Szene aus dem Film "Hidden Figures" | Bildquelle: AP

#oscarssowhite Oscars nicht mehr ganz "so white"?

Stand: 22.02.2017 11:59 Uhr

In sämtlichen Kategorien nur weiße Schauspieler nominiert: Was wie in den vergangenen Jahren unter dem Hashtag "oscarssowhite" für Empörung gesorgt hatte, soll nun der Vergangenheit angehören. Hat sich tatsächlich etwas getan in Hollywood?

Von Nicole Markwald, ARD-Studio Los Angeles

"Wow, what a difference a year makes - Welchen Unterschied ein Jahr doch machen kann" sagte Cheryl Boone Issacs vor kurzem beim traditionellen Oscar-Luncheon. Es ist ein ganz spezielles Mittagessen: Alle Oscar-Nominierten des Jahres kommen zusammen, es wird gegessen und das "class photo" aufgenommen, das Jahrgangsbild.

Boone Isaacs ist die Präsidentin der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die jährlich die Oscars vergibt. Der Unterschied, auf den sie anspielt? Die 683 neuen Mitglieder der Academy, fast die Hälfte davon weiblich, 41 Prozent farbig. Die Academy hat aufgestockt, nach zwei Jahren beißender Kritik, die sich unter dem Hashtag #oscarssowhite versammelte. Vordergründig wurde kritisiert, dass in sämtlichen Schauspielkategorien nur Weiße auftauchten, hintergründig ging es darum, dass es generell für Menschen anderer Hautfarbe schwer ist, in der US-Filmindustrie Fuß zu fassen, ob als Cutter, Kameramann oder Drehbuch-Autor.

Oscars: Gruppenfoto der Nominierten | Bildquelle: dpa
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Das "class photo" der diesjährigen Oscar-Nominierten: Nicht mehr ganz so weiß wie in den Jahren zuvor, sagt McMillon, doch zur Chancengleichheit sei es noch ein weiter Weg.

Joi McMillon glaubt, dass es bis zur Chancengleichheit noch ein weiter Weg ist. Ja, viele weiße Männer auf dem Jahrgangsbild, pflichtet ihr Nat Sanders bei, selbst einer von ihnen. Die zwei gehören zu den Nominierten in der Kategorie Bester Filmschnitt, McMillon ist die erste schwarze Frau, die jemals in dieser Kategorie nominiert wurde. Sie haben den Film "Moonlight" geschnitten, in dem es um das Erwachsenwerden eines schwarzen Jungen in Miami geht. "Moonlight" ist auch als Bester Film nominiert, Barry Jenkins könnte als Bester Regisseur ausgezeichnet werden, Mahershala Ali als Bester Nebendarsteller. Acht Oscar-Chancen hat der Film insgesamt.

Schwarze Hauptdarsteller in "Moonlight", "Fences", Hidden Figures"

Auch andere Filme mit schwarzen Hauptfiguren sind mehrfach nominiert: das Drama "Fences" mit Denzel Washington und Viola Davis in den Hauptrollen oder "Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen", in dem es um die wahre Geschichte von schwarzen Mathematikerinnen bei der NASA geht. Es sei ermutigend, diese Fortschritte in Sachen Vielfalt zu sehen, sagt Joi McMillon, aber es reiche noch lange nicht.

Szene aus dem Film "Moonlight" | Bildquelle: dpa
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Der Schauspieler Mahershala Ali (rechts) ist als Bester Nebendarsteller nominiert. Insgesamt ist der Film "Moonlight" für acht Oscars nominiert.

"Hidden Figures" fast 150 Millionen Dollar eingespielt

Der Produzent Franklin Leonard gibt jedes Jahr die sogenannte Black List heraus über die besten noch unverfilmten Filmstoffe. Er sagt, dieser Nominierungs-Reigen für Schwarze habe nichts mit der Kampagne #oscarssowhite zu tun: "Die Mehrheit der Filme war schon lange in Arbeit, als #oscarssowhite die Runde machte. Die einzige Ausnahme ist vielleicht "Hidden Figures". Aber der Erfolg dieses Films bestätigt die These, dass man mit gutem Stoff, der bestimmte Gruppen ansprechen soll und von ihnen handelt, einen Hit landen kann."

"Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen" ist ein Kinokassen-Knaller. Er hat fast 150 Millionen Dollar eingespielt - trotz weiblicher, schwarzer Hauptfiguren im Wissenschaftsbereich: nicht einer, nicht zwei, sondern gleich drei Gründe, die nach üblichen Hollywood-Studio-Standards gegen das Projekt gesprochen haben.

Aktivistin: "Ein ziemlich armseliges Kinojahr"

Die Aktivistin April Reign hatte als frustrierte Kinoliebhaberin den Hashtag #oscarssowhite ins Leben gerufen. Sie sieht Fortschritte, sagte sie dem Radiosender KPCC, aber das Grundproblem gebe es nach wie vor: "Es gibt in dieser Filmsaison mehr Filme, in denen es um die Lebenswelt von Schwarzen geht. Was aber weiter fehlt, sind Geschichten von Menschen anderer Hautfarbe oder anderer Randgruppen - und darum geht es bei #oscarssowhite im Kern. Es war dahingehend immer noch ein ziemlich armseliges Kinojahr."

Das Ende von #oscarssowhite?
N. Markwald, ARD Los Angeles
22.02.2017 10:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. Februar 2017 um 12:00 Uhr.

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