Yvonne Ott, neue Verfassungsrichterin in Karlsruhe (Archiv) | Bildquelle: dpa

Verfassungsrichterin Yvonne Ott Die Frau der leisen Töne

Stand: 08.11.2016 18:49 Uhr

Klug, fleißig und erfahren: So beschreiben Kollegen und Weggefährten Yvonne Ott, die neue Verfassungsrichterin in Karlsruhe. Bundespräsident Gauck ernannte die ehemalige BGH-Richterin zur Nachfolgerin von Reinhard Gaier. Wer ist die "Neue"?

Von Gigi Deppe, ARD-Rechtsredaktion Karlsruhe

Jetzt gibt es fast einen Gleichstand: Im Zweiten Senat des Verfassungsgerichts sitzen tatsächlich vier Männer und vier Frauen, und im Ersten wurde ein ausscheidender Richter durch eine Richterin ersetzt. Das Verhältnis jetzt: fünf Männer und drei Frauen.

Die "Neue" im Ersten Senat, Richterin Yvonne Ott, kennt Karlsruhe gut. Denn sie hat die vergangenen Jahre im obersten deutschen Strafgericht, dem Bundesgerichtshof, ein paar Straßen weiter gesessen. Und zwar in dem Senat, der viel von sich reden macht - mit dem bekannten, höchst streitbaren Vorsitzenden Thomas Fischer. Dabei ist Ott eher eine Frau der leisen Töne.

Besonnen und abwägend

Die dunkelhaarige, hochgewachsene 53-Jährige überlegt erst, was sie sagen will, wenn man sie fragt, was eine gute Richterin ausmacht. "Man sollte nie vorschnell urteilen. Man sollte immer auch die Argumente der Beteiligten abwägen. Und letztendlich, wenn man im Kollegium arbeitet, was man ja meistens tut, sollte man an der Diskussion immer auch noch offen sein für die Argumente, die die Kollegen einbringen."

Wer im Internet nach Bildern der neuen Verfassungsrichterin sucht, hat es schwer: Es gibt nur ein paar offizielle Bilder in roter Robe, sonst nichts. Ott drängt sich nicht in den Vordergrund. Fest steht, dass ihr Umfeld, ihre bisherigen Kollegen, Bekannte und Freunde voller Lob sind.

Richter am Bundesverfassungsgericht
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Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe wacht über die Einhaltung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Jährlich gehen hier nach eigenen Angaben etwa 6000 Verfassungsbeschwerden ein.

Sie sei genau die Richtige fürs Verfassungsgericht, sagt einer, der sie viele Jahre im Beruf erlebt hat: Sie sei klug, menschlich sehr in Ordnung und außerdem ausgesprochen fleißig. Fest steht auch, dass sie viele Bereiche der Justiz kennt, im hessischen Finanzministerium arbeitete und Richterin in Zivilsachen war. In ihrer Doktorarbeit beschäftigte sie sich mit der Frage, ob Gemeindevertretungen als echte Parlamente anzusehen sind.

Richter - Posten mit Entscheidungsgewalt

Anwältin zu werden, hat sie allerdings nie besonders gereizt: "Als Anwalt kann ich mir über vieles Gedanken machen und auch einen guten Vortrag oder einen guten Schriftsatz ausarbeiten, gut auftreten. Aber als Richterin kann ich letztendlich über die Sache entscheiden."

Das Karlsruher Verfassungsgericht kennt Ott schon, denn sie war dort zwei Jahre lang wissenschaftliche Mitarbeiterin. Und so kann sie auch sofort benennen, was sie an ihrer neuen Aufgabe reizt: "Attraktiv ist vor allem für mich persönlich, dass man immer wieder mit neuen Fragestellungen konfrontiert ist. Im Laufe der Jahre verändert sich die Gesellschaft und das muss aufgenommen und bewertet werden. Das kann und muss man manchmal auch im Rahmen der Verfassungsinterpretation aufnehmen und berücksichtigen."

Am 6. Dezember verkündet ihr Senat ein Urteil zu der Frage, ob die Atomkonzerne wegen des Atomausstiegs nach Fukushima entschädigt werden müssen. An dieser Entscheidung ist Ott allerdings noch nicht beteiligt. Aber wenn es mal darum geht, die Rechte der kleinen Gewerkschaften beim Tarifeinheitsgesetz zu klären oder die neue Vorratsdatenspeicherung zu prüfen, dann ist sie mit dabei. Der erste Senat wird davon profitieren. Denn schwierige Beratungen wird sie mit ihrer ruhigen, humorvollen Art sicherlich entschärfen können.

Neue BVerfG-Richterin Yvonne Ott
G. Deppe, SWR
08.11.2016 17:58 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. November 2016 um 18:00 Uhr in den Nachrichten.

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