Audimax in Ilmenau | Bildquelle: dpa

Studie zu ausländischen Studierenden Deutsche Hochschulen haben große Anziehungskraft

Stand: 22.07.2015 16:45 Uhr

Erstmals sind mehr als 300.000 ausländische Studierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Nach den USA und Großbritannien ist Deutschland damit das beliebteste Gastland. Und auch deutsche Studierende zieht es immer häufiger ins Ausland.

Nie zuvor waren an deutschen Universitäten mehr ausländische Studierende eingeschrieben als heute. Im Jahr 2014 stieg ihre Zahl auf 301.350. Das sind etwa 19.000 mehr als noch 2013. Das Ziel von Bund und Ländern, bis zum Jahr 2020 350.000 ausländische Studierende an deutschen Hochschulen auszubilden, wird somit aller Voraussicht nach bereits vorzeitig erreicht. Das geht aus dem Bericht "Wissenschaft Weltoffen 2015" hervor, den das Bundesministerium für Bildung und Forschung gemeinsam mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) heute vorgestellt hat.

Jeder neunte Studierende kommt aus dem Ausland

"Jeder neunte Studierende in Deutschland stammt inzwischen aus dem Ausland, Tendenz weiter steigend", sagt Bildungsministerin Johanna Wanka und wertet das als Beweis für die hohe internationale Anziehungskraft deutscher Hochschulen.

Studium an einer Hochschule in Venlo / Niederlande | Bildquelle: picture alliance / dpa
galerie

Die Niederlande sind ein beliebtes Gastland für deutsche Studierende.

Nach den USA und Großbritannien ist Deutschland für ausländische Studierende inzwischen das beliebteste Gastland. Vor allem die Masterstudiengänge gewinnen für die ausländischen Studierenden an Attraktivität: Im Jahr 2013 schrieben sich 16.658 ausländische Studierende erstmals an Universitäten für einen Masterstudiengang ein, das sind 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders beliebt sind hier die Ingeniuerswissenschaften. Die Zahl der internationalen Masterstudierenden hat sich seit 2008 mehr als verdreifacht und liegt aktuell bei 67.000. Ihre Studienerfolgsquote ist mit 91 Prozent außerordentlich hoch.

Mehr als die Hälfte wollen in Deutschland bleiben

Mehr als die Hälfte der in Deutschland studierenden Ausländer plant, nach dem Studienabschluss zunächst in Deutschland zu bleiben. Und tatsächlich lebten von den Nicht-EU-Ausländern, die von 2005 bis 2013 ein Studium in Deutschland absolviert haben, 2014 immer noch etwa 54 Prozent in Deutschland. Als Gründe nennen sie vor allem die Arbeitsmarktlage, aber auch die generelle Lebensqualität in Deutschland. Anlass für eine Rückkehr ins Heimatland sind hingegen meistens familiäre oder partnerschaftliche Motive.

Der Hochschul-Bildungs-Report kam im Juni allerdings noch zu anderen Zahlen: Laut dieser Studie blieben nur 44 Prozent der ausländischen Absolventen anschließend in Deutschland. Dies sei - gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftebedarfs - zu wenig. Das Bildungsministerium kann diese geringere Zahl nicht nachvollziehen - wendet allerdings ein, dass sich die Investition in kluge Köpfe aus aller Welt in jedem Fall lohne, selbst wenn die Studierenden wieder in ihre Heimatländer zurückkehren. "Die weltweite Mobilität fördert den wissenschaftlichen und kulturellen Austausch", sagte Wanka. Ihr Ziel ist jedoch klar: "Wir brauchen die besten Köpfe von überall her, um unsere Innovationskraft zu erhalten und den demografischen Wandel zu meistern."

Schwierigkeiten bei Kontakten außerhalb der Uni

Schwierigkeiten sehen die Autoren der Studie allerdings noch bei der Integration der ausländischen Studierenden hierzulande. Teilweise mangele es noch an sozialen Kontakten außerhalb der Hochschule, besonders zu deutschen Studierenden. Die Vermittlung von Deutschkenntnissen spiele bei der Integration eine entscheidende Rolle, entsprechenden Angeboten müsse an den Hochschulen noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, betonte Wanka.

Die meisten kommen aus China

Am beliebtesten ist Deutschland als Studienort bei Chinesen: Sie stellen mit Abstand die größte Gruppe ausländischer Studierender (28.381), gefolgt von Russland (11.126). Insgesamt ist der Anteil der asiatischen Studierenden deutlich gestiegen, sie stellen inzwischen 37 Prozent. Hierbei spielt Indien mit 9.372 Studierenden als mittlerweile drittgrößtes Herkunftsland eine immer wichtigere Rolle. 45 Prozent der ausländischen Studenten stammen aus Europa.

Auch deutsche Studenten zieht es immer häufiger ins Ausland. Für 2012 meldet das Statistische Bundesamt 138.500 deutsche Studierende im Ausland. Die beliebtesten Gastländer sind nach wie vor Österreich, die Niederlande, die Schweiz und Großbritannien. In Großbritannien kommt es allerdings - zum ersten Mal seit 2007 - zu einem deutlichen Rückgang der deutschen Studierenden (-9 Prozent). Der Grund für diesen Einbruch sind vermutlich die seit dem Wintersemester 2012/13 deutlich erhöhten Studiengebühren in Großbritannien.

Deutsche Hochschulen genießen international hohes Ansehen
J. Barth, ARD Berlin
22.07.2015 16:03 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Darstellung: