Jurypräsidentin Cate Blanchett und Preisträger Kore-Eda Hirokazu | Bildquelle: SEBASTIEN NOGIER/EPA-EFE/REX/Shu

Filmfestival in Cannes Goldene Palme für japanisches Drama

Stand: 19.05.2018 21:33 Uhr

Ein berührendes Werk über eine Familie am Rande der Gesellschaft hat beim Filmfestival in Cannes die Goldene Palme für den besten Film gewonnen. US-Regisseur Spike Lee bekommt den Großen Preis der Jury.

Die Goldene Palme des 71. Filmfestivals Cannes geht an das Familiendrama "Shoplifters" des Japaners Kore-Eda Hirokazu, wie die Jury mitteilte. Der 55-Jährige erzählt in dem Werk von einer aus Außenseitern zusammengewürfelten Familie, die am Rande der Gesellschaft lebt.

Der japanische Filmemacher hatte 2013 bereits den Jurypreis für sein einfühlsames Drama "Like Father, Like Son" in Cannes gewonnen. Zuletzt ging die Palme 1997 nach Japan: für "The Eel" von Shohei Imamura.

Jurypreis für Rassismus-Satire

Der Große Preis der Jury, die zweitwichtigste Auszeichnung des Festivals, ging in diesem Jahr an den US-Amerikaner Spike Lee. Seine gefeierte Satire "BlacKkKlansman" basiert auf der wahren Geschichte eines schwarzen Polizisten, der sich in den 70er-Jahren in den rassistischen Ku-Klux-Klan einschleuste.

Als bester Schauspieler wurde der Italiener Marcello Fonte geehrt. Er spielt in Matteo Garrones "Dogman" einen gutmütigen Mann, der zunehmend von einem Kriminellen drangsaliert wird. Beste Schauspielerin wurde Samal Yeslyamova aus Nordkasachstan für ihre Leistung in dem Drama "Ayka" von Sergey Dvortsevoy. "Ayka" ist eine deutsche Koproduktion.

Sonderpreis für Jean-Luc Godard

Zum ersten Mal in der Geschichte des Festivals wurde auch eine Sonder-Goldene Palme verliehen. Diese ging an den französisch-schweizerischen Regisseur und Drehbuchautoren Jean-Luc Godard, weil er "Kino konstant neu definiert", wie Jurypräsidentin Cate Blanchett erklärte. Der Preis der Jury ging an den libanesischen Beitrag "Capernaum" der Regisseurin Nadine Labaki. Für die beste Regie wurde der Pole Pawel Pawlikowski für "Cold War" ausgezeichnet.

Die Auszeichnung für das beste Drehbuch wurde gleich zwei Mal vergeben: An die Italienerin Alice Rohrwacher für ihr märchenhaftes "Happy is Lazzaro" und - zu gleichen Teilen - an die Iraner Jafar Panahi und Nader Saeivar. Sie schrieben das Drehbuch zu Panahis Film "3 Faces". Panahi durfte nicht vom Iran nach Cannes reisen, obwohl sich viele dafür eingesetzt hatten. Er darf den Iran nicht mehr verlassen, seit er 2010 bei Demonstrationen zur umstrittenen Wahl 2009 verhaftet wurde.

Argento mit kämpferischer Rede gegen Weinstein

Mit einer kämpferischen Rede gegen Harvey Weinstein und sexuellen Missbrauch berührte die italienische Schauspielerin Asia Argento die Gäste der Abschlussgala. "1997 wurde ich von Harvey Weinstein vergewaltigt", sagte die 42-Jährige. Der Vorfall habe sich in Cannes ereignet. "Dies war sein Jagdgebiet."

Vieles habe sich zwar getan, doch noch "heute Abend sitzen welche unter uns, die noch zur Verantwortung gezogen werden müssen", sagte sie. "Wir lassen euch nicht davonkommen."

Argento hatte ihre Anschuldigungen gegen den Hollywood-Produzenten Weinstein bereits in den vergangenen Monaten vorgebracht. Bei der Gala nutzte sie ihre Präsenz auf der Bühne des Festivalpalastes, wo sie die Auszeichnung für die beste Schauspielerin ankündigte.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Mai 2018 um 20:50 Uhr.

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