Der ehemalige Torhüter des FSV Mainz 05, Heinz Müller, rechts, mit seinem Anwalt Horst Kletke vor dem Bundesarbeitsgericht in Erfurt. | Bildquelle: dpa

Befristung von Verträgen Fußballer sind keine gewöhnlichen Arbeitnehmer

Stand: 16.01.2018 21:20 Uhr

Fußballprofis müssen sich von ihren Vereinen befristete Arbeitsverträge gefallen lassen. Das Bundesarbeitsgericht wies die Klage des früheren Torwarts Müller vom Bundesligisten Mainz 05 zurück. Eine Revolution im Profisport bleibt damit aus.

Von Christoph Kehlbach, ARD-Rechtsredaktion

Heinz Müller, ehemaliger Torwart des Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05, hat eine Niederlage erlitten. Nicht auf dem Fußballplatz, sondern vor Gericht. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt wies in letzter Instanz die Klage des Ex-Profis gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber ab.

Müller hatte im Juli 2012 bei Mainz einen Vertrag bis Juni 2014 unterschrieben. Dieses Arbeitspapier sollte sich um eine weitere Saison verlängern, wenn Müller in mindestens 23 Spielen der Saison 2013/2014 zum Einsatz käme. Nach einer Verletzung am elften Spieltag der Saison hat ihn der damalige Trainer Thomas Tuchel aber nicht mehr in der Erstligamannschaft des Vereins eingesetzt. Müller wurde der zweiten Mannschaft zugewiesen. Zu einer Verlängerung des Vertrags kam es nicht. Darum klagte der Torwart.

Torwart Heinz Müller bei einem Bundesligaspiel im Jahr 2012
galerie

Der ehemalige Torwart des FSV Mainz 05, Heinz Müller, bei einem Bundesligaspiel im Jahr 2012. Nach einer Verletzung wurde sein Vertrag nicht verlängert.

Befristung als Ausnahme

In dem Verfahren ging es darüber hinaus um die weitreichende Frage, inwieweit die Verträge von Lizenz-Fußballern überhaupt befristet werden dürfen. Das Teilzeit- und Befristungsgesetz sieht eine mehrfache Befristung von Arbeitsverträgen nämlich als Ausnahme an. Das Gesetz räumt Arbeitgebern diese Möglichkeit aber ein, wenn "die Eigenart der Arbeitsleistung eine Befristung rechtfertigt".

Für die Vereine war bisher eigentlich immer klar: Der Profifußball sei genau so ein "eigenartiger" Beruf. Schließlich würden die Spieler mit zunehmendem Alter weniger leistungsfähig und kein Club könne ernsthaft erwägen, Fußballern Verträge bis zum Rentenalter zu geben.

Arbeitsgericht gab Müller zunächst Recht

In der ersten Instanz hatte das Arbeitsgericht Mainz genau das aber anders beurteilt und Müller Recht gegeben. Diese Ausnahme gelte nicht für Profifußballer, entschieden die Mainzer Richter im März 2015. Es gebe keinen sachlichen Grund, der eine Befristung der Profiverträge rechtfertige. Es war eine Entscheidung, die für große Unruhe unter den Bundesligisten sorgte.

Hätte das Bundesarbeitsgericht den Fall nun genauso beurteilt, wäre das einer Revolution des Profisports gleichgekommen. Spieler hätten dann entweder maximal auf zwei Jahre befristet an einen Verein gebunden werden können. Danach hätten man ihnen einen unbefristeten Vertrag geben müssen. Diesen hätten sie dann auch mit ihrem "normalen" gesetzlichen Kündigungsrecht beenden können.

Der ehemalige Torhüter des FSV Mainz 05, Heinz Müller, rechts, mit seinem Anwalt Horst Kletke im Bundesarbeitsgericht in Erfurt. | Bildquelle: dpa
galerie

Fußballprofi - ein "eigenartiger" Beruf. Der ehemalige Torhüter Müller, rechts, mit seinem Anwalt Kletke im Bundesarbeitsgericht in Erfurt.

Entscheidung in letzter Instanz

Es ist allerdings anders gekommen. Vor dem Bundesarbeitsgericht hatte Müller keinen Erfolg. In letzter Instanz wiesen die Erfurter Richter seine Klage zurück. In der Pressemitteilung des obersten deutschen Arbeitsgerichts heißt es: "Im kommerzialisierten und öffentlichkeitsgeprägten Spitzenfußballsport werden von einem Lizenzspieler im Zusammenspiel mit der Mannschaft sportliche Höchstleistungen erwartet und geschuldet, die dieser nur für eine begrenzte Zeit erbringen kann. Dies ist eine Besonderheit, die in aller Regel ein berechtigtes Interesse an der Befristung des Arbeitsverhältnisses begründet."

Das bedeutet, die Bundesligisten können ihre Verträge mit den Spielern auch weiterhin wie gewohnt ausgestalten. Das von vielen befürchtete "Erdbeben" ist ausgeblieben.

Über dieses Thema berichtete die SWR-Aktuell Sportredaktion am 16. Januar 2018.

Darstellung: