Schmidt, Zwanziger, Beckenbauer, Niersbach am 18.11.2005 im Frankfurter Waldstadion

Affäre um Fußball-WM 2006 Anklage gegen Ex-DFB-Funktionäre

Stand: 23.05.2018 17:39 Uhr

Das deutsche "Sommermärchen" wird nun vermutlich doch noch ein Fall fürs Gericht. Im Zusammenhang mit der Fußball-WM 2006 hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen ehemalige DFB-Chefs erhoben.

In der Affäre um die Vergabe der Fußball-WM 2006 hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt drei frühere DFB-Funktionäre wegen Steuerhinterziehung angeklagt. Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach und Horst R. Schmidt bestätigten den Eingang einer entsprechenden Anklageschrift.

Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung werfen den einstigen Topfunktionären vor, den Fiskus bewusst getäuscht und eine falsche Steuererklärung für 2006 abgegeben zu haben. Der Deutsche Fußball-Bund musste aus diesem Grund bereits 19,2 Millionen Euro an Steuern nachzahlen. Alle drei weisen die Vorwürfe jedoch zurück.

Zwanziger und Niersbach weisen Vorwürfe zurück

"Diese Anklageerhebung ist blinder Aktionismus, um von eigenem Fehlverhalten abzulenken und die 'heiße Kartoffel Ermittlungsverfahren' möglichst schnell in die Verantwortung der Gerichte abzuschieben", ließ der ehemalige DFB-Präsident Zwanziger durch seinen Anwalt erklären. "Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Veranlassung, den reichen DFB durch eine Steuerhinterziehung noch reicher zu machen." Auch Zwanzigers Nachfolger Niersbach erklärte gegenüber der dpa: "Es wird sich herausstellen, dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe völlig haltlos sind."

Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach
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Die früheren DFB-Präsidenten Zwanziger (links) und Niersbach (rechts) weisen die Vorwürfe zurück.

2005 hatte der DFB unter der Führung von Zwanziger, Niersbach und dem damaligen Generalsekretär Schmidt 6,7 Millionen Euro über ein Konto der FIFA angeblich an den früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus zurückgezahlt. Das Geld steht im Zentrum der gesamten WM-Affäre. Der 2009 gestorbene Franzose soll diesen Betrag 2002 aus nach wie vor ungeklärtem Grund dem WM-Organisationschef Franz Beckenbauer geliehen haben. Einen deshalb ebenfalls im Raum stehend möglichen Bestechungs- und Untreueverdacht hatte die Staatsanwaltschaft wegen Verjährung fallen gelassen.

Beckenbauer nicht beschuldigt

Zwanziger und der DFB argumentieren, das Geld sei 2005 als Zuschuss zu einer WM-Gala gedacht und deshalb als Betriebsausgabe mit eindeutigem WM-Bezug auch steuerlich absetzbar gewesen. Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung sind sich jedoch sicher, dass die Zahlung bewusst verschleiert und zur Tilgung eines Privatdarlehens von Beckenbauer verwendet worden sei.

Beckenbauer zählt nicht zu den Beschuldigten, weil er mit der betreffenden Steuererklärung nichts zu tun hatte. Gegen ihn wird allerdings seit längerer Zeit in der Schweiz ermittelt. Erst Anfang des Monats war der Abschlussbericht der Steuerfahndung publik geworden, in dem die Ermittler eine Anklageerhebung gegen Zwanziger, Niersbach und Schmidt empfehlen.

Bis zu zehn Jahre Haft möglich

Die Staatsanwaltschaft sieht den Verdacht der schweren Steuerhinterziehung, wofür das Gesetz einen Strafrahmen von sechs Monaten Haft bis zu zehn Jahren Haft vorsieht. Über die Zulassung der Anklage muss das Frankfurter Landgericht entscheiden.

DFB-Anklage gegen Niersbach, Zwanziger & Co
Volker Hirth, DLF
23.05.2018 19:32 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. Mai 2018 um 17:00 Uhr.

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