsatzfähigkeit des Transportflugzeugs weiter. Der ursprüngliche Auslieferungstermin liegt bereits neun Jahre zurück. Zwar lieferte Airbus bereits acht von insgesamt 53 bestellten Maschinen an die Bundeswehr, diese sind jedoch nicht uneingeschränkt einsatzfähig. Bislang dienen die Maschinen nur als normale Transportflugzeuge. Viele der vorgesehenen militärischen Fähigkeiten sind hingegen noch nicht verfügbar.

Die Liste der Mängel am A400M ist lang. So hatte der Flieger in der Vergangenheit unter anderem mit Rissen im Rumpf und fehlerhaften Triebwerken zu kämpfen. Erst im April wurde bekannt, dass das Flugzeug nur noch mit verringerter Flughöhe fliegen darf. Bei der ursprünglich genehmigten Reiseflughöhe von 31000 Fuß konnte nicht sichergestellt werden, dass sich im Falle eines Druckverlustes die Behälter für Sauerstoffmasken öffneten. Das könnte für die Soldaten im Laderaum Lebensgefahr bedeuten.

Airbus verweist auf Fortschritte

Die erneute Verzögerung dürfte es auch für die Bundeswehr nicht leichter machen, einige ihrer bestellten A400M wieder loszuwerden. Bereits 2011 fiel die Entscheidung, 13 der bestellten 53 Transportflugzeuge weiterzuverkaufen. Doch bislang fand sich noch kein Abnehmer. "Ein Verkauf konnte bis heute nicht realisiert werden", hieß es in einem Brief des Ministeriums im März.

Ein Sprecher von Airbus bewertete den Bericht über die weitere Verzögerung des A400M kritisch. "Airbus hat im letzten Jahr erhebliche Fortschritte gemacht - sowohl beim Absetzen von Fallschirmjägern als auch beim Selbstschutzsystem", sagte er. Beide Fähigkeiten würden weiter ausgebaut. Die Bundeswehr werde auf jeden Fall das beste Selbstschutzsystem erhalten, das in seiner Klasse verfügbar sei.

Sollte es zu weiteren Verzögerungen kommen, könnte die Bundeswehr nach 2021 ohne Militärtransporter dastehen. Denn die bisherigen Transportflugzeuge vom Typ Transall sind bereits höchst betagt und stehen eigentlich vor der Ausmusterung. "Es ist nicht absehbar, ob beziehungsweise wann und wie viele einsatzreife Flugzeuge A400M mit den vertraglich geforderten vollständigen taktischen Fähigkeiten zur Verfügung stehen werden", bilanziert der Bericht des Ministeriums. "Die Gesamtproblematik kann - auch über die derzeitige Nutzungsverlängerung C-160 Transall (...) hinaus - zu Fähigkeitslücken im Bereich des geschützten taktischen Lufttransports führen".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Mai 2017 um 20:00 Uhr in den Nachrichten.

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