Szenenfoto "Werk ohne Auto"  | Bildquelle: dpa

Filmpreis-Verleihung in Los Angeles Die deutschen Oscar-Nominierten

Stand: 23.02.2019 17:10 Uhr

Der deutsche Film "Werk ohne Autor" könnte am Sonntag einen Oscar gewinnen. Die Kritiken fallen allerdings gemischt aus. Als bester Dokumentarfilm könnte eine deutsche Koproduktion ausgezeichnet werden.

Von Nicole Markwald, ARD-Studio Los Angeles

Ein Montagabend an der Universität von Kalifornien, Los Angeles: An der Filmschule wird "Werk ohne Autor" gezeigt. Danach stellen sich Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck und Kameramann Caleb Deschanel den Fragen der Studenten.

Florian Henckel von Donnersmarck ("Werk ohne Autor") beim Oscar-Empfang der Regisseure in der Sparte nicht-englischsprachiger Film im Hauptquartier der Academy of Motion Picture Arts and Sciences. | Bildquelle: dpa
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Florian Henckel von Donnersmarck beim Oscar-Empfang der Regisseure in der Sparte nicht-englischsprachiger Film.

Der Film läuft nur in wenigen Kinos in den USA, wie üblich für Kinoware aus dem Ausland, Oscar-Nominierung hin oder her. Beachtet wird die dritte große Arbeit des Regisseurs in den USA aber durchaus.

2007 machte sich von Donnersmarck mit seinem Oscar-Gewinn für "Das Leben der Anderen" einen Namen und ist in Hollywood geblieben. Sein Nachfolgeprojekt "The Tourist" mit Johnny Depp und Angelina Jolie erreichte weniger Zuschauer als erhofft.

Gemischte Kritiken für "Werk ohne Autor"

Danach vertiefte sich von Donnersmarck in die Geschichte um "Werk ohne Autor". Den Studenten erzählt er, dass er noch vor der Entwicklung des Stoffes bei Caleb Deschanel anklopfte, um ihn für das Projekt zu gewinnen - mit Erfolg. Deschanel wird mit seiner insgesamt sechsten Oscar-Nominierung belohnt.

Seit den 1970er-Jahren arbeitet Deschanel als Kameramann und Regisseur. Unter anderem stand er für "Der schwarze Hengst" hinter der Kamera. Dieser Film, so Donnersmarck, habe ihm gezeigt, dass Film eine Form von Kunst sei, erzählt er den Studenten.    

Die Kritik für "Werk ohne Autor" fällt in den USA gemischt aus: Es sei ein "mutiges Comeback", "langsam aber wunderschön". In einer Filmbesprechung der Kinoseite "The Wrap" heißt es: Die Schönheit von "Werk ohne Autor" mache es aber auch schwer, ihn zu mögen. Es sollte kein Genuss sein, einen Film über so viele schreckliche Dinge anzuschauen.

"Obwohl sie monströse Dinge tun, sind sie Menschen"

Den Schrecken hält auch der syrische Regisseur Talal Derki in seinem Oscar-nominierten Dokumentarfilm "Of Fathers and Sons - Kinder des Kalifats" fest. Darin fängt er den Alltag einer radikal-islamischen Familie in Syrien ein, unter lebensgefährlichen Bedingungen.

Talal Derki | Bildquelle: dpa
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Regisseur Talal Derki stammt aus Syrien und lebt mittlerweile in Deutschland. Mit seinem Dokumentarfilm über Kinder unter Islamisten hofft er auf den wichtigsten Filmpreis der Welt.

"Auf der einen Seite sieht man den Vater mit seinem Sohn kuscheln, wie er ihn küsst, ihn lieb hat. Doch dann schickt er ihn in den Heiligen Krieg, obwohl er noch nicht mal im Teenageralter ist. Für mich ist diese Ideologie eine Krankheit", sagt Derki. "Und obwohl sie monströse Dinge tun, sind sie Menschen. Wir können dieses Phänomen nur beenden, wenn wir es verstehen."

Für Derki, der inzwischen an einem geheimen Ort in Berlin lebt, ist es die erste Oscar-Nominierung. Besonders stolz ist er darauf, dass der vom SWR und rbb koproduzierte Film der einzige ausländische Film in der Kategorie ist. Eine Dankesrede bereitet er - anders als gewohnt - dieses Mal schon vor. Emotional sollten die Worte sein, und auch politisch. Es seien schließlich die Oscars, da höre jeder zu, sagt Derki.

 

Oscar-Verleihung 2019: Die deutschen Nominierten
Nicole Markwald, ARD Los Angeles
23.02.2019 15:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. Februar 2019 um 02:57 Uhr.

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