Kommentar

Proteste in den USA Was Trump da macht, ist widerlich

Stand: 02.06.2020 08:20 Uhr

Was Präsident Trump da in seinem Land macht, treibt gut der Hälfte der US-Bürger die Zornesröte ins Gesicht. Zu erklären ist das alles nicht mehr. Trumps Vorgehen widert an.

Ein Kommentar von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

US-Präsident Donald Trump lässt vor dem Weißen Haus einen Platz räumen, die Polizei muss dazu die Demonstrierenden mit Tränengas und Gummigeschossen vertreiben, nur damit der Präsident vor der St. Johns-Kirche, die bei den nächtlichen Protesten durch ein Feuer beschädigt wurde, eine Bibel in die Kameras halten kann. Zwei Minuten dauert das, dann geht er wieder zurück ins Weiße Haus - durch ein Spalier von Polizisten und Soldaten, die ihn abschotten und schützen.

Ist das noch eine Demokratie, ruft ihm fragend eine Reporterin entgegen?

Das sind genau die Bilder, die Trump braucht, um seine Wählerbasis gefügig zu halten. In fünf Monaten finden Präsidentschaftswahlen statt. Trumps unversöhnliche Botschaft: Hier regiert "Law and Order". Dazu scheut er auch nicht, nun das Militär gegen die eigene Bevölkerung zu aktivieren.

Natürlich treibt das mehr als der Hälfte der Menschen in den USA die Zornesröte ins Gesicht. Selbstverständlich könnte man sich als europäischer Journalist jetzt cool und altklug zurücklehnen und abgeklärt diese Vorgänge den Menschen zu Hause erklären. Das geht aber mittlerweile nicht mehr. Was Trump da macht, ist schlicht widerlich.

Große Unwucht in der Gesellschaft

Die USA befinden sich nach Wochen der Ausgangsbeschränkungen wegen Corona und mehr als 100.000 Toten im Schockzustand. Überproportional sind Schwarze betroffen. Das liegt am mangelhaften Gesundheitssystem und großer Unwucht in der Gesellschaft.  

Das Thema Polizeigewalt gegen Schwarze und Minderheiten ist in diesem Land nie aufgearbeitet worden. Jahrzehntelang wurde Gewalt von Polizisten durch Politik, Justiz und Gewerkschaften gedeckt.

Eiskalte Rambo-Rhetorik

Tragischerweise ist bei den landesweiten, überwiegend friedlichen Protesten genau das zu sehen: Polizisten gehen mit Härte und Brutalität gegen die Demonstranten vor. In New York fährt ein Polizeifahrzeug in eine Menschenmenge. In Atlanta werden Protestierer mit einer Elektro-Waffe außer Gefecht gesetzt. 

Dies ist der Nährboden für Unruhen. Martin Luther King sagte vor mehr als einem halben Jahrhundert: Ein Aufstand ist die Sprache der Unerhörten. Donald Trump könnte mit Worten der Versöhnung all dies schnell wieder beruhigen. Stattdessen setzt er mit eiskalter Rambo-Rhetorik auf Eskalation. 

Kommentar: Demonstrationen, Krawalle, Plünderungen in den USA
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
02.06.2020 07:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. Juni 2020 um 08:01 Uhr.

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