Regisseur Dieter Wedel | Bildquelle: dpa

#MeToo-Debatte Schwere Vorwürfe gegen Dieter Wedel

Stand: 03.01.2018 22:12 Uhr

Mehrere Schauspielerinnen haben dem Star-Regisseur Dieter Wedel in einem Magazin sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Der Filmemacher wies die Vorwürfe zurück und kündigte an, juristisch gegen die Veröffentlichung vorzugehen.

Der Regisseur Dieter Wedel hat Aussagen von Frauen widersprochen, die ihm gewalttätige und sexuelle Übergriffe in den 1990er-Jahren vorwerfen. In einem Bericht des "Zeit-Magazins" kommen mehrere, teils namentlich genannte Schauspielerinnen zu Wort, die schwere Anschuldigungen erheben - bis hin zum erzwungenen Sex.

Wedel habe vor Erscheinen des Berichts "eine umfassende eidesstattliche Erklärung zu den schweren Anschuldigungen abgegeben", teilte sein Anwalt Michael Philippi mit. "Darin versichert er, dass die offenbar von mehreren Schauspielerinnen gegen ihn erhobenen Vorwürfe unzutreffend und nicht gerechtfertigt sind. Er habe zu keinem Zeitpunkt diesen oder anderen Frauen in irgendeiner Form Gewalt angetan", heißt es in der Mitteilung des Anwalts, die die Bad Hersfelder Festspiele auf ihrer Webseite veröffentlichten. Wedel ist derzeit Intendant der Festspiele.

Im "Zeit-Magazin" äußern sich sowohl Schauspielerinnen, die zu Vorstellungsterminen geladen wurden, als auch ehemalige Mitarbeiter des Regisseurs. Eine der Schauspielerinnen schildert, Wedel habe sie 1996 in einem Hotel zum Sex gezwungen, als sie 27 Jahre alt war. Eine weitere namentlich genannte Schauspielerin beschreibt, wie Wedel sie 1991 gewaltsam in einem Hotelzimmer angegangen habe. Die Schauspielerin Corinna Harfouch wird als nicht selbst Betroffene mit den Worten zitiert: "Viele haben gewusst, dass Wedel Schauspielerinnen schlecht behandelt und demütigt. Das war ein von allen gestütztes System."

"Auch Männer sind Übergriffen ausgesetzt"

Wedel selbst hatte sich im November in einem Radiointerview geäußert und von eigenen Erfahrungen berichtet. "Auch Männer sind Übergriffen ausgesetzt", sagte der 75-Jährige dem Radiosender FFH. Das habe er in seinen jungen Jahren als Theater-Schauspieler selbst erfahren. "Ich wurde immer für schwul gehalten." Einige Regisseure und Schauspieler hätten ihn "schon mächtig unter Druck gesetzt".

Wedel geht gegen die mehrere Seiten lange Veröffentlichung im "Zeit-Magazin" und die Online-Version vor. "Mein Mandant wird sich gegen diese Veröffentlichung mit allen juristisch zur Verfügung stehenden Mitteln zur Wehr setzen", sagte Rechtsanwalt Philippi. Wedel sei mit den "Verdächtigungen" einem "massiven öffentlichen Pranger ausgesetzt".

Im "Zeit-Magazin" wird Wedel selbst mit den Worten zitiert, dass er "ein überbordendes, manchmal auch grenzüberschreitendes Temperament" habe und dabei "vermutlich auch oft Schauspieler und Schauspielerinnen in ihrem Stolz und Selbstwertgefühl verletzt" habe. In der Stellungnahme seines Anwaltes wird dazu betont, einen Zusammenhang mit den Wedel unterstellten Übergriffen habe es dabei nie gegeben.

#MeToo als Auslöser

Die Vorwürfe gegen Wedel erinnern an die Diskussion über sexuelle Übergriffe in den USA, die Hollywood-Schauspielerinnen Ende 2017 angestoßen hatten. Erstmals seit der sogenannten #MeToo-Debatte erheben nun auch Frauen in Deutschland konkrete Vorwürfe gegen einen prominenten Mann aus der Filmbranche. Eine Schauspielerin sagte dem "Zeit-Magazin", erst nach den #MeToo-Enthüllungen und der Beratung eines Anwalts traue sie sich nun, ihre eigenen Erfahrungen öffentlich zu machen.

Wedel gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Regisseure. Er machte sich vor allem in den 1990er Jahren mit Fernseh-Mehrteilern einen Namen. Dazu zählen unter anderem "Der große Bellheim" (1993), "Der Schattenmann" (1996) und "Der König von St. Pauli" (1998).

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 03. Januar 2018 um 22:30 Uhr.

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