Ralf Wohlleben | Bildquelle: picture alliance / dpa

Wohlleben-Aussage im NSU-Prozess Zschäpe - "schlagfertig" und "witzig"

Stand: 16.12.2015 13:01 Uhr

Nach Beate Zschäpe hat im NSU-Prozess nun auch der mutmaßliche Terrorhelfer Ralf Wohlleben sein Schweigen gebrochen. Vor dem Oberlandesgericht München verlas er seine Aussage und beschrieb auch seine persönlichen Eindrücke über die Hauptangeklagte.

Auch Ralf Wohlleben hat sein Schweigen gebrochen: Der Mann, der laut Bundesanwaltschaft als "steuernde Zentralfigur" hinter dem mutmaßlichen Terrortrio stand, hat vor dem Oberlandesgericht in München seine Aussage verlesen.

Wohlleben schilderte, wie sich die rechte Szene in Jena in den 1990er-Jahren formiert hat. Die hätte damals Gewalt abgelehnt. In den 1990ern habe er auch Beate Zschäpe, Uwe Bönhardt und Uwe Mundlos kennengelernt. Zschäpe sei schlagfertig, witzig und ihm sehr sympathisch gewesen. Er habe keinen Anlass gehabt, zu vermuten, dass das Trio mal schwere Straftaten begehen würde, so Wohlleben.

Wohlleben im Juli beim NSU-Prozess, Anwältin Sturm und die Mitangeklagte Zschäpe sind im Vordergrund. | Bildquelle: dpa
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Wohlleben im Juli beim NSU-Prozess, Anwältin Sturm und die Mitangeklagte Zschäpe sind im Vordergrund.

Auch nach dem Untertauchen von Zschäpe, Bönhardt, Mundlos habe er Kontakt zu den dreien gehabt. Sie hätten mehrfach telefoniert, in Chemnitz habe er sie getroffen.

V-Mann Brandt habe zentrale Rolle gespielt

Eine zentrale Rolle bei der Bildung verschiedener Gruppen - speziell des "Thüringer Heimatschutzes" habe Tino Brandt gehabt. Der war damals V-Mann des Verfassungsschutzes.

Wohlleben schilderte auch seine Grundstimmung Mitte der 1990er-Jahre. Er habe zu der Zeit nichts gegen Ausländer gehabt, aber gegen eine Politik, die den Zuzug fördere. In Frankfurt am Main habe er damals den Eindruck gehabt, dass es da Stadtviertel gebe, in denen keine Deutschen mehr leben. Das habe er nicht für Jena gewollt.

Aussage am heutigen Tag überraschend

Dass Wohlleben aussagen wird, hatten Prozessbeobachter erwartet. Allerdings kam die Ankündigung für den heutigen Tag überraschend, wie ARD-Reporter Julian von Löwis berichtet. Weil Wohlleben - anders als Beate Zschäpe, die Hauptangeklagte in dem Verfahren, - auch direkt auf Fragen aller Prozessbeteiligter antworten will, wurde seine Aussage mit Spannung erwartet.

Wohlleben sagt aus: Julian von Löwis, BR, mit einer Einschätzung
tagesschau 12:00 Uhr, 16.12.2015

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Die Bundesanwaltschaft wirft Wohlleben Beihilfe zum Mord vor. Er soll Waffen für den "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) beschafft haben. Wohlleben sitzt wie Zschäpe seit 2011 in Untersuchungshaft.

Zschäpe hatte die Schuld von sich gewiesen

Die Angeklagte Beate Zschäpe und ihre Anwälte sitzen im Gerichtssaal im Oberlandesgericht in München an ihren Plätzen. | Bildquelle: AP
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Zschäpe mit ihren Verteidigern Borchert und Grasel

Zschäpe ist die einzige Überlebende des NSU. Sie muss sich in dem Verfahren als mutmaßliche Mittäterin verantworten. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den NSU, zehn Morde und zwei Sprengstoffanschläge verübt zu haben.

Zschäpe hatte sich vergangene Woche überraschend nach einem Jahr des Schweigens zu den Taten geäußert. Sie hatte sich als unwissend dargestellt und die Schuld allein ihren toten Freunden Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zugeschoben. Als unwahrscheinlich gilt, dass sie bereits heute Fragen des Gerichts zu ihrer Aussage beantwortet. Ihr Anwalt Mathias Grasel hatte mitgeteilt, er werde die Fragen mit Zschäpe durcharbeiten, voraussichtlich aber erst im neuen Jahr Antworten vorlegen.

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