Einschätzung von HR-Bahnexperten Unfall trotz Sicherungssystem - drei denkbare Varianten

Stand: 09.02.2016 15:14 Uhr

Auf fast allen Bahnstrecken in Deutschland gibt es ein Sicherungssystem, das Züge automatisch abbremst, wenn sie ein rotes Signal überfahren. Wie kann es trotzdem passieren, dass Züge wie in Bad Aibling frontal zusammenstoßen? HR-Bahnexperte Carsten Jens nennt einige denkbare Optionen.

Carsten Jens, HR, zu möglichen Ursachen für das Unglück
tagesschau24 14:30 Uhr, 09.02.2016

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Hintergrund: PZB-System zur Zugsicherung

Je schneller Züge auf einer Strecke fahren dürfen, desto höher sind die Anforderungen an zusätzliche Sicherungstechnik, die menschliche Fehler ausbügeln soll - denn auch Bremswege werden länger.

Bis Tempo 160 wird die "Punktförmige Zugbeeinflussung" (PZB) eingesetzt. Installiert ist sie nach Angaben der Deutschen Bahn, die das Schienennetz betreibt, auch auf der eingleisigen Strecke in Bayern, auf der zwei Züge frontal zusammengestoßen waren. Das System dort war erst eine Woche zuvor überprüft worden. Dabei gab es laut Bahn keine Probleme.

Bei dem PZB-System empfängt ein Gerät im Zug Signale von Magneten im Gleisbett - diese sind mit einem ersten Vorsignal und dem 1000 Meter weiter stehenden Hauptsignal verkabelt. Steht das Hauptsignal auf Rot, zeigt dies auch bereits das Vorsignal an. Der Lokführer muss mit einer Taste bestätigen, dass er dies bemerkt hat, sonst bremst ihn die Technik ab. Rollt der Zug über das rote Hauptsignal, wird ebenfalls eine Zwangsbremsung ausgelöst. Das System kann auch eingreifen, wenn Züge etwa in engen Kurven die Geschwindigkeit nicht wie vorgeschrieben gedrosselt haben.

Wo schneller als Tempo 160 gefahren wird, werden Fahrtdaten nicht nur punktuell, sondern ständig technisch kontrolliert. Diese "Linienzugbeeinflussung" (LZB) kann ebenfalls automatische Bremsungen auslösen.

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