Bernd LUcke | Bildquelle: dpa

Neue Partei der Ex-AfD-Anhänger Lucke ist nun ALFA-Chef

Stand: 22.06.2016 13:27 Uhr

Die Unterstützer des ehemaligen AfD-Vorstands Lucke haben in Kassel die "Allianz für Fortschritt und Aufbruch" (ALFA) gegründet. Lucke wählten sie zum Vorsitzenden der neuen Partei, die sich an der "Ur-AfD" orientieren will. Experten geben ihr nur eine geringe Chance.

Die rechtskonservative Alternative für Deutschland (AfD) bekommt Konkurrenz durch eine neue Partei um ihren früheren Chef Bernd Lucke. Das kündigte Lucke in Kassel nach einem Treffen zur Parteigründung an. Die neue Partei werde ALFA heißen. Dies solle ein Kürzel für die "Allianz für Fortschritt und Aufbruch" sein.

Lucke soll die Neugründung führen: Seine Anhänger wählten ihn zum neuen Parteivorsitzenden. Das gab der Verein "Weckruf 2015", der der Parteigründung vorausging, auf seinem Twitter-Account bekannt.

Weckruf2015 @AfDWeckruf2015
Bernd Lucke #berndlucke zum Vorsitzenden der neuen Partei gewählt #neustart #afd

Der Europaabgeordnete rief unter dem Applaus der rund 70 Gründungsmitglieder zum Ende der Versammlung in einem Kasseler Hotel zu konstruktiver und sachlicher Arbeit auf und sprach von einer sehr guten Stimmung. Insgesamt gebe es bis zu 5000 Interessenten für die neue Partei. "Es liegt viel Arbeit vor uns, dessen sind wir uns bewusst", sagte er vor den Teilnehmern.

Etablierung schwierig

Politikwissenschaftler schätzen die Chancen, dass sich die neue Partei etablieren kann, aber eher als gering ein. So habe die AfD "vor allem in den ostdeutschen Bundesländern bei den Landtagswahlen mit gesellschaftspolitischen Positionen ihre Stimmen geholt und weniger mit Euro-Rettung", sagt Oskar Niedermayer von der Freien Universität Berlin in den tagesthemen. Die neue Partei müsse sich jetzt zwischen der AfD und der Union positionieren und zwar für die Wähler glaubhaft. Das sei ganz schwierig.

Bernd Lucke gründet neue Partei
tagesthemen 23:20 Uhr, 20.07.2015, Gerrit Rudolph, HR

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Anlehnung an die ursprünglichen AfD-Ziele

Das Programm soll sich früheren Planungen zufolge an den ersten Kernthesen der Ur-AfD orientieren. "Es ist eine Wiedergeburt der alten Partei, die aus dem Gleis geraten ist, was wir alle bedauern", sagte Lucke vor seinen Anhängern. Wirtschaftsliberal und Euro-kritisch soll die neue Partei sein. Der 4000 Mitglieder zählende Verein "Weckruf 2015" gilt als Sammelbecken für AfD-Mitglieder, die mit den rechtspopulistischen Thesen einiger Parteifunktionäre nichts zu tun haben wollen.

In einem Interview mit dem Deutschlandfunk erklärte Lucke: "Die AfD ist entgleist, sie ist zur Pegida-Partei ausgerufen worden." Antiwestliche, prorussische Kräfte hätten das Sagen übernommen. In der neuen Partei ALFA hätten Fremdenfeindlichkeit und Islamfeindlichkeit keinen Platz. Es gehe ihm auch darum, "dass wir eine klare Verankerung im westlichen Bündnis haben mit der Mitgliedschaft in der EU und in der NATO", sagte Lucke.

Anfang Juli hatten sich bei einem außerordentlichen Bundesparteitag in Essen die nationalkonservativen Kräfte in der AfD klar durchgesetzt. Zur ersten Vorsitzenden wurde die frühere Co-Vorsitzende Frauke Petry aus Sachsen gewählt. Vorangegangen war ein monatelanger Machtkampf zwischen Petry und Lucke, der eher für liberal-konservative Ansichten steht. Dieser verlor seinen Vorstandsposten und trat anschließend aus der AfD aus. Seit dem Bruch hat die AfD neben Lucke rund 2000 Mitglieder verloren, unter ihnen auch viele Mandatsträger.

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