Der Arbeitsplatz der amerikanischen Zeichnerin | Bildquelle: Sarah Glidden, Reprodukt

Comics von Sarah Glidden "Journalist zu sein, ist nicht einfach"

Stand: 25.02.2017 11:11 Uhr

Sie wollte nicht nur mit eigenen Augen sehen, was in Syrien, im Irak und in der Türkei los ist. Der Zeichnerin Sarah Glidden ging es vielmehr darum zu verstehen, was es heißt, in Kriegs- und Krisengebieten journalistisch zu arbeiten.

Von Alex Jakubowski, HR

Sarah Glidden | Bildquelle: Sarah Shannon
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Sarah Glidden - eine Zeichnerin, die sich für Journalisten interessiert.

Sarah Glidden ist eine angesagte Zeichnerin im Moment. Morgens noch Lesung in einer Schulklasse, abends Interviews und Signierstunden. Deutschland in vier Tagen steht auf ihrem Programm, Glidden ist in Berlin, Hamburg und Frankfurt am Main unterwegs. Und überall muss sie viele Fragen beantworten zum Thema Comic-Journalismus. Denn ihre neue Graphic Novel mit dem Titel "Im Schatten des Krieges" beruht auf einer zweimonatigen Reise in den Nahen Osten.

Gliddens Thema: Die Arbeit der Journalisten

Die Reise fand statt, noch bevor Syrien ins Chaos stürzte. Glidden begleitete die beiden Journalisten und die sprachen in Syrien, dem Irak und der Türkei mit Flüchtlingen und Einheimischen. Das Thema der Journalisten war der US-amerikanische Kriegseinsatz im Irak. Gliddens Thema aber war die Arbeit der Journalisten. So beschreibt sie das beinahe naive Vorgehen der beiden befreundeten Reporter auf der Suche nach guten Storys. Sie zeigt, wie die beiden Themen auswählten und mit welchen Selbstzweifeln sie manchmal zu kämpfen hatten.

"Journalist zu sein, ist nicht einfach", sagt Glidden im Interview. "Du baust eine Beziehung auf zu einem dir vorher unbekannten Menschen und dann musst du ihn möglicherweise verraten, indem du seine Fehler aufzeigst. Jedenfalls dann, wenn du ernsthaft und transparent deine Geschichte erzählen willst."

Seit ihrer Reise in den Nahen Osten hat das Thema Flüchtlinge enorm an medialer Bedeutung gewonnen. Doch der Comic-Journalistin geht es um ein anderes Thema. "Ich wollte ein Buch darüber machen, wie Journalismus funktioniert. Wenn es zeigt, dass der Journalist nicht eine unantastbare Autorität ist, die die Wahrheit erzählt, sondern dass dahinter ein Mensch steckt, der auch Vorgaben seiner Redaktion erfüllen muss. Ich hatte die Hoffnung, dass meine Leser das interessieren könnte und dass sie danach vielleicht zu kritischeren Zeitungslesern werden."

Der zeichnerische Blick in ein Zeltlager von Flüchtlingen | Bildquelle: Sarah Glidden, Reprodukt
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Der zeichnerische Blick in ein Zeltlager von Flüchtlingen

Mit Comics Meinung bilden

Die Zeichnerin aus Seattle sieht sich selbst zwar als durchaus politisch an, in ihren Comics will sie ihre Meinung aber nicht unbedingt wiedergeben. "Das hat im Journalismus keinen Platz", sagt sie. "Die Leser sollen sich bitte selbst ihre Meinung bilden, ich will da niemandem etwas aufzwingen."

Und doch kann sich die 36-Jährige nicht ganz aus der aktuellen Weltpolitik heraushalten. Derzeit beschäftigt sich die US-Amerikanerin viel mit dem neuen US-Präsidenten Donald Trump. Dessen Einreiseverbot für Menschen aus sieben muslimisch geprägten Ländern sowie für alle Flüchtlinge ließ sie doch zum Zeichenstift greifen. Auf ihrem Blog bezieht die Comic-Journalistin Glidden Stellung.

Das nächste Projekt: Ein Comic über den Klimawandel

"Vor der Wahl habe ich versucht, mich herauszuhalten", so Glidden. "Aber jetzt, wo wir Trump haben, muss ich mich einmischen. Er missachtet die Verfassung, es geht um Bürgerrechte, es geht um Einwanderer und Flüchtlinge. Ich fühle mich mit seinen Äußerungen nicht wohl, sie sind falsch", erklärt sie. "Und so habe ich auf meinem Blog kurzentschlossen Zeichnungen veröffentlicht. Ich war eben der Meinung, dass es dringend nötig sei, sich jetzt zu äußern."

Sarah Glidden im Comic: Die Zeichnerin als Beobachterin | Bildquelle: Sarah Glidden, Reprodukt
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Sarah Glidden im Comic: Die Zeichnerin als Beobachterin

Auch ihr neues Projekt ist politisch. Glidden plant, einen Comic über den Klimawandel zu zeichnen. "Ich lebe in einer Industrienation, die immer noch den Klimawandel ignoriert", sagt sie. "Viele denken, das betrifft mich nicht. Vielleicht gelingt es mir mit einem Comic, sie zum Umdenken zu bewegen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Februar 2017 um 15:20 Uhr

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